Der scheidende Präsident Thomas Schmidt blickt auf eine erfolgreiche Zeit beim Südbadischen Fußball-Verband zurück. Foto: Eibner

Nach fast zehn Jahren erfolgreicher Führungsarbeit sagt der bisherige Verbandschef bei der Tagung in Villingen adieu: „So ein Schritt ist im Leben immer mal wichtig, um Platz für neue Impulse zu schaffen“, sagt er.

Thomas Schmidt hat bei seiner Entscheidung, nicht mehr als Fußball-Verbandspräsident in Südbaden zu kandidieren, „auf die innere Stimme“ gehört.

 

Der 70-Jährige kann bei seinem Abschied sehr stolz auf seine Leistungen zurückblicken. Seit 1981 ist er für den Verband tätig gewesen – zunächst als Schiedsrichter und Staffelleiter sowie als Spielleiter der Verbandsliga. Seine Aufgabenbereiche wuchsen. Von 1991 bis 2007 war Thomas Schmidt stellvertretender Vorsitzender des Verbandsspielausschusses, zu dessen Vorsitzenden er 2010 gewählt wurde. Nach dem plötzlichen Tod des damaligen Präsidenten Alfred Hirt wurde der Breisgauer zum neuen SBFV-Chef gewählt.

An diesem Dienstagnachmittag ist Thomas Schmidt in unserem Gespräch bestens gelaunt, freut sich auch auf den Verbandstag in Villingen.

Herr Schmidt, warum treten Sie nicht mehr als Präsident für die nächste Wahlperiode an?

Dies war ein langer Überlegungsprozess. Ich bin im Leben immer gut damit gefahren, auf meine innere Stimme zu hören. Auch habe ich natürlich viel darüber mit meiner Familie gesprochen. Ich bin sowieso dafür, dass Präsidentschaften nie allzu lange dauern sollten, sonst wird vieles zu eingefahren. Dies gilt natürlich auch für die Politik (lacht). Ich möchte mit meiner Entscheidung in der Führung unseres Verbandes für neue Impulse sorgen. Mir hat die langjährige Arbeit sehr viel Freude bereitet.

Gibt es Dinge, die Sie jetzt bei Ihrem Abschied mit Stolz erfüllen?

Ich denke, dass wir zusammen als Team schon viele positive Dinge auf den Weg gebracht haben. Wir haben personell in den Ausschüssen neue Strukturen geschaffen, dies ebenso in unserer Geschäftsstelle. Und wir haben die Corona-Krise in meinen Augen gut bewältigt. Diese Zeit war für uns alle eine enorme Herausforderung, weil es für uns alle Neuland war.

Was hätte hingegen in den vergangenen zehn Jahren im südbadischen Fußball vielleicht besser laufen können?

Es gibt immer Dinge, die man besser machen kann. Es tat sicherlich weh, dass wir unser Sporthotel in Saig verpachten mussten. Auch wenn wir gut durch die Corona-Krise kamen, hätten wir vielleicht im sportlichen Bereich in Sachen Auf- und Abstieg im Detail die ein oder andere Entscheidung in dieser Zeit treffen müssen. Aber die Pandemie mit all ihren Auswirkungen war für uns alle ja absolutes Neuland.

Die nächsten wichtigen Aufgaben des Verbandes

Der Amateurfußball geht mit schwerwiegenden Themen – oder besser gesagt Baustellen – in die Zukunft. Stichwort „Spielerrückgänge im aktiven Bereich sowie beim Nachwuchs“.

Ich bin kein Freund von Spielgemeinschaften, weil die Vereine damit ein stückweit ihre Identität aufgeben. Doch die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Aber klar ist, dass der Fußball um seine Attraktivität weiter kämpfen muss. Hier sind die Vereine sehr gefragt, die entsprechenden guten und interessanten Rahmenbedingungen anzubieten. Die Jugendlichen brauchen Vorbilder im großen Fußball. Dies ist immer sehr wichtig.

Wobei die deutsche Nationalmannschaft aktuell diese Anforderungen nicht erfüllt.

Das ist leider richtig. Hier ist sicherlich in diesem Punkt momentan Luft nach oben.

Das nächste Stichwort: „Die Zunahme der Gewalt auf den Sportplätzen“.

Im Rahmen des DFB-Masterplan ist es sehr wichtig, mit den Vereinen weiterhin an der Prävention zu arbeiten. Dies betrifft bei den Spielen einige Bereiche, die noch verbessert werden können.

Drittes Stichwort: „Das Ehrenamt“.

Das Ehrenamt sollte in der Öffentlichkeit insgesamt noch mehr an Wertschätzung erfahren. Im Rahmen des Masterplans arbeiten wir stetig Unterstützungs- und Förderangebote für die vielen Ehrenamtlichen in den Vereinen. Auch der diesjährige Amateurfußballkongress im Herbst wird sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Eine 70ziger Altersgrenze wie im DFB steht beim Verbandstag bei uns am Samstag zur Diskussion. Für mich ist es eine grundlegende Entscheidung zum Thema Ehrenamt, die ich nicht unterstützen werde.

Auf was freuen Sie sich am meisten in Ihrer neu gewonnenen Freizeit?

Ganz sicher auf mehr Stunden mit meiner Familie. Aber ich bin ja noch Vizepräsident beim Badischen Sportbund, weshalb meine Termine nicht so viel abnehmen werden. Außerdem möchte ich gerne auch bei unserem Verband beratend zur Verfügung stehen, wenn mein Rat benötigt wird.

Infos zum Verbandstag in Villingen

Am Samstag (ab 10 Uhr) findet in der Neuen Tonhalle in VS-Villingen der 39. ordentliche Verbandstag des Südbadischen Fußballverbandes statt. Es werden rund 200 Delegierte und zahlreiche Ehrengäste erwartet.

Inhaltlich bestimmen die Jahresberichte der Ausschüsse sowie die Entlastungen den ersten Programmteil. Geprägt sein wird der Verbandstag von personellen Änderungen im Verbandsvorstand.

Präsident Thomas Schmidt wird nicht zur Wiederwahl antreten. Auf ihn soll der bisherige 1. Vizepräsident Dr. Reinhold Brandt folgen. Als neuer 1. Vizepräsident kandidiert Arno Heger. Erstmals zur Wahl stellen wird sich André Olveira-Lenz, der zukünftig als Vizepräsident Spielbetrieb fungieren und damit die Nachfolge von Prof. Dr. Christian Dusch, der im Dezember zurückgetreten war, im Präsidium antreten soll.

Nicht nur personell, sondern auch strukturell soll es Veränderungen geben. So sehen die Änderungsvorschläge für die Satzung unter anderem einige Anpassungen bei den Gremien vor.So wird zum Beispiel über die Neueinführung von fünf einsetzbaren Auswechselspielern bei Punktspielen in Villingen abgestimmt.