Eine Szene für den SC-Jahresrückblick: Lucas Höler (links, Nummer 9) trifft per Seitfallzieher zum 1:1 gegen Borussia Dortmund. Foto: Tom Weller/dpa

Dank des absoluten Traumtors von Lucas Höler hat der SC Freiburg gegen Dortmund gepunktet. Und dennoch hatte man das Gefühl, dass der BVB mit dem 1:1 besser leben konnte.

Dieses Tor dürfte sich Lucas Höler wohl noch das ein oder andere Mal anschauen. Denn als Christian Günter in der 75. Minute flankte und der Freiburger Stürmer sich den Ball selbst auf Hüfthöhe vorlegte, rechnete wohl kaum jemand im ausverkauften Europa-Park-Stadion damit, zwei Sekunden später einen Anwärter auf das „Tor des Monats“ zu sehen.

 

Denn Höler nahm seine eigene Vorlage als Seitfallzieher volley und traf den Ball perfekt mit dem Innenpfosten zum 1:1 für die Freiburger. „So ein Tor macht er einmal im Leben“, sagte der BVB-Kapitän Emre Can am DAZN-Mikro. „Überragend: Ich habe es gerade im Fernsehen gesehen. Er nimmt ihn schlecht mit, aber der Rest ist dann erste Sahne“, kommentierte Vincenzo Grifo den Treffer seines Kumpels mit einem leichten Augenzwinkern. Denn in der Tat: Hölers Ausgleichstreffer dürfte ein ernsthafter Anwärter auf die Trophäe beim „Tor des Monats“ sein. „Es muss erst mal jemand ein schöneres schießen“, sagte auch Kapitän Christian Günter zu Hölers Chancen.

Der Treffer am Sonntagnachmittag war jedoch nicht nur sehr sehenswert – er war auch extrem wichtig für den SC Freiburg, der zu diesem Zeitpunkt bereits 20 Minuten in Überzahl war. BVB-Schlussmann Gregor Kobel hatte seinen Teamkollegen Jobe Bellingham mit einem riskanten Zuspiel in Verlegenheit gebracht, so dass dieser Philipp Treu kurz vor der Strafraumkante foulte.

Platzverweis für Bellingham als Schlüsselszene

Für SC-Trainer Julian Schuster kein Zufall: „Wie es dann zum wiederholten Male war, erzwingend wir dann Rote Karten durch einen guten Pressingmoment“, sagte Schuster zu der Szene, die zweifelsohne der Schlüsselmoment des Spiels war. Denn speziell in Durchgang eins waren die Gäste dominanter, die 1:0-Pausenführung war verdient – auch wenn der SC Freiburg ebenfalls Chancen hatte.

Doch spätestens mit der Hinausstellung Bellinghams, dessen durchwachsene Hinrunde bei seinem neuen Club damit maximal bitter und einen Spieltag früher endete, verschob sich die Statik des Spiels komplett. Borussia Dortmund fand fortan nicht mehr statt, es spielte nur noch der Sport-Club. Die insgesamt rund 40 Minuten in Überzahl waren es dann auch, warum sich keiner der Freiburger Akteure so richtig ausgiebig über den Punktgewinn nach zuvor sieben Niederlagen gegen den BVB freuen wollte.

Das sagt Christian Günter zum Spiel

„Wir hätten heute nach dem Spielverlauf gerne mehr mitgenommen“, sagte Kapitän Günter nach dem Spiel und sprach gar vom „minimalen“ Gefühl, „dass wir zwei Punkte liegen gelassen haben“. Für diese Lesart des Unentschiedens entschieden sich auch Matthias Ginter. „Am Ende sind wir ein bisschen unglücklich mit nur einem Punkt“, sagte der Innenverteidiger mit Blick auf die lange Überzahl, in der Sport-Club zwar einige Chancen hatte, allerdings das Traumtor von Lucas Höler brauchte und am Ende auch etwas Pech hatte.

Enge Abseitsentscheidung vor vermeintlichem 2:1

Denn es waren maximal Zentimeter, die Maximilian Eggestein nach Kopfballverlängerung von Ginter nach einer Ecke im Abseits stand, bevor der eingewechselte Igor Matanovic den Ball über die Linie drückte. Doch so knapp die Entscheidung auch war, sie war korrekt und sorgte dafür, dass die Dortmunder, die sich in Durchgang zwei zunehmend zurückzogen, einen Punkt mit nach Hause fahren durften. „Wir müssen damit leben und ich kann auch damit leben. Du kannst mit einem Mann weniger nicht erwarten, dass du hier gewinnst“, sagte BVB-Trainer Niko Kovac und zeigte damit, dass die Freiburger zu Recht ein wenig enttäuscht waren.