Nach zwei Jahren in der Erstklassigkeit verabschieden sich die Bietigheim Steelers in die DEL 2. Vor dem letzten Heimspiel an diesem Freitag stellt sich die Frage: Können die Voraussetzungen für einen sofortigen Wiederaufstieg geschaffen werden?
Das kleine Bietigheim macht die Großen platt, heißt es so schön in Hartmut Englers Stadionhymne. Zu selten ist das den Steelers in dieser Saison gelungen. Und Gregor Rustige versucht erst gar nicht, irgendwelche Ausflüchte zu finden. „Ein Abstieg ist immer sch. . ., natürlich wären wir viel lieber drin geblieben“, sagt der Mann, der bei dem Profieishockeyclub ab 7. März die Leistung der Geschäftsstelle und damit den Job des bisherigen Geschäftsführers Volker Schoch übernimmt. Doch der 35-Jährige, seit sieben Jahren schon Geschäftsführer des Hauptvereins SC Bietigheim-Bissingen, mischt nicht erst seit der offiziellen Bekanntgabe an diesem Donnerstag in den Planungen mit. Sondern schon länger – und zwar „mit voller Power“, wie er betont, gemeinsam mit dem Sportlichen Leiter Danny Naud und Rupert Meister, dem Leiter Sportliche Entwicklung und Strategie für Profibereich und Nachwuchs.
Freitag letztes Heimspiel
Zwei Jahre tummelten sich die Steelers im Haifischbecken der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Um im Blick nach vorne die richtigen Schlüsse zu ziehen, wurde vor dem letzten DEL-Heimspiel an diesem Freitag (19.30 Uhr/Egetrans-Arena) gegen die Pinguins Bremerhaven längst auch Vergangenheitsbewältigung betrieben. Es stellten sich etliche Fragen. War es einfach nur ein Abstieg mit Ansage, weil man verglichen zur Konkurrenz in Sachen Kaderqualität, Etat und Infrastruktur nicht gut genug aufgestellt war? Oder wurden doch Stellschrauben falsch gedreht? Wäre es statt des Trainerwechsel von Naud zu Pekka Kangasalusta zum Beispiel nicht sinnvoller gewesen, neue Spieler zu holen? Ist die Struktur die richtige, um die Ziele zu erreichen?
Grundsätzlich mildernde Umstände gibt es vor allem aufgrund der finanziellen Zwänge: Mit rund 4,6 Millionen Euro weist der schwäbische Underdog den mit Abstand kleinsten Etat der Liga auf. „Jedes Spiel war doch ein David-gegen-Goliath-Duell, da muss man den Hut ziehen, was Mannschaft und Trainerteam geleistet haben“, sagt Rustige. Und Naud ergänzt: „Der Abstieg ist deshalb so bitter, weil unsere charakterstarken Spieler immer alles gegeben haben.“ Das Problem: Es hat nicht gereicht, weil sich der Verdacht aufdrängt, die Spieler sind zu schwach für die erste Liga, aber zu stark für die zweite. „Manche Spieler werden versuchen, in der DEL zu bleiben, aber wir wollen so viele wie möglich halten“, so Naud, der die Trainerfrage für die neue Saison offen lässt.
Nur noch vier Ausländer erlaubt
Egal, wer die Verantwortung hinter der Bande übernimmt, der Coach wird zwangsläufig stärker auf den Nachwuchs setzen müssen. Auf dem Spielberichtsbogen sind im Unterhaus nur noch vier Ausländer (statt bisher neun) erlaubt, zwei U-21- und vier U-24-Spieler sind Pflicht. „Die Verzahnung mit dem eigenen Nachwuchs wird intensiviert, aber klar ist, mit einer halben U 20 werden wir nicht um den Wiederaufstieg spielen können“, sagt Rustige. Ob die sofortige Rückkehr in die DEL überhaupt das klare Ziel sein wird? Zu früh sei es, darauf eine Antwort zu geben, meint Naud. Doch klar ist, um einen Zuschauerschnitt von mindestens 2500 zu erreichen (in der DEL waren es 2850), muss ganz oben mitgespielt werden. Und um ganz oben mitzuspielen, darf der Etat keineswegs unter drei Millionen Euro sinken.
Schwierige Sponsorensuche
Was eine Herkulesaufgabe wird, da es schon zu Erstligazeiten nicht einfach war, größere Firmen als Sponsoren zu gewinnen. Das Eishockey ist in der Region nicht so verwurzelt wie der Fußball, es steht am Scheideweg. Was die Sache nicht leichter macht, ist die große Konkurrenz im Handball (SG BBM Bietigheim Männer und Frauen, TVB Stuttgart), Basketball (MHP Riesen Ludwigsburg) und Volleyball (Allianz MTV Stuttgart). „Es ist ernüchternd, dass der Großraum Stuttgart nicht mehr hergibt. Dann reicht es eben langfristig nicht für die DEL, sondern nur für die DEL 2“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Kaufmann vor Kurzem.
Der Unternehmer engagiert sich seit 25 Jahren für die Steelers, seit 15 Jahren steht er dem Kontrollgremium vor. Doch wie für Schoch, dem er eng verbunden ist, ist auch für ihn mit dem letzten DEL-Saisonspiel am kommenden Sonntag (14 Uhr) bei den Kölner Haien Schluss. Der 72-Jährige will Jüngeren Platz machen. Obwohl auch interne Unstimmigkeiten bei seinem Abgang eine Rolle spielen, dreht er den Geldhahn nicht zu. Vielmehr hat Kaufmann versprochen, mit seiner Firma Alwa den Club weiterhin zu unterstützen, was absolut überlebenswichtig ist. Nur wie hoch sein Engagement künftig sein wird, kann auch Rustige noch nicht abschätzen.
Neue Beteiligungsstruktur
Unabhängig davon will der künftige Geschäftsführer gemeinsam mit Präsident Christoph Heinzmann versuchen, den Club finanziell auf ein breiteres finanzielles Fundament zu stellen. Das Problem bisher: Der Stammverein Schlittschuhclub Bietigheim-Bissingen (SCB) ist zu 100 Prozent Gesellschafter der GmbH, in die der Profispielbetrieb seit der Saison 2007/08 ausgegliedert ist.
Um sich stärker für externe Partner und Investoren aus der freien Wirtschaft zu öffnen und damit zusätzliche Geldgeber zu finden, wurde eine Änderung bereits beschlossen. Bei der Hauptversammlung im Dezember 2022 stimmten knapp 80 Prozent der Mitglieder dafür, dass maximal 49 Prozent der Anteile an der GmbH veräußert werden dürfen. Mindestens 51 Prozent werden also dauerhaft beim Verein bleiben. Ob die neue Beteiligungsstruktur etwas bringt, um künftig mehr Gegner plattzumachen, wird sich zeigen. Nicht nur Popikone und Steelers-Edelfan Hartmut Engler wird es aufmerksam verfolgen.