Der FC 08 Villingen trennt sich vom SC Freiburg II mit 1:1. Dem Regionalliga-Schlusslicht gelingt ein Blitzstart. Bundesliga-Reserve trifft in der Nachspielzeit.
Die wichtigste Erkenntnis zum Beginn: Villingen lebt noch – trotz der schwierigen sportlichen Situation und der finanziellen Probleme.
Gegen den Freiburg II gelang der zweite Punktgewinn in Folge. Entsprechend stolz war 08-Trainer Steffen Breinlinger: „Unter dem Strich bin ich mit den Jungs sehr zufrieden, weil sie einen beherzten, einen leidenschaftlichen Auftritt gezeigt haben und nie locker gelassen haben. Den Punkt nehmen wir mit.“
Der FC 08 Villingen kann doch noch gut starten
Grundlage für den Punktgewinn war der Treffer von Karlo Kuranyi nach nicht einmal 20 Sekunden. Frankfurt, Bahlingen, Homburg: Die Nullachter waren zuletzt nicht als Frühstarter bekannt, gaben die Spiele oft bereits in der ersten Halbzeit aus der Hand.
„Deshalb war es unser großes Ziel, griffig ins Spiel zu kommen“, erzählt Breinlinger. Fabio Liserra setzte dies mit seinem Ballgewinn und seinem langen Pass in die Spitze ebenso um wie Karlo Kuranyi, der sich – wie es sein Trainer ausdrückt – „unglaublich gut und willensstark“ gegen seinen Gegenspieler durchsetzte.
Positionswechsel und Kader
Die Geschichte des Spiels hätte eine ganz andere sein können, wenn Freiburg in der Anfangsviertelstunde seine Großchancen nutzt. Dann aber stellte Breinlinger auf ein 541 um.
„Das lag daran, dass wir Probleme hatten, die Breite und die Tiefe zu sichern. Sie haben auf der linken Seite eine Überzahl kreiert“, erzählt der 08-Coach, der im Zuge der Umstellung Georgios Pintidis vom Innen- zum Außenverteidiger machte.
Pintidis ist als Mittelfeldspieler bekannt, wurde für dieses Spiel aber als Innenverteidiger eingeplant. „Ich habe ja in den bisherigen Spielen bereits gezeigt, dass ich auch mal die Position eines Spielers wechsle“, meint Breinlinger. „Ich weiß aber noch nicht, auf welcher Position ich ihn gegen Gießen einplane.“
Breinlinger ist kein Dogmatiker
Doch zurück zur Umstellung: Breinlinger ist ein Trainer, der Ballbesitz und Offensivfußball sehen will, daraus macht er kein Geheimnis.
Gleichzeitig ist dies mit diesem Team in dieser sehr starken Liga nicht so einfach. „Wir brauchen Ballbesitz. In der zweiten Halbzeit haben wir diesen aber zu schnell hergegeben, weil wir beispielsweise in den falschen Situationen tief gespielt haben“, so Breinlinger. Manchmal tue es aber auch gut, dem Gegner den Ball zu überlassen.
Dies war dann insbesondere im zweiten Durchgang klar zu sehen, als die Fünferkette in einigen Momenten gar nach einer Sechserkette aussah. „Wir standen unter Druck. Sie taten sich aber schwer gegen unser Bollwerk“, beobachtete der 08-Trainer.
Ärger und Leidenschaft
Erst in der 91. Spielminute köpfte Noah Wagner den Ausgleich. Karlo Kuranyi bezeichnet dieses Gegentor als „unglücklich“, sein Trainer sah das etwas anders, kritisierte die schlechte Zuordnung. „Die Boxverteidigung haben wir in dieser Woche schon auch sehr hart angesprochen“, ärgert sich Breinlinger.
Sich lange ärgern kann er aber nicht, dazu war zu viel Positives zu sehen. Besonders der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft war dauerhaft zu spüren – was auch SCF-Trainer Bernhard Weis nach dem Spiel betonte.
Weis prognostiziert den Nullachtern deswegen noch den einen oder anderen Sieg. Was glaubt Breinlinger? „Es geht aktuell nicht um Siege, sondern darum, dass jeder leidenschaftlich um jeden Zentimeter kämpft. Wir sind in der Lage auch qualitativ mitzuhalten, müssen dafür aber in jedem Spiel mehr als an die Grenze gehen. Am Ende haben meine Spieler Krämpfe, aber nur so geht es.“