Am besten ganzjährig „Sauna bringt Glückshormone“: Tricks vom Aufguss-Weltmeister

Bettina Hartmann
Saunameister Maik Brandenburg weiß, worauf es beim Saunieren ankommt. Foto: KI/Midjourney/Montage: Sebastian Ruckaberle

Wie sauniert man richtig? Aufguss-Weltmeister Maik Brandenburg gibt Tipps – und erzählt über den Wandel in der Sauna-Kultur, Wedeltechniken und Abkühl-Rituale.

Passen Sauna und Showeffekte zusammen? Muss man bei Erkältungen aussetzen? Und sollte man auch im Frühjahr und Sommer in die Sauna gehen? Maik Brandenburg, Saunameister und Leiter der Sporttherapie an der Buchinger-Wilhelmi-Klinik in Überlingen am Bodensee, hat Antworten – und gibt Tipps, worauf man achten sollte.

 

Herr Brandenburg, Saunieren gilt als gesund. In Finnland heißt es sogar, „die Sauna ist die Apotheke des kleinen Mannes“. Was macht die heiße Luft mit unserem Körper?

Wer regelmäßig in die Sauna geht, tut sich auf mehreren Ebenen Gutes, geistig wie körperlich. Zunächst lockert die Wärme die Muskulatur. Außerdem regt sie die Durchblutung an, was etwa das Hautbild verbessern kann. Saunieren stimuliert auch unsere Abwehrkräfte – es ist eine Art Booster fürs Immunsystem, sprich: die Anfälligkeit für Infekte sinkt.

Kann ich mit Saunagängen auch gegen eine akute Erkältung angehen?

Bloß nicht! Das Immunsystems hat bei Infekten schon genug zu tun. Man sollte sich also schonen, sich auskurieren – und erst wieder in die Sauna gehen, wenn man gesund ist. Alles andere ist kontraproduktiv.

Wie sieht es bei chronischen Erkrankungen aus?

Der Wechsel von Hitze und Kälte trainiert zum Beispiel die Blutgefäße, was langfristig den Blutdruck stabilisieren kann und insgesamt für Herz-Kreislauferkrankungen gut ist. Laut einer finnischen Studie senken Menschen, die regelmäßig viermal pro Woche saunieren, ihr Risiko, an kardiovaskulären Erkrankungen zu sterben, um bis zu 70 Prozent. Saunagänge können zudem bei Atemwegserkrankungen wie Asthma helfen. Oder auch bei Rheuma, da die Wärme Schmerzen lindert und die Durchblutung in den Gelenken fördert. Nicht vergessen sollte man die schon genannten seelischen Effekte.

Maik Brandenburg bei der Arbeit. Foto: Buchinger-Wilhelmi

Saunieren unterstützt die Entspannung?

Genau. Es aktiviert das parasympathische Nervensystem, was Regeneration und Stressabbau fördert. Glückshormone werden freigesetzt und der Schlaf verbessert. Regelmäßige Gänge fördern somit nachhaltig die Entspannung. Heutzutage auch dadurch, dass man in der heißen, feuchten Umgebung ohne Smartphone oder Tablet ist – das ermöglicht eine kurze digitale Auszeit.

Noch ist Fastenzeit. Früher hieß es, dass man beim Heilfasten, also beim temporären Verzicht auf feste Nahrung, auf Saunagänge verzichten sollte.

Das gilt als überholt. Klar, beim Fasten ist der Körper in gewisser Weise gefordert. Dennoch weiß man heute, dass sanfte Saunagänge unterstützend wirken. Daher gibt‘s bei uns in der Buchinger-Wilhelmi-Klinik nun, nach einem größeren Umbau, drei Saunen – die klassische finnische, eine Bio- sowie eine Infrarot-Sauna samt Sole-Nebel.

Gibt es dennoch Menschen, die verzichten sollten?

Unsere Gäste werden bei der Aufnahme gründlich untersucht. Gibt es Risikofaktoren, entscheiden die Ärzte, ob Sauna empfehlenswert ist oder nicht. Im Zweifelsfall sollte jeder, der Vorerkrankungen hat oder unsicher ist, seinen Arzt fragen. Anfänger und Fastende sollten die Bio-Sauna bevorzugen und sich auf zwei kurze Gänge mit etwa acht bis zehn Minuten beschränken.

Sie leiten an der Klinik seit über fünf Jahren die Sporttherapie und sind dort seit dem Umbau auch Saunameister. Woher kommt Ihre Leidenschaft fürs Aufgießen?

Die habe ich vor etwa 14 Jahren bei der Arbeit in der Schweiz entdeckt, in der Therme von Bad Ragaz.

Sie haben sogar bei Weltmeisterschaften teilgenommen – und gewonnen.

Ja, eine damalige Kollegin und ich waren 2014 Saunaweltmeister. Unsere Aufgüsse standen unter dem Motto „Rotkäppchen und der böse Wolf“. Bei uns hatte das Märchen aber ein Happy End, für beide Parteien. Man macht bei den Meisterschaften eine große Show, und erzählt dabei unterstützt von Musik und Düften eine Geschichte, die die Leute im besten Fall packt. Bei uns waren einige Gäste am Schluss so gerührt, dass sie Tränen vergossen haben.

Setzen Sie auch heute noch auf Showeffekte?

Mir sind inzwischen ruhige Aufgüsse in Kombination mit angenehmer Streichmusik lieber. Das Konzept kann ich hier in der Klinik Buchinger-Wilhelmi wunderbar umsetzen.

Welche Wedeltechnik wenden Sie an?

Ich bin oldschool, sprich: Ich habe beide Hände am Handtuch und halte es weit offen, damit auch wirklich viel Luft bewegt wird und bei den Gästen ankommt. Die Bewegungen sind langsam und fließend. Ein bisschen ist es wie beim Fahnenschwenken. Die Show, das Event-Aufgießen sind aber ebenfalls völlig okay – sofern der Sinn des Saunierens im Blick bleibt. Dennoch sind Handtuch-Wirbeln und -Werfen mehr Showeffekte als wirklich effektiv. Sie dienen der Unterhaltung.

Hat sich die Aufguss-Kultur in den letzten Jahren generell verändert?

Früher war es klassisch, ruhig, entspannend, mit klaren Regeln und Ritualen. Mit den Meisterschaften kam viel Show hinzu – nicht immer zum Vorteil der Saunierenden. Es ist lauter und unruhiger geworden. Aber jeder Gast muss für sich herausfinden, was er gerade benötigt. Ruhe und Entspannung – oder Unterhaltung.

Was ist für Sie das Wesentliche am Aufguss?

Hitze in Kombination mit Düften und Musik erlebbar zu machen. Und meine Gäste mitzunehmen und zu lesen. Wirken sie müde und brauchen einen Kick, etwa durch Rosmarin? Oder eher Entspannung mit Lavendel?

Welche Duftöle nutzen Sie?

Wir bei Buchinger nutzen reine ätherische Bio-Öle. Meist bringe ich zum Aufguss verschiedene Düfte mit, um einen schönen, nachhaltigen Effekt zu erzielen. Und um Erinnerungen zu wecken. Die Möglichkeiten sind so vielfältig. Zitrusnoten etwa, die den Raum reinigen und frisch machen. Dazu Kräuter- und Blumendüfte. Oder Baumdüfte wie Zirbe, die die Durchblutung anregen. Die nutze ich gern zum Schluss, da sie meist recht schwer sind. Bei der Duftauswahl richte ich mich wie gesagt nach Stimmungen – und auch nach Tages- und Jahreszeiten.

Die Düfte werden heute meist nicht mehr in die Wassereimer gegeben, sondern auf Eisbälle aufgebracht. Eine Modeerscheinung?

Nein, das hat Gründe. Öle lösen sich im Wasser nicht auf. Fürs Wasser werden die Öl-Konzentrate daher mit Alkohol versetzt. Zum Glück findet hier aber ein Umdenken statt, der Trend geht zu reinen ätherischen Ölen, die viel gesünder sind. Diese träufelt man am besten auf Eisbälle, dafür haben wir hier extra eine Eismaschine. Die Idee dahinter ist, dass das Öl nicht direkt auf die heißen Steine gelangt, verbrennt und somit wirkungslos verpufft. Legt man die Eisbälle auf den Ofen und umgießt sie mit Wasser, steigt Dampf auf, der den Duft in den Raum trägt.

Was ist der größte Fehler, den man in der Sauna machen kann?

Sich nicht richtig abzukühlen. Viele gehen gleich ins Kaltwasserbecken und tauchen den Kopf unter. Das ist nicht empfehlenswert. Stattdessen muss man zuerst unbedingt an die frische Lust und durchatmen, etwa 30 bis 60 Sekunden lang. Danach kühlt man den Körper mit kaltem Wasser ab – ob Dusche oder Schlauch. Empfehlenswert ist hier der Kneippguss. Erst zum Schluss kann man noch ins Kaltwasserbecken.

Welche Tipps haben Sie vor allem für Sauna-Anfänger?

Ob Anfänger oder Profi: für alle gilt, auf den eigenen Körper zu hören. Langsam beginnen. Wer noch nie einen Marathon gemacht hat, läuft den ja auch nicht aus dem Stand. Also: nicht überfordern, nicht versuchen, durchzuhalten, sondern rausgehen, wenn man sich nicht mehr wohl fühlt. Und: zwei, drei Durchgänge reichen. Dazwischen pausieren und ausruhen. Nicht noch Dampfbad- oder Schwimmrunden einbauen. Saunieren und Aufgüsse sind kein Wettkampf.

Es wird so langsam Frühling. Ist die Saunasaison somit vorbei?

Nein, gar nicht. Obwohl für gewöhnlich Herbst und Winter als Saunazeit gelten, sollte man das ganze Jahr über saunieren – und zwar regelmäßig. Sauna ist wie Sport ein Training für den Körper. Man muss dranbleiben. Nur so sind die vielen positiven Effekte für die Gesundheit auch nachhaltig.

Maik Brandenburg und die Buchinger-Wilhelmi-Klinik

Zur Person
Maik Brandenburg, Jahrgang 1992, ist in Potsdam aufgewachsen. Er hat Sporttherapie und Prävention studiert. Zunächst arbeitete er an einer Reha-Klinik in Berlin, dann in einer Therme in der Schweiz. Dort hat er das Aufgießen in der Sauna als Leidenschaft entdeckt und nahm mit seinem Team oft bei Wettkämpfen teil. 2014 gewann er mit einer Kollegin die Saunaweltmeisterschaft. Seit Ende 2020 leitet er die Sporttherapie an der Buchinger-Wilhelmi-Klinik in Überlingen und ist dort seit Anfang des Jahres auch der Saunameister.

Zur Klinik
Gegründet wurde die Klinik in Überlingen am Bodensee vom Arzt Otto Buchinger (1878–1966). Um 1920 entwickelte er die nach ihm benannte Methode des Heilfastens, bei der auf begrenzte Zeit auf feste Nahrung verzichtet wird. Die renommierte Buchinger-Wilhelmi-Klinik, in vierter Generation in Familienhand, setzt noch heute auf Heilfasten, integrative Medizin und ganzheitliche Gesundheit. Die Gäste kommen aus der ganzen Welt. Leonard Wilhelmi ist geschäftsführender Direktor, seine Cousine Verena Buchinger die ärztliche Leiterin. Beide sind Urenkel von Otto Buchinger.