Zollernalbkreis – kann so eine abstrakte Verwaltungsinstitution bei den Einwohnern Heimatgefühle und Identität vermitteln? Mit Plastikschädel, Gießkannenanhänger und Schafwollhaufen wird das aktuell versucht.
„Der Zollernalbkreis in 50 Objekten“ ist der Titel einer Ausstellung, die am Donnerstag im Hohenzollerischen Landesmuseum in Hechingen eröffnet wurde.
Wer hier die Jubiläumsschau mit Urkunden, Stempeln, Infotafeln und alten Fotos erwartet, wird enttäuscht. Erklärtexte hängen nirgends. Die Objekte geben Rätsel auf. Da sieht man beispielsweise eine Industrie-Garnrolle, einen Pappmache-Hahn, ein Schädel aus dem 3-D-Drucker, nachgebaute Uran-Würfel, und einen Mini-Gießkannen-Anhänger.
Wer wissen will, was das soll, kann mit dem Handy QR-Codes an den Vitrinen abscannen, oder ganz altmodisch den Katalog zu Hand nehmen, der kostenlos abgegeben wird, allerdings schon mit Erwartung einer Spende, die der Caritas und dem Tafelladen zu Gute kommen.
Gladiatoren auf Tonscherbe und Schädel aus dem 3-D-Drucker
Manche Objekte verweisen klassisch auf die Geschichte. Eine Tonscherbe aus Römerzeit mit Gladiatorenmotiv, der Schädel aus dem 3-D-Drucker, nachgebildet jenem Schädel eines jungen Mädchens aus dem 14. Jahrhundert, das einst durch Wundmale und andere Zeichen als wundertätig galt, vergessen wurde und in einer Leidringer Kirche 1949 wieder gefunden wurde.
Flasche verweist auf Öl-Schieferabbau in KZs der Region
Manche Objekte entfalten beim nachlesen teils erschütternde Bedeutung. Etwa eine schlichte Flasche mit Bügelverschluss und Zettel dran. Sie enthält eine Probe von jenem Öl, wie es in den KZs der Region aus Ölschiefer gewonnen wurde. Tausende Zwangsarbeiter wurden im Verlauf dieses Nazi-Projekts direkt ermordet oder sie starben an Auszehrung.
Auf und Abstieg der Textilindustrie symbolisiert eine Garnrolle
Dass solche Brutalitäten vor der eigenen Haustür passierten, gehört ebenso zur Geschichte des Zollernalbkreises wie die Garnrolle, die Trigema aus seinem Bestand beisteuerte. Sie verkörpert den Aufstieg der Textilindustrie, die einst zehntausenden in der Region Arbeit gab, und ebenso ihren späteren Niedergang. Neue Erwerbsquellen eröffneten sich. Davon zeugen beispielsweise Objekte der Feinmechanik aus Jungingen.
Und so geht es weiter. Die Objekte seien allesamt in irgendeiner Form mit anderen Objekten der Ausstellung in Zusammenhang, erklärte Kreisarchivar Uwe Volwarczny in seinem Vortrag zur Ausstellungseröffnung. Und aus allen lassen sich Geschichten ableiten, die wie Mosaiksteine zur Identität des Landkreises beitragen.
Mini-Gießkanne zeugt von der Abneigung gegen die Preußen-Herrschaft
Verblüffend klein ist beispielsweise der silberne Gießkannen-Anhänger, der möglicherweise einst die Uhrenkette eines stolzen Hechinger zierte und der klar die Ablehnung der Preußen signalisierte, die nach 1850 das Ministaatsgebilde der einstigen Zollergrafen übernahmen. Kinder hatten mit einer Gießkanne damals eine preußische Beamtengattin belästigt, die Polizei wurde gerufen, es kam zu Beleidigungen, Meineiden, die Preußenjustiz schoss weit über das Ziel vernünftiger Strafverfolgung hinaus. Große Geschichte, dargestellt in einem Miniaturobjekt. Fazit nach der Ausstellung: Der Zollernalbkreis ist groß, und die Identitäten der Einwohner zwischen Bitz und Haigerloch ergeben ein Mosaik, dessen Teile die Ausstellung durchaus gut abbildet.
Die Ausstellung ist im Hechinger Landesmuseum noch bis zum 29. September während der Öffnungszeiten donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Sie wird anschließend in Haigerloch zu sehen sein, danach in Jungingen und Balingen.
Wer die Objekte im Internet anschauen will, findet über die Homepage „zak50.de“ sämtliche 50 Objekte dargestellt und beschrieben.
Die Ausstellung
Öffnungszeiten:
Die Ausstellung ist im Hechinger Landesmuseum noch bis zum 29. September während der Öffnungszeiten donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Sie wird anschließend in Haigerloch zu sehen sein, danach in Jungingen und Balingen.
Die Objekte:
Wer die Objekte im Internet anschauen will, findet über die Homepage „zak50.de“ sämtliche 50 Objekte dargestellt und beschrieben.