Kaputte Kanäle gibt es auch in Neubulach. Foto: © strubel - stock.adobe.com

Es ist einiges im Argen im Neubulacher Erdreich. Die Kanäle sind zu großen Teilen hinüber – teils ist in manchen Orten die Hälfte des Netzes schadhaft. Für schnelle Maßnahmen müssen alleine um die 350 000 Euro her. Doch der Detailblick lässt nicht hoffen.

Neubulach - "Wir sind unter der Erde", leitete Neubulachs Bürgermeisterin Petra Schupp den achten Tagesordnungspunkt der jüngsten Gemeinderatssitzung ein. Dabei ging es um den Zustand der Kanäle im Stadtgebiet. Genauer gesagt um die drei Teilorte Martinsmoos, Oberhaugstett und Altbulach. Im Rahmen der Eigenkontrollverordnung müsse man alle paar Jahre die Kanäle befahren und untersuchen lassen, leitete Schupp ein. "Ich bin gespannt, wir haben eine lange Zeit nicht mehr reingeschaut", so die Rathauschefin. Jacob Geiger vom Ingenieurbüro "Raidt & Geiger" erläuterte dann die Ergebnisse der Untersuchungen. Seit 2019 arbeiten die Kanal-Experten an der Analyse und zeigten nun die mitunter erschreckenden Ergebnisse, die die Kameras buchstäblich zu Tage förderten.

Doch zunächst erläuterte Geiger das komplexe Berechungsmodell. Ein zweijähriges Regenereignis – also eines, das statistisch gesehen nur alle zwei Jahre in seiner Heftigkeit auftritt – wird herangezogen. Sämtliche Grundstücke, Grünflächen und Straßen werden miteinberechnet, sogar mögliche neue Wohngebiete, die noch gar nicht in Planung sind, aber eines Tages ausgewiesen werden könnten.

Der Grund dafür: "So ein AKP (Anm. d. Red. Allgemeiner Kanalisationsplan) hat eine Halbwertszeit von 20 Jahren. So ein Kanal hält bis zu 100 Jahre, deshalb hat man da einen langen Planungshorizont", erläuterte Geiger.

Farbgebung alarmierend

In Martinsmoos ist einiges zu tun. "Es sind etliche Befunde überall im Kanalnetz", bilanziert Geiger. Die Farbgebung entlang der Kanalpläne mutete allerdings alarmierend an – überall sprangen den Stadträten rote Markierungen ins Auge. Ein schlimmes Bild, wie es scheint. Doch Geiger beruhigt: "Die rote Farbe erzeugt hier viel Dramaturgie." Nichtsdestotrotz ist das Kanalsystem marode. Einige Kanäle sind undicht und drohen gar zusammenzubrechen. Der Bedarf an finanziellen Mitteln ist hier groß, 350 000 Euro braucht es. Auch in Oberhaugstett sieht es nicht arg viel besser aus – Kanäle sind unter anderem komplett zugewuchert, der Kanal unter der Hauptstraße ist wohl komplett zusammengebrochen, da die Straße abgesackt ist. Der Preisschock schlechthin: 210 Meter neuer Kanal kosten 290 000 Euro, rechnet Geiger vor. Dementsprechend teuer wird eine Sanierung, geht am Ende in die Millionen. Alles auf einmal zu sanieren, bekommt die Stadt also auch finanziell nicht gestemmt. In Altbulach sieht die Lage auch nicht besser aus. Knapp die Hälfte des Kanalnetzes ist schadhaft. "Das Hauptproblem ist die Brunnenstraße, da gibt es viele undichte Muffen", so Geiger. Hier bleibe nur das "Vollausbau-Szenario", das wiederum Kämmerer Manfred Maurer an den Rand der Ohnmacht bringen könnte. 565 000 Euro sind hier für 285 Meter Kanalsanierung fällig.

Gremium gedeckelt

Als sich ein vom Zustandsbericht sichtlich gedeckelter Gemeinderat erholt hatte, fragte Lars Dannenmann: "Ist das überall so? Bricht bald alles runter?" Ganz so dramatisch sei es dann auch wieder nicht, beruhigte Geiger, stellte aber unmissverständlich klar: "Der Investitionsbedarf ist gigantisch. Aber es ist überall ein Problem, nicht nur in Neubulach. In den letzten Jahrzehnten ist zu wenig getan worden." Auch Bürgermeisterin Schupp erkannte, dass da "im Untergrund einiges schlummert" – und wahrhaftig nichts Gutes. Immerhin, so Geiger, seien Kanäle ein technisches System, "das sehr lange verzeiht".

Wie es denn mit Umweltfolgen aussehen würde, wenn überall Risse und kaputte Kanäle seien, wollte Stadtrat Rainer Stoll wissen. Das sei nicht so einfach zu beantworten, denn je nachdem wo der Riss liege, trete unterschiedlich viel an Abwasser aus. Allerdings in solch geringen Mengen, dass man die Folgen kaum spüren könnte.

Mehr Infiltration als Exfiltration

Zumal es sich eher um Infiltration als um Exfiltration handle – kurz gesagt: Es läuft mehr Wasser aus dem Erdreich in die Kanäle als Abwasser aus dem Kanal ins Erdreich. Als Geiger dann weiter machen wollte, war Verwaltungschefin Schupp bedient und hatte genug gesehen und wollte schnell zum Fazit gelangen. "Alle Bilder, die noch kommen, machen es vermutlich nicht besser", so Schupp. Kurzfristig seien, um die gröbsten Probleme auszumerzen, um die 350 000 Euro fällig, schloss Geiger.

Mittelfristig werden weitere 700 000 Euro nötig sein, um den Kanal-GAU abzuwenden. Insgesamt steht ein Investitionsvolumen von um die vier Millionen Euro im Raum, wovon allerdings schon ein Großteils mit Fördermitteln gedeckt ist. Immerhin, übt sich Schupp fast schon in Galgenhumor, gebe es eine positive Nachricht: "Was uns trösten kann – wir sind kostendeckend unterwegs."