Trainiert hart für seinen großen Traum: SC-Spielmacher Vincenzo Grifo. Foto: von Ditfurth

Für Vincenzo Grifo vom SC Freiburg war die EM Enttäuschung und Freude zugleich. Vor Turnierbeginn wurde er aus dem vorläufigen italienischen Kader gestrichen, dann bejubelte er vor dem Fernseher den Titelgewinn. Nun will er wieder angreifen.

Es hat nur eine Sache gegeben, die Vincenzo Grifo in den ersten Tagen in Österreich ein bisschen schlechte Laune bereitet hat – und das war das Wetter. Trüb, nass und kühl begann das Trainingslager des SC Freiburg in Schruns. Da erinnerte sich der Offensivspieler des Fußball-Bundesligisten lieber zurück an den Urlaub in der italienischen Heimat, wo er sich "richtig erholt, gut gegessen und Sonne getankt" hat.

Über den EM-Triumph "brutal gefreut"

Und das, obwohl der 28-Jährige die Enttäuschung verdauen musste, dass er es nicht in den endgültigen Kader der italienischen Nationalmannschaft für die EM geschafft hatte. Den Titelgewinn der Squadra Azzurra hat er dann von Freiburg aus verfolgt und sich "brutal gefreut".

Auch habe er sich "zumindest zu einem Teil zugehörig gefühlt, weil ich im vorläufigen Kader war und mich auf Sardinien mit ihnen vorbereitet hatte", wie er erklärte. Trotz seiner darauffolgenden Nichtnominierung für das paneuropäische Turnier gönnt er den EM-Titel auch dem italienischen Nationaltrainer Roberto Mancini, "der mir die Chance gegeben hat – einem Bundesligaspieler vom SC Freiburg". Als er das sagte, hatte Grifo seinen Blick schon wieder nach vorne gerichtet. Nun hofft er, dass im September zu seinen bislang sechs Länderspielen weitere hinzukommen – und auch auf eine Teilnahme an der WM 2022 in Katar. Mit guten Leistungen bei seinem Klub will er sich empfehlen.

Die vergangene Saison war mit neun Toren und zehn Vorlagen in 31 Spielen seine bislang beste in der Bundesliga. Nur 2016/2017 hat er annähernd so gut "performed", wie er selbst gerne sagt. Danach ging er zu Borussia Mönchengladbach, wo er an diese guten Leistungen allerdings ebenso wenig anknüpfen konnte wie danach bei der TSG 1899 Hoffenheim. Erst nach seiner Rückkehr Anfang 2019 zum Sport-Club in Freiburg hat er wieder zur früheren Form gefunden.

"Jeder weiß, dass ich hier eine zweite Familie gefunden habe und wie viel Kraft mir der Trainer und die Jungs geben", sagt Grifo. Und er wies die Gerüchte vor allem in italienischen Medien zurück, dass er nach Italien wechseln könnte – auch um seine Nationalmannschaftschancen zu erhöhen. Die Serie A bleibe für ihn "ein Traum, aber es muss der richtige Zeitpunkt sein", erklärt der in Pforzheim geborene Italiener.

Auch als Führungsspieler beim SC gefragt

"Es ist schön, wieder bei meinen Jungs zu sein und sich mit ihnen neue Ziele zu setzen." Nach Freiburgs zehntem Rang in der Vorsaison "will man ja nicht schlechter werden". SC-Trainer Christian Streich hält große Stücke auf ihn. "Er hat in den letzten Jahren eine sehr gute Entwicklung gemacht – auch von der Persönlichkeit her", sagte er vor nicht allzu langer Zeit.

Außerdem ist Grifo angesichts der vielen jungen Talente im SC-Kader auch als Führungsspieler gefragt. Dabei nimmt er sich gerne ein Beispiel an den Routiniers seiner Nationalelf: Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci. Er findet: "Die zwei sind echte Anführer, nehmen alle an die Hand."

Das versucht auch Grifo in Freiburg und seine Laune im Trainingslager hat sich inzwischen deutlich gebessert, denn seit Montag ist das Wetter in Vorarlberg wieder schön und soll auch so bleiben. "Die Bedingungen sind sowieso top, wie immer", sagt Grifo.

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