Der Weidenbohrer ist eine große Gefahr für die Pappeln im Seepark. Foto: Baublies

Anlass für die Fällung der Bäume ist der Weidenbohrer. Gegen diesen weiß man sich nicht anders zu helfen, als betroffene Bäume zu entfernen.

Bevor Fabian Roßmanith mit seinen Erklärungen startete, gab es praktischen Anschauungsunterricht für die Mitglieder des Umweltausschusses: Der Abteilungsleiter Grün und Umwelt hielt ein Stück eines Baumstamms hoch, einer Pappel, in den sich Raupen gefressen hatten – ein aufrüttelnder Anblick. „Der Weidenbohrer hat wieder zugeschlagen“, konstatierte Roßmanith mit ernster Miene.

 

Danach überbrachte er die Hiobsbotschaft: In allen drei Pappelwäldchen, die im Zuge der Landesgartenschau gepflanzt worden waren, müssten Bäume gefällt werden. In der Ausschusssitzung am Donnerstagabend bezifferte Roßmanith ihre Zahl auf „mindestens 40“. Tags darauf verschickte die Stadt eine Pressemitteilung, in der sich die Lage noch schlimmer darstellt: 80 Bäume seien nicht mehr zu retten und müssten weichen, hieß es jetzt.

Eingriff ist zwingend erforderlich

Das entspricht etwa einem Fünftel des Pappelbestands auf den drei Arealen. Ein Pappelwäldchen ist am westlichen Ende des Seeparks nördlich des Parkplatzes gelegen, die beiden anderen befinden sich an der B 3 zwischen dem Mietersheimer Fußballplatz und dem Gelände der Firma Mosolf.

Der Eingriff sei zwingend erforderlich, um die Verkehrssicherheit auf Straßen, Fahrrad- und Fußwegen zu wahren und drohende Baumstürze zu vermeiden, so die Stadt. Grund sei erneut der Weidenbohrer, der erstmals im Frühjahr 2024 auf dem Seeparkgelände Weiden befallen hatte, die daraufhin gefällt werden mussten. Der Weidenbohrer ist eine Schmetterlingsart, dessen fingerdicke und bis zu zehn Zentimeter lange Raupen sich durch Bäume fressen und diese massiv schädigen.

Roßmanith machte aus seinen Gefühlen keinen Hehl: „Ich bin mittlerweile frustriert“, sagte er – und dass die Lage „dramatisch“ sei. Denn man wisse sich gegen den Schädling mittlerweile nicht mehr zu helfen. Außer halt, Bäume zu entfernen, die massiv von ihm befallen sind.

Vorerst sollen keine neuen Bäume folgen

Ziel der neuerlichen Fällaktion sei es deshalb auch, die weitere Ausbreitung des Weidenbohrers zu verhindern, heißt es aus dem Rathaus. Denn bisher gebe es noch kein anderes Verfahren, mit dem man im großen Stil effektiv gegen den Schädling vorgehen könne. Ansätze, den Weidenbohrer am einzelnen Baum zu bekämpfen, seien mit einem großen Aufwand verbunden und daher für Rettungsaktionen in mehreren ganzen Wäldchen ungeeignet. Erschwerend komme hinzu, dass der Schädling wegen der Klimaerwärmung inzwischen das ganze Jahr über aktiv sei. Man stehe im Austausch mit Forstbehörden und wissenschaftlichen Einrichtungen, um eine Strategie zu seiner Eindämmung zu entwickeln.

Die Pappelwäldchen sind von der Bodenstruktur so beschaffen, dass nach derzeitigem Stand nur Weichhölzer in Frage kämen. Genau diese Arten – Weiden und Pappeln – bevorzugt allerdings der Weidenbohrer. Doch man habe ihn auch bereits an anderen Baumarten im Stadtgebiet festgestellt, an Äpfel- und Birnenbäumen, Buchen, Esschen, „sogar an Platanen“, sagte Roßmanith. Hinzu komme, dass die Bäume durch den Klimawandel geschwächt seien und sich aus eigener Kraft kaum noch gegen den Schädling wehren könnten.

Vorerst ist laut der Stadt nicht geplant, auf den betroffenen Flächen neue Bäume zu setzen. Das Risiko, dass der Weidenbohrer die jungen Bäume befällt, sei zu hoch. „Pflanzungen sind erst wieder möglich, sobald der Schädling eingedämmt ist und zudem geklärt ist, welche sonstigen Baumarten standortgerecht wären, dabei aber gleichzeitig den Weidenbohrer abhalten“, heißt es aus dem Rathaus.

Was hilft?

Um den Weidenbohrer zu bekämpfen, ist laut Biologen schnelles Handeln entscheidend: Befallene Äste und Zweige sollten rasch entfernt und durch Verbrennen vernichtet werden. Bei einzelnen Larven könne man versuchen, diese mit einem biegsamen Draht aus den Bohrlöchern zu entfernen und zu töten. Alternativ könne eine selbstgemachte Quassia-Seifenbrühe die Raupen vergiften, allerdings auch Nützlinge schädigen. Auch das Fördern natürlicher Fressfeinde wie Spechte oder Meisen könne helfen, den Bestand zu reduzieren. Grundstücksbesitzern wird geraten, ihre Bäume regelmäßig auf Anzeichen eines Befalls wie lückige Baumkronen oder einen Essiggeruch zu kontrollieren.