Die Spieler des VfB Stuttgart bejubeln mit Torschütze Serhou Guirassy (re.) das 2:1 gegen den SC Paderborn. Foto: Baumann/Julia Rahn

Der VfB Stuttgart stand mit einem Bein im Pokal-Aus – feierte dann aber ein Last-Minute-Comeback beim SC Paderborn. Wie es dazu kam? Was die Beteiligten sagen? Wir analysieren die Partie.

Sie kamen aus dem Umarmen gar nicht mehr heraus. Die Spieler in den weiß-roten Trikots, die Trainer in ihren schwarzen Jacken, und die mitgereisten Fans sowieso. Sie alle bejubelten ein Finale furioso, das den VfB Stuttgart dann doch noch ins Viertelfinale des DFB-Pokals hievte (hier geht’s zum Liveticker zum Nachlesen).

 

Vier Minuten vor dem Schlusspfiff hatte ausgerechnet Neuzugang Gil Dias beim SC Paderborn mit einem wunderschönen Linksschuss den Ausgleich erzielt – er war erst vier Minuten zuvor eingewechselt worden. Und als sich dann alle Beteiligten mit einer Verlängerung abgefunden hatten, gab es doch noch einmal zwei Eckbälle für den VfB. Der erste führte zum zweiten – und dann machten die Stuttgarter das, was ihnen zuletzt immer wieder einmal gelungen ist: ein Spiel in quasi letzter Sekunde entscheiden.

In der fünften Minute der Verlängerung schlug also der ebenfalls eingewechselte Pascal Stenzel die 17. und letzte Ecke des VfB herein, im Paderborner Strafraum stieg Serhou Guirassy hoch und nickte den Ball ein. Der Rest war Jubel pur. Und Fabian Wohlgemuth, der Stuttgarter Sportdirektor, lobte: „Wir hatten bis zum Schluss die Mentalität, das Spiel gewinnen zu wollen.“ Der VfB-Torhüter Florian Müller ergänzte: „Das war wichtig, wir waren 90 Minuten lang die bessere Mannschaft.“

Wieder mehr Optionen für Bruno Labbadia

Im Gegensatz zum Bundesliga-Auswärtsspiel am vergangenen Freitag bei RB Leipzig (1:2) standen dem Trainer Bruno Labbadia wieder einige Optionen mehr zur Verfügung. Konstantinos Mavropanos und Serhou Guirassy gehörten wieder zur Startelf. Dazu standen die beiden Neuzugänge Genki Haraguchi und Gil Dias einen Tag nach ihrer Verpflichtung gleich im Kader für das Pokal-Achtelfinale. Zudem hatte das ordentliche Auswärtsspiel gegen das Leipziger Topteam die Hoffnung genährt, dass der VfB trotz der knappen Niederlage mit einer breiten Brust in Paderborn würde auflaufen können.

Die Spieldaten, die der VfB vom Anpfiff weg produzierte, ergaben den Eindruck, dass dies ganz gut gelungen ist. Nach einer halben Stunde hatte der VfB 78 Prozent Ballbesitz und das Eckenverhältnis stand bei 6:0 für die Gäste. Später, so um die 70. Minute herum, waren es elf Eckstöße der Gäste, die bis dahin 14 Torschüsse abgegeben hatten. Die Gastgeber dagegen hatten zu diesem Zeitpunkt gerade das erste Mal auf das Stuttgarter Tor geschossen. Und führten dennoch.

Denn schon in der vierten Minute hatte diese Partie eine Wendung durch eine Aktion genommen, die mit außergewöhnlich fast noch unzutreffend beschrieben ist. Als „denkwürdigen Auftakt“ bezeichnete Wohlgemuth das Geschehene. Und auch als „Nackenschlag“.

Etwa an der Mittellinie warf Waldemar Anton den Ball bei einem Einwurf zu Konstantinos Mavropanos. Der Innenverteidiger wurde unter Druck gesetzt, er hatte dennoch mehrere Optionen, die Szene aufzulösen – entschied sich für die schlechteste. Aus der Drehung schlug er einen Rückpass auf Florian Müller. Der hatte sich, wie man das als Torhüter macht, versetzt zum eigenen Tor postiert. Doch der Pass aus 48 Metern Entfernung hatte eine andere Richtung und zu viel Schärfe. Müller mühte sich noch, an den Ball zu kommen, hechtete aber vergeblich der Kugel hinterher. Und das Stuttgarter Team war fortan dazu gezwungen, dem Rückstand hinterherzurennen. Am Willen dazu mangelte es nicht.

Traumdebüt für Neuzugang Gil Dias

„Wir stehen zusammen, drehen das Spiel, gewinnen und fahren wieder heim“, nannte Müller später das Motto. Der VfB dominierte die Partie weiter (am Ende 72 Prozent Ballbesitz), spielte Pass um Pass (insgesamt 686), startete Angriff um Angriff, schlug Flanke um Flanke, feuerte Torschuss um Torschuss (22:1) ab. Doch die Abwehr des Zweitligisten brachte das nur selten in Verlegenheit. So lief dem VfB die Zeit davon – bis Gil Dias seinen ersten Auftritt im Brustring-Trikot zu einem Traumdebüt und Guirassy den Sieg perfekt machte. „Das war ein toller Einstand für ihn“, sagte Labbadia über Dias – und ergänzte: „Es war ein absolut verdienter Sieg. Wir waren bis zum Schluss geduldig.“

Damit feierte der VfB nicht nur den ersten Sieg in der zweiten Amtszeit von Bruno Labbadia und den zweiten Auswärtserfolg dieser Pokalsaison. Die Stuttgarter stehen auch erstmals seit sieben Jahren im Viertelfinale des DFB-Pokals und kassieren weitere rund 1,7 Millionen Euro. Das findet Anfang April statt und wird am 19. Februar ausgelost. Davor aber will das Team in der Bundesliga nachlegen. Am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) kommt Werder Bremen nach Stuttgart.