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SBFV-Pokalfinale: Heute Kapitän geht nicht nur auf dem Platz voran

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Zeigt es mit den Fingern an: Benedikt Haibt bestreitet am Samstag sein viertes SBFV-Pokal-Finale. Foto: Marc Eich

Umgedrehte Baseball-Cap, schwarzer Kapuzenpulli, Turnschuhe. Sportlich und leger – so erscheint Benedikt Haibt in unserer Sportredaktion in Villingen. Der Spielführer des FC Villingen entscheidet sich für ein Wasser, Kaffee sei gut eine Stunde vor dem Training nichts. Ein Streifzug durch die bewegte Pokal-Geschichte des Nullachters kann beginnen.

Herr Haibt, wissen Sie noch, was Sie am 11. Juni 2009 gemacht haben?

(lacht) "Ich glaube, damals stand das SBFV-Pokal-Finale in Bahlingen gegen Offenburg an. Es war enorm heiß. Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit stand es 1:1. Dann wurde ich als Jungspund, ich war ja erst 20 Jahre alt, eingewechselt."

Für wen?

"Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber wir haben das Spiel noch mit 3:1 nach Verlängerung gewonnen. Das war ein unglaubliches Erlebnis."

Und seit diesem Zeitpunkt hat Sie der "Cup-Virus" erwischt?

"Es ist immer extrem geil, solche Endspiele zu bestreiten – und natürlich zu gewinnen. Das sind ganz besondere Spiele mit vielen Emotionen. Und für den Verein war dieser Erfolg aus finanziellen Gründen damals ja fast überlebenswichtig."

Während Alexander Hirning – dieser hatte vor fast genau zehn Jahren für Haibt Platz machen müssen – nun in der Kreisliga A für den TSV Riederich kickt, entwickelt sich der heute 30-Jährige ständig weiter. "Ich hatte im Vergleich zu einigen Mitspielern sicher nicht das ganz große Talent. Aber dafür den Willen, mich zu verbessern", hätte Haibt nichts gegen "eine etwas bessere Technik". Vor allem in Sachen Torabschluss und Kopfballspiel habe er sich in den vergangenen Jahren gesteigert. "Mit dem Alter wird man vor dem gegnerischen Tor auch einfach abgeklärter", schmunzelt der Kapitän. 15 Saisontreffer in der Oberliga und drei Tore im SBFV-Pokal zeugen von der Kaltschnäuzigkeit des Villingers, der auch schon die Kiez-Kicker des FC St. Pauli ärgerte.

2. August 2009: 8300 Zuschauer sehen im Villinger Friedengrund, wie Benedikt Haibt in der 77. Minute für Karsten Scheu eingewechselt wird. Fast hätte Haibt wenig später seine Farben gegen den Zweitligisten mit 1:0 in Führung gebracht. "Das wäre natürlich der Hammer gewesen." Am Ende entscheidet ein anderer Einwechselspieler in der Verlängerung die Partie. Deniz Naki – für Max Kruse in der 65. Minute gekommen – verhindert mit seinen beiden Treffern in der 105. und 120. Minute eine Sensation. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir der Favorit sind. Aber dies ist uns gegen einen starken Villinger Oberligisten nicht gelungen", diktiert danach Kruse in unser Mikrofon.

Es sollte viele Jahren dauern, bis die Nullachter wieder auf der ganz großen Fußball-Bühne ihr Können zeigen. Während der SC Pfullendorf (2010), der FC Teningen (2011), der Offenburger FV (2012), der Bahlinger SC (2013 und 2015) und der SV Waldkirch (2014) den Cup in die Höhe stemmen, scheitern die Villinger an teilweise unterklassigen Gegnern. "Da waren unnötige und bittere Niederlagen dabei", müssen Haibt und Co. bis zum 28. Mai 2016 warten, bis es wieder in einem Endspiel um den Einzug in die erste DFB-Pokal-Runde geht.

Zwischendurch entwickelt sich Benedikt Haibt fußballerisch weiter. "Ich bin ja recht flexibel einsetzbar", denkt der zweikampfstarke Unternehmensberater auch an Spiele als linker Verteidiger. Dies ist aber die Ausnahme. Vor allem kommt Haibt im offensiven Mittelfeld und im Sturm zum Einsatz. "Ich habe gerne das Spielgeschehen vor mir. Da kann ich auch meine Geschwindigkeit gut einbringen", ist der Spielführer kaum zu stoppen, wenn er einmal Tempo aufgenommen hat. In der Oberliga-Saison 2013/14 markiert Haibt mit 14 Saisontreffern eine persönliche Bestmarke, die bis zur aktuellen Runde hält. Nun sind es bereits 15 Tore. Nur vier Treffer erzielt er dagegen in der Abstiegssaison 2015/16. "Wir haben unter Jago Maric eine starke Rückrunde gespielt. Aber es hat leider nicht ganz zum Klassenerhalt gereicht."

Doch die Trauer über den Abstieg ist schnell verflogen. Am 28. Mai 2016 jubeln die Nullachter schon wieder. "Das war ein völlig verrücktes Spiel. Wir führen zur Pause mit 2:0, liegen dann aber gegen Oberachern bis zur 84. Minute mit 2:3 zurück. Dann erziele ich den Ausgleich, wenig später macht Nedzad Plavci mit einem Doppelpack alles klar", blickt Haibt auf den Schlagabtausch in Offenburg zurück. Lohn nach dem achten SBFV-Pokalsieg der Villinger ist das "Bonusspiel" gegen den FC Schalke 04 in Freiburg. Haibt steht in der 08-Startelf, ist beim 0:1-Rückstand nicht schuldlos. "Den Ball hätte ich vorher klären können", sagt er später zum Treffer von Dennis Aogo. Nach 69 Minuten wird Haibt im Schwarzwaldstadion durch Mario Ketterer ersetzt, der kurz vor dem Spielende das umjubelte 1:4 erzielt.

Aller guten Dinge sind dann nicht drei. Für den FC 08 Villingen platzt der Traum von einer weiteren DFB-Pokal-Teilnahme am 21. Mai 2018 wie eine Seifenblase. Gegen den damaligen Verbandsliga-Spitzenreiter SV Linx heißt es nach zwei späten Gegentoren 1:2. "Dieses Spiel hätten wir niemals verlieren dürfen", ärgert sich Haibt auch ein Jahr später noch über diese Niederlage.

Klar, dass der 30-Jährige am Samstag (16.15 Uhr, Pfullendorfer Geberit-Arena) nicht erneut zuschauen will, wenn der Finalgegner im Konfettiregen steht. "Das ist mein zweites Finale als Kapitän. Und nun möchte ich unbedingt als Spielführer den Pokal nach Villingen holen", stellt Benedikt Haibt vor dem Duell mit dem 1. FC Rielasingen-Arlen klar.

Apropos Kapitän. Wie übt der Villinger seine Rolle aus? "Ich bin kein so lauter Spielführer, sondern will einfach mit guten Leistungen vorangehen", hat Haibt auch für die vielen jungen Spieler der Nullachter immer ein offenes Ohr. "Sie können jederzeit zu mir kommen", stellt der Offensivspieler klar. Haibt hat eben nicht vergessen, wie er von seinen Kapitän-Vorgängern Jago Maric, David D’Incau oder Benjamin Barg unterstützt wurde. "Ich bin ja als 20-Jähriger vom SV Zimmern nach Villingen gewechselt. Das war schon ein großer Sprung", weiß der derzeit beste 08-Torschütze, wie wichtig in jungen Jahren die Unterstützung durch erfahrene Recken ist.

Die Zeit drängt, das Training rückt immer näher. Also schnell noch ein paar Fragen.

Herr Haibt, weshalb gewinnt der FC 08 das Endspiel gegen Rielasingen-Arlen?

"Weil wir die bessere Mannschaft sind. Rielasingen ist es in der Verbandsliga nicht gewohnt, dass sie unter Druck gesetzt werden. Unser Ziel muss es sein, dies zu schaffen. Dann werden sie Fehler machen. Und diese müssen wir dann auch ausnutzen."

Wie wichtig wird es sein, Ex-Teamkollege Nedzad Plavci in den Griff zu bekommen?

"Nedzad ist ein toller Fußballer, natürlich müssen wir auf ihn – und die gesamte Offensive der Rielasinger – aufpassen. Aber wir kennen seine Stärken – und seine Schwächen. Uns muss es gelingen, dass Nedzad seine Stärken nicht ausspielen kann."

Und wie wird gefeiert, sollte der neunte Pokalsieg der Nullachter am Samstag unter Dach und Fach sein?

"Intensiv. Möglich ist, dass wir dann am Sonntag auf Mallorca fliegen. Dort würden wir natürlich auch den Pokalsieg richtig feiern."

Dabei sind Ballermann und Co. eigentlich nicht die bevorzugten Reiseziele des 30-Jähriger. Lieber schnappt sich Haibt den Rucksack, packt diesen dann wieder in Asien, in der Südsee, Australien oder Mittelamerika aus. "Ich liebe es, fremde Kulturen kennenzulernen", zieht der Villinger Spielführer aus seinen Reisen auch viel Kraft für die anstehenden Monate, wenn sich fast alles in seinem Leben um den Job und den FC 08 dreht. "Fast hätte es übrigens auch einmal mit einem Stipendium in den USA geklappt." Der Traum von Studium und Fußball in Nordamerika platzte dann aber.

Zum Glück für die Villinger. Sonst wäre der Streifzug durch die bewegte Pokal-Geschichte des Nullachters kürzer ausgefallen. Am Samstag wird nun auf jeden Fall in Pfullendorf ein neues Kapitel dazukommen. "Und dieses fällt positiv aus. Wir werden das Finale gegen Rielasingen gewinnen", ist sich Benedikt Haibt sicher, bevor es mit dem Auto wieder in Richtung Friedengrund geht.

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