Jahrzehntelang haben sie sich nicht gesehen, die Mitglieder der Luftwaffensanitätsstaffel der Radarführungsabteilung I in der Zollernalb-Kaserne. Nun haben sie das nachgeholt.
Eine „ungewöhnlich kameradschaftliche Truppe“ sei sie gewesen, die Luftwaffensanitätsstaffel der Radarführungsabteilung I der Bundeswehr in Meßstetten, die zum 1. Januar 2007 in eine Arztgruppe umgegliedert wurde.
Karl-Heinz Müller, von 1993 bis 2004 dabei, und seine Kollegen, die teils vor, teils nach ihm gingen, hat das Leben dann in alle Winde zerstreut. Als Bruno, ihr früherer Spieß, im September starb, war Müller und Ines Patzsch klar, dass es Zeit sei, sich zu treffen. Als Familienforscher geübt darin, auf Spurensuche zu gehen, und mit Unterstützung von Anja Zinke, Sandra Klostermann und Manfred Stumpp, machte sich Müller auf die Suche nach den einstigen Kollegen: Ärzte und Zahnärzte, Rettungssanitäter, Arzthelferinnen, Krankenschwestern, Kraftfahrer. Sie hatten sich zwischen 1963 und 2007 um die Gesundheit der Soldaten gekümmert, dabei auch mit zivilen Ärzten und Rettungskräften sowie mit dem Bundeswehrkrankenhaus in Ulm zusammengearbeitet.
Auf dem Truppenübungsplatz halfen sie bei Notfällen wie jenem Verkehrsunfall kurz vor Weihnachten, als ein Soldat bei Glatteis auf der Ringstraße verunglückt war – der Familienvater war nicht zu retten.
Die Übungen waren teils spektakulär
Lieber erinnern sich alle an teils spektakuläre Übungen, oft zusammen mit zivilen Rettungskräften der Region. „Das waren immer Großereignisse“, sagt Müller. „Und es war ein starker Zusammenhalt zwischen uns und ihnen.“
Sandra Klostermann gerät direkt ins Schwärmen, wenn sie an die alten Zeiten denkt: „Wir waren in Meßstetten eine große Familie, der ganze Standort, und wir hatten einen sehr guten Ruf.“ Davon zeugen zahlreiche Zeitungsartikel, die Müller für ein dickes Buch gesammelt hat. Darin abgebildet sind außerdem viele Fotos von Übungen, vom Leben in der Zollernalb-Kaserne, wo manche der Staffel-Mitglieder auch wohnten, und natürlich von Partys. Das Bildarchiv hat Manfred Stumpp aufbewahrt – und freut sich, dass es im Buch schön zur Geltung kommt.
Manches „Ahhh!“ und „Ohhh!“ ertönt, als die Ehemaligen darin blättern. Sofort kommt die Erinnerung an die Ereignisse in den Meßstetter Dienstjahren hoch, und die einstigen Kollegen scherzen, lachen, umarmen sich beim Wiedersehen im Restaurant „Zum Marstall“ in Sigmaringen, das am Nachmittag noch Ausgangspunkt einer Stadtführung ist.
Traurig hingegen blicken die Teilnehmer drein, als sie eine Tafel auf einem Tisch erblicken, die an verstorbene Kollegen erinnert: auf den Bildern noch jung, und alle viel zu jung, um sich schon zu verabschieden. „Alex – es ist fürchterlich, dass er heute hier keinen Blödsinn mehr machen kann“, sagt Karl-Heinz Müller nach der Gedenkminute, und über Bruno, den früheren „Spieß“, fügt er hinzu: „Wir hatten einen super Chef! Von ihm habe ich unheimlich viel gelernt und mitgenommen: Struktur, Geradlinigkeit und Beharrlichkeit.“ Mit seiner ganz eigenen Art habe er vieles kompensiert und „die Staffel am Laufen gehalten“. Bis alle dann weggingen, manche gar ins Ausland für ein paar Jahre, nach Spanien und in die USA.
Die weiteste Anreise an diesem Tag hat Anja Zinke: aus Schleswig-Holstein. Andere kommen aus Neckarsulm, Kerpen, aus dem Badischen, aus Rottweil oder Balingen. Aber alle freuen sich riesig, sich wiederzusehen – und versprechen sich feierlich, bis zum nächsten Treffen nicht mehr so lange zu warten.