Das Finanzdefizit des Seniorenheimes wird durch die Bräunlinger Stadtkasse ausgeglichen – doch die wird immer mehr strapaziert. Grund ist ein Investitionsstau in der Einrichtung. Foto: Dagobert Maier

Das Defizit in der Einrichtung steigt seit Jahren an. Der Gemeinderat bewilligt den Ausgleich gern. Im Jahr 2000 wurde das Haus eröffnet. Die 30 Plätze sind in der Regel alle belegt. Jetzt muss einiges im Haus getan werden.

Für viele Ältere, nicht nur aus Bräunlingen, ist das städtische Seniorenheim eine willkommene Betreuungseinrichtung. Sie sorgt nun seit fast 25 Jahren bei ihren Bewohnern für einen geregelten Lebensabend, und das bei guter Pflege. Die 30 Betreuungsplätze sind zumeist alle belegt. Doch die steigenden Kosten für die Betreuung und Sanierungsmaßnahmen sorgen für ein steigendes Defizit.

 

Stadt übernimmt Verluste

In der Zweckverbandssatzung des Heimes wurde schon kurz nach der Eröffnung im Jahr 2000 festgelegt, dass die Stadt Bräunlingen Verluste übernimmt. Dem hat der Gemeinderat damals zugestimmt. Das Defizit lag in den früheren Jahren zwischen 10 000 und 30 000 Euro im Jahr. Dieses Finanzloch wurde in den vergangenen Jahren aber immer größer. 2019 waren es 34 087 Euro; 2020 30 884 Euro, 2021: 46 208 Euro, 2022: 104 000 Euro und 2024 werden es laut aktueller Planung 148 000 Euro.

Höchster Zuschuss im Jahr 2023

Den bisher höchsten Zuschuss gab es im vergangenen Jahr mit 202 000 Euro, wobei davon 52 000 Euro überplanmäßig waren. Dies bedeutete pro Pflegeplatz einen städtischen Zuschuss von rund 6700 Euro. Diese Zahlen zeigen, dass das Seniorenzentrum (SZ) neben etlichen zusätzlichen und unentgeltlichen Unterstützungen der Stadt bei der Finanzplanung einen hohen Stellenwert hat.

Dies wurde auch bei einer der jüngsten Gemeinderatssitzungen deutlich, als etliche Stadträte die Erhöhung des Zuschusses als gute Unterstützung für die älteren und pflegebedürftigen Mitbürger bekräftigten. Dies stellt Bürgermeister Micha Bächle in einer Stellungnahme ebenfalls deutlich heraus. Es müsse bei den vorliegenden Zahlen aber auch gefragt werden, warum die Kosten für die Stadt so dramatisch anstiegen. „Das liegt vor allem an den Instandhaltungen, die jetzt angegangen werden müssen. Deswegen wurde die Umlage auch erhöht, was rund die Hälfte des Fehlbetrages ausmacht“. Notwendig sei auch, „dass wir in den Erhalt des Seniorenzentrums investieren“, erklärte der Bürgermeister.

Marlies Reichstein (links) serviert in der Cafeteria Kaffee und Kuchen. Foto: Dagobert Maier/Archiv

Millionen für Kinder

Bächle wies darauf hin, dass es wichtig sei, in Bräunlingen eine 30 Betten umfassende Senioreinrichtung zu haben. „Wir geben auch Millionen an Kinderbetreuung über die Jahre aus. Deshalb ist es auch gerecht, dass die Stadt die Betreuung und Pflege der Älteren, die dann in Bräunlingen bleiben können, ermöglicht“, fügte er hinzu. Deshalb sei es zu vertreten, das die Stadt jedes Jahr eine hohe Summe aufwende, um das Seniorenzentrum zu unterstützen. Im und an dem nun rund 25 Jahren alte Gebäude gibt es einen großen Sanierungsstau. Dabei geht es unter anderem um Fenster, Dachgauben, Undichtigkeiten an den Rollladenkästen und der Fassade. Deshalb wurde die Instandsetzungsrücklage von 15 000 auf 150 000 Euro erhöht. Dies wirkt sich unmittelbar auch auf das Defizit aus, was die Stadtkasse ausgleichen muss.

Mittel für weitere Maßnahmen

Der Beschluss der Defizitkostenübernahme wurde schon in den Jahren kurz nach der Eröffnung gefasst. Zwar wird die Instandsetzungsrücklage wieder in den kommenden Jahren etwas heruntergefahren. Jedoch nicht auf den Stand von 2021. Warum? Damit Mittel für weitere Maßnahmen vorhanden sind, war im Gemeinderat zu hören.

„Wir investieren viel in die Kinderbetreuung, deshalb ist der Defizitbetrag für die Senioren keine Überbelastung“, sagte Stadtrat Michael Gut. Eine Aussage, die Clemens Fahl und andere Stadträte unterstützten. Eine über 90-prozentige Belegung zeige, dass das Seniorenzentrum für Bräunlingen wichtig sei, so Gut.

Zweckverband

Die Partner
Der Seniorenheimzweckverband (ZV) wird von vier Partnern getragen: Die Stadt Bräunlingen steht mit 80 Prozent an der Spitze. Die Stadt Hüfingen ist mit zehn Prozent beteiligt und die Caritas sowie der Förderverein mit je fünf Prozent. Aktueller Zweckverbandsvorsitzender ist Bürgermeister Micha Bächle. Der ZV beginnt derzeit für rund 600 000 Euro einen Heimanbau, der seine Gesamtschulden auf etwas mehr als einer Million Euro ansteigen lässt.