SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken will gleiche Bildungschancen für jedermann. Dafür setzt sie sich jetzt als Ausschussvorsitzende ein.
Das Thema Bildung als „Herzblutaufgabe“: Als „normale Abgeordnete“ hat Saskia Esken den Vorsitz eines gesellschaftspolitischen Bundestagsausschusses übernommen. Hat sie jetzt wieder mehr Zeit für den Wahlkreis? Über dieses und andere Themen sprachen wir mit ihr am Rande eines Besuchs im Campus in Freudenstadt.
Sie haben im Juni 2025 ihr Amt nach sechs Jahren an der Bundesspitze der SPD beim Bundesparteitag in Berlin abgegeben. Sind Sie jetzt, ein gutes halbes Jahr später, als „normale“ Bundestagsabgeordnete angekommen?
Ich bin seit mehr als zwölf Jahren Bundestagsabgeordnete. In den ersten Jahren habe ich im Ausschuss für Bildung und Forschung, im Innenausschuss und im Digitalausschuss Facharbeit geleistet. Klar, als ich Parteivorsitzende der SPD war, hatte ich naturgemäß etwas weniger Zeit für die fachliche parlamentarische Arbeit. Das ist jetzt wieder anders. Ich freue mich, dass ich wieder tiefer in meine Themen einsteigen kann.
Sie haben inzwischen den Vorsitz des BFSFJ-Ausschusses übernommen. Da verstört schon der Titel: Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Wo fängt man bei dieser Fülle von Aufgaben an?
Das stimmt. Der Ausschuss ist für die ganze Bandbreite der Gesellschaft zuständig. Manche fragen bei dieser Aufzählung, wo denn da die Männer bleiben. Ich sage dann immer: Die sind mitgemeint (lacht). Aber im Ernst: Wir stehen mit unserem Portfolio mittendrin in bedeutenden Aufträgen unserer Verfassung: Wir stärken Familien ebenso wie die jüngere und die ältere Generation, wir stehen für die Gleichberechtigung der Geschlechter und gegen die Diskriminierung gesellschaftlicher Gruppen.
Zum Ausschuss ist neu das Thema Bildung gekommen. Sie sagten einmal, Bildung sei Ihr Herzblutthema...
Klar, Bildung ist ein ursozialdemokratisches Thema. Wir wollen, dass Bildung für alle jungen Menschen gleichermaßen gelingt. Unsere Kitas, Schulen, Berufsschulen, Hochschulen und Volkshochschulen sollen dazu beitragen, dass alle Menschen unabhängig vom Geldbeutel ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben gehen können. Das trage ich als mein politisches Ziel im tiefsten Herzen.
Noch mal zur Bildung. Da war doch was? Das Thema Bildung beschäftigte Sie schon in Ihrem ersten Bundestagsausschuss vor 13 Jahren als junge Abgeordnete. Schließt sich da ein Kreis?
Klar – in der Vergangenheit habe ich meinen Beitrag dazu geleistet, dass der Digitalpakt entstand und dass er während der Corona-Pandemie ausgeweitet werden konnte. Und ich habe maßgeblich dazu beigetragen, dass das Startchancenprogramm trotz knapper Haushalte auf den Weg gebracht wurde und dass es nun auch auf die Kitas und perspektivisch auf mehr Schulen ausgeweitet werden kann.
Als „normale Abgeordnete“ haben Sie sicherlich mehr Zeit. Auch mehr Zeit für den Wahlkreis?
Das Gespräch mit den Menschen in unserer Region ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit und dafür nehme ich mir immer die nötige Zeit – sei es in digitalen Formaten oder in den sehr intensiven Wahlkreiswochen mit zahlreichen Besuchen in Schulen, Betrieben und Initiativen. Aber natürlich beschäftigen und sorgen mich die instabile Lage der Welt, die Kriege und Krisen, ebenso wie die wirtschaftliche Schwäche, der schwindende Zusammenhalt und das Erstarken der Rechtsextremisten in unserem Land. Dass bei der Bundestagswahl in unserem Wahlkreis mehr als jeder Vierte eine rechtsextreme Partei gewählt hat und damit dem Menschenhass den Rücken stärkt, macht mich fertig. Die unter dem Begriff „Remigration“ verschwurbelten Pläne zur massenhaften Deportation unserer Mitmenschen mit Migrationshintergrund, unserer Nachbarn, Kollegen und Mitschüler – das muss uns doch abstoßen, im Kopf wie im Herzen.
Welche Aufgaben haben in Ihrem Wahlkreis im Jahr 2026 Prioritäten?
Mir ist es wichtig, dass wir mit den Menschen wieder mehr ins Gespräch kommen – auch mit denen, die sich abgewandt haben von der Politik. Dafür erfinden wir ständig neue Formate. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass das Sondervermögen für Infrastruktur in unserer Region viel Gutes bewirken kann bei der Modernisierung der Kitas und Schulen, für Schienen und Straßen ebenso wie für kommunale Gebäude und Sportstätten. In diesen zusätzlichen 500 Milliarden Euro für Investitionen steckt die große Chance drin, unseren öffentlichen Raum ebenso wie die Wirtschaft wieder flott zu machen und so neue Zuversicht zu ermöglichen.