Kein Hinweis mehr auf den Namen des Toten: Nachdem Unbekannte das Grab Wolfgang Schäubles in Offenburg geöffnet hatten, wurde dieses am Montag wieder verschlossen – Blumenschmuck und Kreuz wurden entfernt. Foto: Armbruster

Das Entsetzen in Offenburg ist groß: Die Totenruhe des verstorbenen CDU-Politiker Wolfgang Schäuble wurde gestört. Unbekannte gruben ein mehr als einen Meter tiefes Loch in sein Grab. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen, viele Fragen sind noch offen.

Kein Name, kein Blumenschmuck, nur aufgewühlte Erde – quasi nichts erinnert am Montagmittag daran, dass eines der Gräber im Feld 2 des Offenburger Waldbachfriedhofs zu Wolfgang Schäuble gehört.

 

Lediglich ein Rechteck lockeren Bodens deutet an, wo der CDU-Politiker und ehemalige Bundestagspräsident im Januar mit militärischen Ehren beerdigt worden war.

Das Gras rundherum ist deutlich mitgenommen: Man erkennt die Spuren der zuvor ausgehobenen Erde. Mehrere Bauzäune mit Sichtschutzfolie – mutmaßlich Überbleibsel einer Polizei-Absperrung – stehen in der Nähe.

Hintergründe der Tat sind noch völlig offen

Unbekannte hatten sich zuvor an Schäubles Grab zu schaffen gemacht. Städtische Mitarbeiter entdeckten am Montagmorgen Erdaushub rund um das Grab des kurz vor dem Jahreswechsel gestorbenen CDU-Politikers. Darüber informierten Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Mitteilung.

Kriminaltechniker stellten demnach fest, dass ein Unbekannter ein trichterförmiges Loch von rund 1,20 Meter Tiefe gegraben habe. Von der „Störung der Totenruhe“ ist die Rede. Nach bisherigen Erkenntnissen gelangte der Unbekannte nicht bis zum Sarg des Verstorbenen.

Das Entsetzen über die Tat ist groß. Ein älterer Mann bleibt am Montagmittag vor dem Grab stehen. Er komme täglich an der Stelle vorbei, erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Heute morgen war alles abgesperrt, überall war Polizei“, berichtet er. Wie ein „durchwühlter Acker“ habe das Grab da ausgesehen. Zwischenzeitlich wurde das Loch wieder verschlossen, Kreuz und Blumenschmuck abgeräumt. Der Mann zeigt sich fassungslos, schüttelt den Kopf: „Welches kranke Hirn tut sowas?“

Zu möglichen Hintergründen – etwa zum Motiv – liegen laut Polizei und Staatsanwaltschaft noch keine Erkenntnisse vor. Staatsanwalt Hans Christian Schmitz wollte sich am Montagnachmittag im Gespräch mit unserer Redaktion auch nicht weiter äußern. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft betonte, keine Informationen über die veröffentlichte Pressemitteilung hinaus preisgeben zu können.

OB Marco Steffens fordert harte Bestrafung

Auch Rathauschef Marco Steffens zeigte sich am Montag schockiert. Erst im Januar habe die Stadt ihren Ehrenbürger mit einem „sehr würdigen Abschied“ bedacht. „Nun mussten wir erleben, dass am Grab in niederträchtiger Weise die Totenruhe gestört wurde. Das ist schrecklich und macht uns traurig. Wir hoffen auf rasche Aufklärung durch die Polizei und eine harte Bestrafung der Täter“, betont der OB.

Der Staatsschutz des Polizeipräsidiums Offenburg hat die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Das sei durchaus üblich, wenn „eine Person aus dem politischen Raum“ von einer Straftat betroffen sei, versicherte Staatsanwalt Schmitz. Zeugen, die verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben, sollen sich unter Telefon 0781/21 28 20 an die Kriminalpolizei wenden.

Das sagt das Strafgesetz

Die „Störung der Totenruhe“ ist als Straftatbestand in Deutschland auch im Gesetz verankert. „Wer eine Aufbahrungsstätte, Beisetzungsstätte oder öffentliche Totengedenkstätte zerstört oder beschädigt oder wer dort beschimpfenden Unfug verübt“, wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft, heißt es im Strafgesetzbuch. Bereits der Versuch der „Störung der Totenruhe“ ist in Deutschland strafbar.