„Bares für Rares“-Gefühl im Empfinger Hof: Das Mannheimer Auktionshaus brachte Expertenwissen nach Empfingen. Und einige Schätze wurden vorbeigebracht.
Der Empfinger Hof bot am Sonntag das passende Ambiente für einen Blick auf Besonderheiten und verborgene Werte. Das Mannheimer Auktionshaus machte Station, um Raritäten zu schätzen – und gegebenenfalls auch anzukaufen oder für eine Auktion aufzunehmen.
Es war tatsächlich so ein bisschen wie im Fernsehen: „Bares für Rares“ auf ZDF im Empfinger Format.
Schmuck aus einem Nachlass
Charles Bamberger junior saß am Tisch und prüfte Schmuckstück für Schmuckstück. „Das ist Silber. Das ist 333er Gold“, sortierte er, während eine Empfingerin eine ganze Sammlung aus dem Nachlass ihrer Mutter vorlegte. Über den Gold- und Silberwert ist sie am Ende überrascht: Bamberger bietet ihr eine vierstellige Summe. „Ich bin platt und muss jetzt mal mit meiner Schwester sprechen, vielleicht komme ich später noch einmal.“ Eine Stunde später ist sie wieder im Beratungsraum: „Meine Schwester hat zugestimmt.“
Horst und Karin Neuendorf aus Empfingen brachten ein Gemälde mit Waldmotiv mit. „Das Gemälde habe ich von meiner Mutter geerbt, die es ebenfalls mal erhalten hat“, sagt Horst Neuendorf. Große Hoffnungen hätten sie sich nicht gemacht, „aber man weiß ja nie“. Aaron Gärtner – Sohn von Charles Bamberger senior, der krankheitsbedingt ausfällt – muss sie enttäuschen. „Das ist typisch 40/50er-Jahre. Heute nicht mehr so gefragt. Das hängt sich kein junger Mensch mehr in die Wohnung. Es ist keine akademische Kunst, wir haben hier Hobbymalerei. Das soll nicht abwertend klingen.“ Gearbeitet worden sei mit Kleinspachtel, „das hat nichts zu sagen, dass es keiner war, der von Kunst keine Ahnung hat“. Das Bild sei sehr schön, doch der Wert liege nur bei 150 bis 200 Euro. Für das Auktionshaus sei es nicht interessant.
Zwei Frauen erscheinen später mit einem Gemälde, dessen Signatur nicht klar zu erkennen ist. Die Datenbank steht am Nachmittag nicht zur Verfügung. Das Werk soll nach dem Krieg im Kloster Kirchberg in Zahlung gegeben worden sein – mehr lässt sich vor Ort nicht klären.
Ist es ein Gemälde von Edward Landseer?
Ein Mann ist aus dem Kreis Rottweil angereist. Er hat ein großformatiges Fuchs-Gemälde dabei. Verbirgt sich darunter vielleicht ein großer Schatz? Könnte es ein Werk des berühmten englischen Tiermalers Edward Landseer (1802– 1873) sein? Die Unterschrift könnte darauf hindeuten, doch unterscheidet sie sich auch wiederum von bekannten Signaturen – wenngleich die Form des „L“ wieder passen könnte. Da die Datenbank weiterhin nicht verfügbar ist, fotografiert Gärtner das Bild und die Signatur. „Wir werden das jetzt ein bis zwei Wochen prüfen und Ihnen Bescheid geben.“
Am Morgen hatten die Schätzer bereits ein besonders wertvolles Werk gesehen. Pressesprecher Klaus Fischer bestätigt: „Der Kunde war bereits um 9 Uhr vor Ort, um sich seine Expertise zu sichern.“
Es handelte sich um ein Gemälde des 1962 in Russland geborenen lettischen Künstlers Viktor Sheleg, dessen Wert im fünfstelligen Bereich liegt. Der Kunde sei jedoch nur zum Schätzen gekommen und habe bereits gewusst, was er besitzt.
Auktionshaus zieht positives Fazit
Ob Nachlass, Zufallsfund oder vermeintlicher Schatz: Der Auktions-Tag im Empfinger Hof zeigte, wie viel Geschichte und Überraschung in Dingen schlummern kann, die über Generationen weitergegeben wurden.
Fischer: „Wir sind rundum zufrieden, die Empfinger haben die Kunstsprechstunde toll angenommen.“