Eine flexiblere Berechnungsmethode für die Kitagebühren wurde in Althengstett gefunden. Foto: Berg/dpa

Explodierende Energiekosten, deutlich teurere Lebensmittel und dann auch noch neun Prozent höhere Kitagebühren ab Januar – das belastet viele Althengstetter Familien. Mit einer flexibleren Berechnungsmethode für die Elternbeiträge wird jetzt nachgebessert.

Althengstett - 90 Prozent der Kosten für die Hengstetter Kitas trägt derzeit die Allgemeinheit, zehn Prozent werden über Elternbeiträge finanziert. Die regelmäßigen Empfehlungen der Landesverbände für die Elternbeiträge der Kindertagesstätten werden von dem meisten Gemeinden des Landkreises Calw umgesetzt, auch von den Hengstetter Nachbargemeinden. Das Ziel: Rund 20 Prozent der Betriebsausgaben sollen durch Elternbeiträge gedeckt werden. Die Kostendeckung durch Elternbeiträge an den Betriebskosten, also an den Kosten ohne Abschreibung und Verzinsung des Anlagekapitals, liegt in Althengstett laut Gemeindeverwaltung wie in vielen anderen Kommunen auch, deutlich darunter.

Kosten steigen Jahr für Jahr

Der Zuschussbedarf der Kommune wächst Jahr für Jahr wegen der steigenden Gehälter und Allgemeinkosten. Insgesamt werden in der Gäugemeinde rund 3,5 Millionen Euro pro Jahr für die Kinderbetreuungseinrichtungen ausgegeben. Als der Gemeinderat in seiner Sitzung im September an der Gebührenschraube drehte und das Plus von neun Prozent für die Kleinkind- und Ganztagsbetreuung beschloss, blieb er rund ein Drittel unter den Empfehlungen der Landesverbände. Und besserte jetzt nach, weil viele Eltern sich ein flexibleres Zeitangebot gewünscht hatten. Der Nebeneffekt: Die Zeiten des Personals können zielgenauer eingesetzt werden und man braucht künftig womöglich weniger Erzieherinnen.

SPD stimmt zähneknirschend zu

Die SPD im Althengstetter Gemeinderat spricht sich seit Jahren für kostenlose Kitaplätze aus, hat Gebührenerhöhungen jeweils aber mitgetragen, wenn sie mit einer qualitativen Verbesserung im Kitabereich beziehungsweise im Familienzentrum einhergingen. "Die neun Prozent gefallen uns nicht", hatte Richard Dipper (SPD) in einer Stellungnahme für die SPD-Liste in der September-Sitzung gesagt. Mit dieser wurde unter anderem gefordert, die Abstimmung zu vertagen, um die Betreuungsstruktur im Ganztagesbereich optimieren zu können – ohne Erfolg. Zähneknirschend hatten die Sozialdemokraten der vorgeschlagenen Erhöhung zugestimmt.

Jetzt viel schlüssiger

Seit September hat man sich in Althengstett nun Zeit für ein schlüssigeres Gebührenmodell genommen. Dipper hatte nach der beschlossenen Erhöhung um neun Prozent Gespräche mit der Gemeindeverwaltung geführt. "Das hat zu einer einfacheren Preisstruktur geführt, die logischer und transparenter ist", äußerte sich Ratskollege Lothar Kante in der jüngsten Sitzung des Gremiums. Die neuen Vorschläge, denen die Räte einstimmig zustimmten, machen es für Eltern attraktiver, die tatsächlich benötigte Betreuungszeit sparsam zu nutzen. "Man zahlt nur, was benötigt wird", so Kante. Für die meisten Familien ist damit eine Reduzierung der Beiträge verbunden, nur wenige Eltern werden mehr bezahlen müssen.

Kein zusätzlicher Verwaltungsaufwand

Der neu ausgearbeitete Vorschlag ist nach Ansicht der Verwaltung einfach, übersichtlich und entspricht nach der Beurteilung durch das Fachamt den tatsächlichen Bedürfnissen der Familien. "Es ermöglicht zeitliche Erweiterungen auch in anderen Kindertagesstätten als nur den Ganztageseinrichtungen, also insbesondere in Ottenbronn und Neuhengstett", heißt es dazu vonseiten der Verwaltung. Ein weiterer Vorteil: In der Bearbeitung durch die Verwaltung ergibt sich kein zusätzlicher Aufwand, vorausgesetzt, die gewählte Betreuungszeit gilt für das ganze Kindergartenjahr gilt. Sie kann nur aus einem wichtigen Grund und mit Zustimmung der Amtsleitung geändert werden.

Über dem tatsächlichen Bedarf

Das vorgeschlagene Modell, das bei sämtlichen Ratsmitgliedern auf Zustimmung stieß, geht von den üblichen 30 Stunden Betreuungszeit pro Woche aus. Diese werden zu den Elternbeiträgen angeboten, wie sie vom Gemeinderat im September festgelegt wurden. Auf diesem Basismodell, das von den meisten Familien in Anspruch genommen wird, können die Eltern dann weitere Betreuungszeiten aufbauen. "Dabei werden die zusätzlichen Betreuungszeiten jeweils finanziell abgebildet – unabhängig davon, ob man zum Beispiel vier zusätzliche Stunden als einen Tag in Ganztag bucht, jeden Tag eine Stunde länger oder an zwei Nachmittagen jeweils zusätzliche zwei Stunden Betreuung. Damit besteht ein Anreiz für Eltern, nur die tatsächlich erforderlichen Betreuungszeiten zu buchen", so die Verwaltung. Beim bisherigen Modell habe ein Anreiz bestanden, die maximale Betreuungszeit in Form von fünf Ganztagen mit je zehn Stunden Betreuungsangebot zu buchen, die denselben Preis wie drei Ganztage kosteten. Dies habe die Gemeinde dazu gezwungen, die maximale Betreuungszeit anzubieten und zu finanzieren, "obwohl dies oft über dem tatsächlichen Bedarf lag."

Hinweis zum Rechtsanspruch

Die neuen Elternbeiträge für Betreuungsangebote über 30 Stunden sollen ab dem kommenden Kindergartenjahr im September 2023 gelten. Bei Bedarf können sie auch schon früher eingeführt werden, zum Beispiel für ein um eine Stunde verlängertes Angebot in Ottenbronn oder das bestehende verlängerte Angebot in Neuhengstett – wie immer und immer wieder thematisiert. "Der Anspruch beziehungsweise Rechtsanspruch der Eltern gilt nur auf die 30 Stunden Betreuungszeit pro Woche. Darüber hinaus gehende Angebote werden von der Gemeinde bedarfsgerecht zur Verfügung gestellt, soweit die Personal- und Raumkapazitäten dies wirtschaftlich vertretbar ermöglichen", heißt es von der Verwaltung.

Info: Überarbeitetes Gebührenmodell

Ab dem neuen Kindergartenjahr im September 2023 sollen folgende Betreuungsgebühren pro Monat gelten:

Familie mit einem Kind: Basis-Modell (bis 30 Stunden Betreuung): 120 Euro, Flex (bis 35 Stunden): 170 Euro, Flex Plus (bis 40 Stunden): 220 Euro, Premium (bis 45 Stunden): 270 Euro, Flatrate (bis 50 Stunden): 320 Euro

Familie mit zwei Kindern: Basis-Modell 90 Euro, Flex 140 Euro, Flex Plus 190 Euro, Premium 240 Euro, Flatrate 290 Euro

Familie mit drei Kindern: Basis-Modell 60 Euro, Flex 110 Euro, Flex Plus 160 Euro, Premium 210 Euro, Flatrate 260 Euro

Familie mit vier Kindern: Basis-Modell 28 Euro, Flex 80 Euro, Flex Plus 130 Euro), Premium 180 Euro, Flatrate 230 Euro