Julia und Salvatore Rocco aus Albstadt versorgen nicht nur die Italiener in der Umgebung mit den geliebten und gewohnten Drogerieartikeln und Lebensmitteln aus der Heimat. Foto: Vera Bender

In Truchtelfingen können Italiener und Italienfans ihre gewohnten Nudeln, Soßen und Waschmittel mit dem Duft der Kindheit kaufen und bestellen.

Wer schon einmal in „Bella Italia“ Urlaub gemacht hat, der weiß, dass es ein ganz anderes Gefühl ist. Nicht nur ein Lebensgefühl. Die Zikaden zirpen bei sommerlichen Temperaturen, das Essen schmeckt nach reifen Tomaten und Olivenöl und es riecht nach Zitrusfrüchten und frischen Kräutern. Da kommt sofort Urlaubsstimmung auf. Kein Wunder, dass manch ein Italiener in Deutschland die gewohnten Genüsse vermisst. Es geht um die „Aromen Italiens“, auf Italienisch: „Sapori d‘Italia“.​ Unter diesem Namen haben Salvatore und Julia Rocco aus Truchtelfingen einen kleinen Laden eröffnet. Er ist gerade mal so groß wie eine Garage, denn im Erdgeschoss des eigenen Wohnhauses, in der Rossentalstraße 60, befindet sich dieser auch. Zwei Regalreihen und ein Kühlschrank können für einen Italiener nicht die Welt, aber doch ein Stück Heimat bedeuten. Weil es in deutschen Supermärkten keine Drogerieartikel und Lebensmittel gibt? Nein, weil es diese speziellen Waren in der Region nicht zu kaufen gibt. Die nächsten Läden mit typisch italienischen Produkten gibt es im weiteren Umkreis in Villingen-Schwenningen oder bei Böblingen. Aber nicht in der Nähe.

 

Bestellt wird kartonweise

Weil der Großvater von Salvatore Rocco nicht mehr selbst nach Italien fahren kann, kam sein in Albstadt geborener Enkelsohn auf die Idee, die Ware von dort zu beschaffen. „Wir haben eine relativ große Familie“, erklärt der zweifache Familienvater, dessen eigener Vater aus der Basilikata und die Mutter aus Sizilien stammt. Salvatore und Julia Rocco fahren mit ihren beiden Söhnen zwar regelmäßig in die Toskana, um Verwandte zu besuchen, aber dabei kann man eben nicht alle in Deutschland lebenden Familienmitglieder versorgen. Und so hat der Albstädter im August 2025 kurzerhand eine WhatsApp-Gruppe angelegt und Bestellungen aufgenommen, um sich regelmäßig alle vier Wochen Ware aus dem sonnigen Süden beliefern zu lassen.

Inzwischen ist diese Gruppe auf über 550 Teilnehmer gewachsen und bestellt wird in der Regel kartonweise. So spart sich Salvatore Rocco auch das Umsortieren und kann die Pakete so weitergeben, wie sie bei ihm eintreffen. „Bei den meisten Italienern kommt ohnehin täglich Pasta auf den Tisch“, erklärt der Kleinunternehmer. Niemand kauft also zwei Päckchen Nudeln. Ein Karton mit 24 Tüten à 500 Gramm macht da schon eher Sinn. Und wer doch mal von irgendwelchen Produkten nur eine kleine Stückzahl benötigt, kann sich diese bei ihm im Laden besorgen.

Hier gibt es beispielsweise auch das begehrte Mehl für Pizza und für Pasta. Da Salvatore Rocco und seine deutsche Ehefrau Julia beide voll berufstätig sind und den Bestellservice quasi nur nebenbei anbieten, sind die Öffnungszeiten eingeschränkt.

Weichspüler ist der Renner

„Das geht auch nur, weil der Laden in unserem Wohnhaus ist“, verdeutlicht Salvatore Rocco. Seit September 2025 gibt es die kleine Verkaufsfläche und nun ist der Bauantrag gestellt, dass sie verdoppelt werden soll. Die Nutzung des Kellerraums muss geändert werden. Übrigens: Beim Weichspüler ist „Mon Amour“ der Renner. Es hat eben den typischen Duft, den man aus der Heimat, aus der Kindheit, kennt. Und es ist ergiebiger, da Konzentrat, und duftintensiver, erklärt Salvatore Rocco.

Bei den ersten Duftproben versteht man selbst als Deutsche plötzlich, was der Italiener meint. Sogar „Tedesci“ kommen immer mal wieder vorbei, weil sie bei ihrem Italienurlaub bestimmte Produkte kennen und lieben gelernt haben. Und trotz des kleinen und in zwei bis drei Monaten hoffentlich bald doppelt so großen Ladengeschäftes läuft das meiste immer noch über Bestellungen. Geliefert wird übrigens aus Mailand und aus Neapel. Die Kunden bezahlen üblicherweise im Voraus. Dann müssen also nur noch kurz die Aromen Italiens ins Auto geladen werden und schon verbreitet sich auch auf der rauen Alb der sonnige Süden.