In Sulz werden Bisamratten gejagt. (Symbolfoto). Foto: Swen Pförtner/dpa

Bisamratten gelten als eine invasive Schädlingsart – auch in Mühlheim. Carina Bartsch bejagt die Tiere mit Fallen. Sie hat sogar ein eigenes Modell entwickelt.

„Bisamratten sind possierliche Tiere, aber eben auch Schädlinge“, erklärt Carina Bartsch. Seit gut sieben Jahren sind sie und Jörg Bohnet als ehrenamtliche Bisamratten-Fänger für den Mühlbach und den Mühlkanal verantwortlich.

 

„Die Tiere sind Zwischenwirte für den Fuchsbandwurm“, kommt Bartsch auf das gesundheitliche Risiko zu sprechen. Gleichzeitig würden sie ihre Löcher in die Uferböschung bauen – und diese Gebiete bis zu 15 Meter weit aushöhlen. Das stelle besonders für in der Nähe verlaufende Straßen, aber auch Eisenbahn-Dämme eine reale Gefahr dar.

Kommunikation und Kontakt

„2018 habe ich den Jagdschein gemacht, da konnte man sich auch gleich zum Thema Bisamratte fortbilden“, erinnert sie sich. Und als dann der damalige Bisamratten-Fänger aufhörte, war ihre Nachfolge quasi automatisch gesetzt. Seither steht sie regelmäßig mit den Ordnungsamt der Stadt Sulz in Kontakt, wenn sich nagetiergeplagte Bürger dorthin wenden.

„Einer Familie haben sie den Zwetschenbaum leergefuttert“, kommt sie auf solch eine Situation zu sprechen. Doch könne man sich auch direkt an sie wenden. So seien ihre zehn Fallen alle mit Name und Telefonnummer versehen. „Der direkte Kontakt ist einfach am besten“, findet Bartsch. So könnten mögliche Missverständnisse auch am schnellsten gelöst werden.

Schonzeit für Tiere

In der Anfangszeit habe sie sich anhören müssen, sie würde die Tiere „killen“. „Bisamratten werfen zwei bis vier Mal im Jahr mit jeweils fünf bis acht Jungtiere“, thematisiert sie die Reproduktion der Tiere. Mit ihren paar Fallen sei eine „Ausrottung“ also zahlenmäßig schlichtweg gar nicht möglich.

Eine Einzelfalle mit einem Apfel-Köder Foto: Schneider

Darüber hinaus würden sie und Bohnet die Fallen auch nur in der Zeit von September bis März aufstellen. „Diese Frist haben wir uns freiwillig auferlegt – eigentlich dürften Bisamratten als Schädlinge ganzjährig bejagt werden“, erklärt sie. Aber warum dann die Begrenzung?

Beifang vermeiden

„Zwischen April und August ist die Brut- und Aufzuchtzeit vieler Tiere“, erläutert die Jägerin. Kehrten die Elterntiere nicht zu ihren Nestern zurück, würden die Jungtiere dort verhungern. Auch will sie verhindern, dass es zu viel „Beifang“ gibt – also dass Tiere in die Falle gehen, die man gar nicht fangen will, beispielsweise Enten, Bläss- und Teichhühner.

Darüber hinaus seien sie auch sehr darauf bedacht, dass ihnen nur Bisamratten, aber keine Biber, an die Köder gingen. „Ein Fehlfang, etwa bei einem Jungbiber, hätte für uns gravierende rechtliche Konsequenzen – bis hin zum Verlust des Jagd- und Angelscheins“, schildert sie die juristischen Folgen.

Wichtige Abwägung

Deshalb hätten sich beide auch viel Gedanken gemacht – und eine eigene Falle – speziell für Bisamratten – konstruiert. „Die Öffnung zum Köder ist so eng, dass der Biber mit seinem großen Kopf gar nicht reinkommt“, beschreibt Bartsch das System. Kommt die Bisamratte hingegen an den Köder – meist ein Stück Apfel – werde der Mechanismus ausgelöst.

„Würden wir Lebendfallen benutzen, müssten die Tiere oft die ganze Nacht im eiskalten Wasser sein“, beschreibt sie ihre Abwägung. Das bedeute schließlich auch eine Qual für das Lebewesen. Denn ausbringen würde sie die Fallen abends oder nachts, um sie in der Früh wieder einzusammeln.

Konflikte von Mensch und Tier

„Da bin ich dann schon morgens um 4.30 Uhr draußen unterwegs“, erläutert sie ihre Zeiteinteilung im Ehrenamt. Sinnvoll sei aus ihrer Sicht, die Fallen in direkter Nähe zum Bau der Tiere aufzustellen. „Wenn jemand weiß, wo die Eingänge sind, sollte man uns das sagen“, bittet sie. Denn von einem Gießkannen-Prinzip, nach dem die Geräte wahllos in der Gegend aufgestellt würden, hält sie wenig.

Im Umgang mit Tieren hofft sie darüber hinaus auf gegenseitige Rücksichtnahme. „Wir leben in einem dicht besiedelten Gebiet, praktisch jeden Tag wird irgendwo etwas zubetoniert“, kommt sie auf Konflikte zwischen Tier und Mensch zu sprechen.

Ehrenamt für Gemeinschaft

Und dass das Landratsamt mit Blick auf die Bisamratten-Population „überfordert“ sei, wie ein Leser jüngst anmerkte, möchte sie so nicht gelten lassen. Schließlich würden sie und Bohnet regelmäßig ihre Fanglisten einreichen – und auch in der Glatt gebe es einen Bisamratten-Fänger, der am dortigen Flussverlauf seiner Tätigkeit nachgehe.

„Ein professioneller Schädlingsbekämpfer kostet die Woche gut und gerne 15 000 Euro“, überlegt Bartsch. Sie sehe ihr Engagement hingegen als Dienst für die Gemeinschaft.