Der SC Freiburg hat es geschafft und steht im Finale der Europa League. So haben sich die SC-Kicker in einem der größten Spiele der Vereinsgeschichte geschlagen.
Sie haben es tatsächlich geschafft. 78 Minuten lang sah alles nach einem souveränen Finaleinzug aus, danach begann das große Zittern für den SC Freiburg.
Am Ende jedoch steht Historisches: Die Breisgauer stehen erstmals in ihrer Geschichte in einem Europapokal-Finale und treffen am 20. Mai in Istanbul auf Aston Villa.
Es war ein denkwürdiges Spiel am Donnerstagabend, an dessen Ende grenzenloser Jubel bei Spielern und Fans stand. So haben sich die SC-Kicker aus der Startelf beim 3:1-Sieg gegen Sporting Braga geschlagen.
Noah Atubolu – Torwart
In seinem womöglich letzten Europapokal-Heimspiel für seinen Heimatverein erlebte der Stammkeeper, um den es Wechselgerüchte gibt, zunächst einen ruhigen Abend. In Halbzeit eins wurde es nur einmal brenzlig. Zunächst hatte Noah Atubolu Pfostenglück, danach rettete Philipp Treu für ihn. Als er in der 58. Minute erstmals gefordert wurde, parierte er aus kurzer Distanz und hielt so das 2:0 fest. Beim Gegentor in der 78. Minute aus kürzester Distanz war er zwar dran, allerdings ohne Chance. Am Ende war er gleich mehrfach gefordert und parierte die Distanzschüsse der Braga-Spieler.
Lukas Kübler – Rechtsverteidiger
Weil Allzweckwaffe Philipp Treu auf links rutschte, spielte Lukas Kübler auf seiner angestammten Position. Oder war es andersrum und Schuster wollte Kübler unbedingt auf dem Feld haben? Wie auch immer: In der 20. Minute traf der Rechtsverteidiger per Flippertor zum 1:0 und egalisierte damit den Rückstand aus dem Hinspiel. In der 72. Minute wurde der Abwehrspieler endgültig zum Freiburger Helden, als er eine Grifo-Flanke zum vorentscheidenden 3:0 einköpfte. Nach 78 Minuten kam Jordy Makengo für den Man of the Match ins Spiel.
Matthias Ginter – Innenverteidiger
Bei seinem Schuss kurz nach dem Seitenwechsel hatten wohl einige schon den Torschrei auf den Lippen. Doch aus gut 25 Metern verzog der Innenverteidiger, der noch von der WM träumt, knapp. Defensiv hatte er mit seinem Partner Philipp Lienhart lange alles im Griff – und trat stattdessen auch immer wieder offensiv in Erscheinung. In der finalen Drangphase von Sporting Braga war er hinten wieder voll da und klärte am Ende alles, was es zu klären gab.
Philipp Lienhart – Innenverteidiger
Genau wie sein Innenverteidigungskollege Ginter hatte er defensiv alles im Griff. Bei Standards war er vorne mit dabei und hätte rund um die 60. Minute gerne einen Elfmeter gehabt, als er nach einem Halten zu Boden ging. Anders als im Hinspiel, als Philipp Lienhart so einen Strafstoß verschuldete, blieb dieses Mal aber die Pfeife stumm. Das hatte am Ende jedoch keine Relevanz und Lienhart war am Ende defensiv voll dabei.
Philipp Treu – Linksverteidiger
Als der ein oder andere gedanklich vielleicht bereits in der Kabine war, rettete Philipp Treu in höchster Not bei der Doppelchance von Braga. Beim Schuss von Rodrigo Zalazar stand der Außenverteidiger goldrichtig und blockte für seinen Keeper Noah Atubolu. Schaltete sich ansonsten auch immer wieder im Spiel nach vorne ein, ohne jedoch den ganz großen Impact zu haben. In der Schlussphase war er mehrfach zur Stelle und sicherte mit Klärungsaktionen den Erfolg.
Maximilian Eggestein – zentrales Mittelfeld
Der Dauerbrenner im Team des SC Freiburg verrichtete seine Arbeit im Mittelfeld wieder immer: Unauffällig, unaufgeregt und zuverlässig. Als Taktgeber auf der Doppelsechs gewann er wichtige Zeitkämpfe und sorgte für Stabilität.
Nicolas Höfler – zentrales Mittelfeld
Die einzige wirkliche Überraschung in der Startelf von Julian Schuster. Der Routinier kam bisher in dieser Saison kaum zum Zug. Im Spiel des Jahres startete Nicolas Höfler auf der Doppelsechs, Johan Manzambi rutschte aufgrund der Verletzung von Yuito Suzuki eine Position nach vorne. Seine fehlende Spielpraxis merkte man dem Routinier nicht an, er wirkte stets wach und hatte schon in Durchgang eins mehrere gute Pressingaktionen. Am Ende war er neben Lukas Kübler das Gesicht dieses Erfolgs – von der Ersatzbank ins Europapokal-Finale sozusagen.
Johan Manzambi – offensives Mittelfeld
Weil Höfler mit Eggestein die Doppelsechs bildete, durfte der Youngster eine Position weiter vorne ran und trieb immer wieder an. In Minute 41 war es Johan Manzambi, der seine Farben auch in Addition beider Spiele in Führung brachte. Nachdem er im Rückraum nicht angegriffen wurde, zog er aus gut 18 Metern ab und traf sehenswert zum 2:0 für den SC Freiburg. Auch neben seinem Tor war er immer wieder ein Aktivposten und sorgte für Gefahr.
Vincenzo Grifo – links Außenbahn
Vieles deutete in der 6. Minute auf einen typischen Grifo-Moment hin. Doch der Standardexperte überließ den Freistoß Jan-Niklas Beste. Der Italiener lieferte indirekt die Vorlage zum 1:0, in Durchgang zwei traf er den Außenpfosten. In der 72. Minute hatte er dann doch noch seinen Grifo-Moment, als eine Freistoßflanke perfekt auf den Kopf von Doppelpacker Kübler kam.
Jan-Niklas Beste – rechte Außenbahn
Der Flügelspieler lief in der 6. Minute das erste Mal alleine aufs Tor zu, wurde jedoch bei 17 Metern gefoult und verhalf so seinem Team zur frühen Überzahl. Mit dem fälligen Freistoß blieb Jan-Niklas Beste jedoch in der Mauer hängen. Über die gesamte Zeit war er ein ständiger Antreiber, um die 70. Minute herum scheiterte er aus kurzer Distanz am Braga-Keeper. Zehn Minuten vor dem Ende musste er dann entkräftet ausgewechselt werden.
Igor Matanovic – Sturm
Leitete die erste gefährliche Situation, aus der die frühe Rote Karte für Braga resultierte, mit einem tollen Pass auf Beste ein. Der Mittelstürmer wurde auch danach immer wieder gesucht, hatte es jedoch gegen tief und kompakt stehende Portugiesen schwer. Im Anlaufen und dem Pressing verdiente sich der kroatische Nationalstürmer Bestnoten, offensiv konnte er jedoch nicht ganz so viele Akzente setzen, wie in so manch anderem Spiel.