Durch Verdolungen wie diese fließt der Reichenbach in einem Teil von Stetten unterirdisch. Das 1976 fertiggestellte Betonbauwerk bröselt nun allerdings und muss dringend saniert werden. Und es ist nicht die einzige Stelle, die in Hechingen Sorgen macht. Foto: Klaus Stopper

Hechingen zerbröselt. Straßen werden löchrig, in vielen Brücken und Betonbauwerken rostet der Armierungsstahl vor sich hin. Es herrscht Sanierungsstau. Was das bedeutet, wird derzeit in Stetten deutlich.

Konkret ging es am Mittwoch im Bauausschuss des Gemeinderats um eine Dole für den Reichenbach in Stetten, also um ein großes Betonbauwerk, durch den das kleine Gewässer im Bereich der Straße im Zinken fließt.

 

Es ist bereits in Teilen so baufällig, dass aktuell ein Teil der Straße für schwere LKW komplett und für Autos per Ampelregelung einseitig gesperrt ist. Reparaturkosten: Voraussichtlich 1,5 Millionen.

Weil das aber wohl nicht nur in Stetten so ist, nutzte Michael Werner, einer der leitenden Köpfe im Hechinger Bauamt, die Gelegenheit, den Räten ganz grundsätzlich die Lage in der Zollernstadt zu schildern. So gibt es in Hechingen 140 Kilometer Straße in Zuständigkeit der Stadt. Eine Straße hält etwa 50 Jahre in halbwegs passablem Zustand. Das heißt, man müsste jährlich drei Kilometer sanieren um nicht in Rückstand zu geraten. Tatsächlich schaffe man aber maximal einen Kilometer, bedauerte Michael Werner. Das liegt zum einen am Geld, das Hechingen bekanntlich fehlt, aber auch am Bauamt-Personal. Zwei Stellen können dort wegen Fachkräftemangel aktuell nicht besetzt werden.

Stadt kommt mit der Straßensanierung dem Bedarf nicht hinterher

Und es geht nicht nur um Straßen. Die Stadt muss sich um etwa 100 Gebäude kümmern, und dazu kommen noch einmal 100 Bauwerke im Untergrund. Stützwände, Brücken, Verdolungen. Immerhin: Viele davon unterliegen einer regelmäßigen Kontrolle. So wurde beispielsweise auch am Highway das Zerbröseln der Stützmauer bemerkt. Dieses Bauwerk ist nun saniert. Nun ist Stetten dran.

Schon vor 30 Jahren zeigten sich erste Risse im Beton

An der 1976 fertiggestellten Reichenbach-Verdolung wurden schon 1993 erste Schäden festgestellt. Damals hätte man nur ein paar Risse flicken müssen. Passierte aber nicht. Jetzt sind großflächig Betonteile abgebrochen, der Stahl liegt frei. Dehnungsfugen sind kaputt. Risse werden sichtbarer. An einer Stelle neigt sich die Stützwand in Richtung Gewässer. Wie dramatisch Experten die Stabilität des Bauwerks einschätzen, zeigt sich schon daran, dass bereits ein Stück Straße wegen Einsturzgefahr gesperrt werden muss.

Ein Rückbau der Betonbauwerke wäre noch teurer als die Sanierung

Die 1,5 Millionen Euro Sanierungskosten schmerzen im Hechinger Haushalt, aber noch mehr Sorgen muss machen, dass viele solche Betonbauwerke in den vergangenen 50 Jahren gebaut wurden. Oft ging es darum, bislang schmale Wege entlang von Gefälle oder Gewässern so zu verbreitern, zu überbrücken und zu stabilisieren, dass sie für Autos und Lastwagen befahrbar wurden. Kann eine Stadt mit klammen Kassen all diese Bauwerke auf Dauer erhalten?

Ein Rückbau der Verdolung würde sehr teuer werden

Im Ausschuss kam die Frage auf, ob man nicht die Verdolung in Stetten einfach in den historischen Zustand zurückbauen könnte. Billiger sei das jedenfalls nicht, musste Michael Werner enttäuschen. Die Kosten für den Abriss und die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands würde wesentlich mehr kosten als eine Sanierung. Mal ganz davon abgesehen, dass dann wohl höchstens noch eine einspurige Straße übrig bleiben würde.

Am Ende waren alle Ausschussmitglieder überzeugt. Einstimmig wurde dem Vorschlag der Stadt eingewilligt, die Planungen für eine Sanierung in Auftrag zu geben.