Mächtig Zoff auf dem Eis: Aljona Savchenko und Robin Szolkowy Foto: Getty Images Europe

Stunk beim früheren Eislauf-Traumpaar: Aljona Savchenko wird künftig mit dem Franzosen Massot laufen - wahrscheinlich nicht für Deutschland. Robin Szolkowy fühlt sich ausgebootet.

Stunk beim früheren Eislauf-Traumpaar: Aljona Savchenko wird künftig mit dem Franzosen Massot laufen - wahrscheinlich nicht für Deutschland. Robin Szolkowy fühlt sich ausgebootet.

Hamburg - Vizepräsidentin Elke Treitz von der Deutschen Eislauf-Union (DEU) hat Verständnis für einen eventuellen Nationalitätenwechsel von Eiskunstlauf-Weltmeisterin Aljona Savchenko. Die Chemnitzerin will demnächst mit dem französischen Läufer Bruno Massot ein Paar auf dem Eis bilden und erwägt, Französin zu werden. „Das kann ich verstehen“, sagte Treitz am Montag in einem Interview des Deutschlandfunks.

Insbesondere geht es um Savchenkos Trainer und Lebensgefährten Ingo Steuer, der dann vom französischen Verband bezahlt werden würde. Wegen seiner Stasi-Vergangenheit erhält der 47-Jährige weder vom Innenministerium noch von der DEU Geld. Für die WM in Japan musste er „sein Flugticket, sein Hotel und alles selbst finanzieren, bzw. die Sportler mussten ihn bezahlen“, sagte Treitz.

"Möglicherweise war ihm das alles zu viel"

Über Szolkowys Entschluss, mit seiner Partnerin Savchenko keine Schaulauf-Auftritte mehr zu bestreiten, sagte Treitz: „Möglicherweise war ihm das alles zu viel.“ Eigentlich habe er bereits nach Olympia aufhören wollen und sich für die WM überreden lassen. „Es war für beide, insbesondere für Robin, der gar nicht antreten wollte, schon eine riesengroße Anstrengung.“

Am Wochenende gab es mächtig Stunk beim scheidenden Eislauf-Traumpaar: Weil die 30 Jahre alte gebürtige Ukrainerin Savchenko einen neuen Anlauf auf Olympia-Gold mit Massot nehmen will, ist Szolkowy die Lust auf die lukrativen Schaulauf-Auftritte im Anschluss an die WM in Japan vergangen. „Ich verstehe die Welt nicht mehr, wir könnten in drei Tagen 45.000 Dollar verdienen. Wenn Robin die nicht mitnehmen will, ist das seine Sache“, sagte Savchenko.

"Alles, was ich sagen würde, würde das Ganze noch schlimmer machen"

Szolkowy hat genug von dem Theater hinter den Kulissen um die Zukunftspläne und wollte mit seiner Schweizer Freundin nur noch nach Hause. Nach der enttäuschenden Niederlage in Sotschi mit der olympischen Bronzemedaille ließ er sich nur mit Engelszungen überreden, die Titelkämpfe in Saitama bei Tokio zu bestreiten. Sogar beim erneuten WM-Triumph war die Stimmung gedrückt, der 34-Jährige wirkte einsilbig und traurig. „Alles, was ich sagen würde, würde das Ganze noch schlimmer machen“, sagte Szolkowy am Sonntag.

Trainer Ingo Steuer und Savchenko werfen ihm vor, sich nicht an die Abmachung gehalten zu haben, erst Ende April die Zukunftspläne offenzulegen. Angeblich soll Szolkowys Freundin die neue Liaison Savchenkos mit Massot an dessen derzeitige Partnerin Daria Popowa ausgeplaudert haben. „Es ist wirklich schade, wir sind wie eine Familie gewesen. Aber das ist böse“, meinte Savchenko. Sie selbst hatte aber schon in Sotschi die Gerüchte gestartet.

Szolkowy wird die Sache nun anders sehen, will das Ganze aber nicht noch befeuern. Er machte zwar bei zwei Winterspielen die entscheidenden Fehler, hatte aber über Jahre die undankbarste Rolle in dem Trio aus Sachsen. Er war es, der mit seiner ausgleichenden Art die auch privat liierten und oft zu sehr vom Ehrgeiz getriebenen Savchenko und Steuer mäßigte. „Wir haben ihn oft bewundert, es war nicht einfach“, sagte Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union (DEU).

Noch Russen in der Hinterhand

Nun soll der WM-15. Massot den Part an der Seite Savchenkos zum erneuten Angriff auf Olympia-Gold nehmen. Mit Szolkowy gab es zweimal Bronze. In der Hinterhand hat „die weltbeste Paarläuferin“ (Steuer) noch Anfragen von russischen Läufern, falls es mit Massot doch nicht so gut klappen sollte.

Steuer kennt den Franzosen gut. Der 25-Jährige trainierte mit Popowa fast ein Jahr bei ihm in Chemnitz. Die Verhandlungen mit dem französischen Verband sind vorangeschritten, es geht vor allem um die Bezahlung. Wegen seiner Stasi-Vergangenheit darf Steuer von der DEU immer noch nicht honoriert werden. Savchenko/Massot wären bei einem Verbandswechsel ohnehin ein Jahr gesperrt und können in Ruhe überlegen, ob die gebürtige Ukrainerin tatsächlich auch noch einmal Französin werden will. Für einen Start bei Olympia müsste sie das, für Europa- und Weltmeisterschaften nicht.

Steuer will in Chemnitz ein internationales Team aufbauen, in dem auch der Ex-Europameister Florent Amodio neu durchstarten könnte. „Davon würde auch der Standort Deutschland profitieren“, meinte der 47-Jährige. Er glaubt nicht mehr daran, dass der deutsche Sport für ihn noch einen Platz hat. Zu viele Vorstöße des Verbandes endeten bei der starren Haltung des Bundesinnenministeriums, das für Steuer keine öffentlichen Gelder freigibt. „Wir werden noch Gespräche führen“, kündigte Dönsdorf an.

Savchenko ziehen zu lassen, bedeutet für lange Zeit, keine Topläufer mehr zu haben. Peter Liebers (14.), Nelli Zhiganshina/Alexander Gazsi (11.) und die WM-Zwölfte Nathalie Weinzierl sind derzeit keine internationalen Medaillen zuzutrauen.