Die Stadt verliert ihr beliebtes französisches Café – das „Saveurs de France“ schließt. Der Betreiber zieht die Reißleine und erklärt, warum er in der Villinger Innenstadt keine Zukunft mehr sieht.
Café-Betreiber Julien Gonzalez steht an der Tür und verabschiedet eine Kundin. Sie hat gerade erfahren, dass das „Saveurs de France“ bald schließen wird und zeigt sich schockiert. Gonzalez entschuldigt sich, meint dann: „Ich arbeite mit meinem Herzen, aber so kann ich keine Rechnungen bezahlen.“
Der 43-Jährige zieht nach rund zweieinhalb Jahren in der Top-Lage der Villinger Innenstadt – direkt am Latschariplatz – die Reißleine. Am vergangenen Wochenende haben er und seine Frau entschieden, dass es mit dem französischen Café nicht mehr weiter geht.
Dabei ist as Konzept in der Region einmalig: Gonzalez beglückt die Menschen in Villingen mit original französischen Gebäckspezialitäten seines Bruders. Selbst das Gourmet-Magazin „Der Feinschmecker“ ist das Café ein Eintrag wert: „Vom echten Croissant bis Chaussons à l’abricot (Aprikosen-Blätterteig-Tasche), Eclairs, über zehn Sorten Macarons oder die aus Bordeaux bekannten Cannelés (Rumgebäck aus der Kupferform) ist fast alles geboten, wofür man sonst nach Strasbourg oder Colmar fahren müsste.“
Ihm steht das Wasser bis zum Hals
Doch damit ist jetzt Schluss. Denn Gonzalez steht das Wasser bis zum Hals, wie er schonungslos zugibt: „Zu viel Steuern, zu viel Miete – die Abgaben sind einfach zu hoch!“ Ihm droht nun die Insolvenz. Der ehemalige Soldat (damals stationiert in Donaueschingen) zeigt auf, dass unter anderem die Mietkosten angesichts der 30 Sitzplätze, die das Café zu bieten hat, kaum zu erwirtschaften seien.
„Für die Terrasse muss ich zusätzlich jedes Jahr 1200 Euro zahlen, wenn Feste sind, noch mal extra“, so Gonzalez. Die Personalkosten steigen immer weiter, auch für Minijobber. „Vom Staat kommen keinerlei Entlastungen“, ergänzt Manuela Gonzalez. Sie betont: „Der Schritt ist schwer, aber uns bleibt nichts anderes übrig.“
Kritik an der Stadtverwaltung
Die Villinger hätten das Café gut angenommen, mit der Auslastung war der Betreiber zufrieden. Aber er spürt ebenso, dass die Attraktivität in der Zähringerstadt schwindet. Seine Kunden würden kaum einen Parkplatz bekommen, „bald gibt es nur noch Nagelstudios und Friseure“, so der 43-Jährige.
Er kritisiert zudem die Stadtverwaltung. Schon als es um die Eröffnung ging, habe die überbordende Bürokratie für viele Verzögerungen gesorgt – ein dreiviertel Jahr habe man sich mit Auflagen und Kontrollen beschäftigen müssen, ehe endlich die Eröffnung anstand. Keine Einnahmen, dafür viele Ausgaben – der holprige Start hatte bereits Folgen. „Irgendwann sind die Rücklagen aufgebraucht“, macht Gonzalez deutlich. In den Dialog mit der Verwaltungsspitze sei man in diesem Zusammenhang nie gekommen. „Eine Zusammenarbeit vermissen wir da schon.“
17 Stunden am Tag gearbeitet
Und der Betreiber sieht es ebenso realistisch was die finanziellen Aspekte betrifft: „Fünf Euro für einen Kaffee und zehn Euro für ein Stück Kuchen – das wird keiner zahlen.“ Ganz abgesehen davon, dass Gonzalez 17 Stunden am Tag für das Café auf den Beinen ist. Morgens um drei Uhr kümmert er sich um die Waren, abends um 21 Uhr ist Feierabend. Auch körperlich sei das kaum mehr machbar.
Viele Kunden äußern seit der Ankündigung ihr Bedauern, sehen die Attraktivität der Innenstadt weiter schwinden – doch ein Zurück gibt es nicht. Voraussichtlich schon am Samstag schließt das „Saveurs de France“ für immer. Wie es danach für die Gonzales’ weitergeht? „Wir wissen es noch nicht“, sagt der 43-Jährige, „aber ich bin und bleibe Optimist“.