Ein Experte erklärt, ob Bürger während der Sanierung der Kläranlage die Toilette durchgehend benutzen können und mit Belastungen zu rechnen haben.
Im April hat die Sanierung an der Kläranlage in Bad Teinach gestartet. Und die ist auch überfällig, wie Projektleiter Sebastian Platz vom Planungsbüro Sweco sagt. Ein Gebläse ist nämlich bereits ausgefallen und musste nun notdürftig repariert werden. Die meisten Teile stammen noch aus den 1980er-Jahren und werden nun modernisiert. Doch wie funktioniert die Kläranlage während einer Sanierung überhaupt und gibt es Auswirkungen auf die Bürger?
Der Ingenieur kann die Bad Teinacher beruhigen: Bürger können während der gesamten Arbeiten ohne Einschränkungen auf die Toilette. Es kann nicht einfach ein Stöpsel eingesetzt werden, der die Kläranlage dicht macht – das ist rechtlich gar nicht zulässig, wie Platz erklärt. Es ist laut ihm „ keine Alternative, dass die Leute nicht aufs Klo können.“
Abwasser wird in Regenbecken geleitet
Damit die Einwohner also nichts von den Bauarbeiten spüren, müssen die Planer Lösungen finden. Eine ist, eine mobile Leitung zu legen, das heißt Abwasserrohre bis zu einer anderen Kläranlage zu leiten. Solch eine Mammutarbeit steht in Bad Teinach aber glücklicherweise nicht an. Wird die Sanierung eines der beiden Becken der Kläranlage angegangen, ist dieses kurzzeitig dicht. Doch dann wird das Abwasser in Außenanlagen geleitet, das sind Regenbecken im Kanalnetz oberhalb der Teinach, wie Platz sagt. Ein bis zwei Tage kann das Wasser dort gespeichert werden. Die Voraussetzung ist, dass es nicht regnen darf. Denn sonst kommt zu dem Abwasser auch noch Regenwasser dazu. Das einzige Manko laut Planer: „Es riecht dann da ein bisschen.“
Ab Juli ist nur ein Becken in Betrieb
Schon beim Einbau des neuen Geröllfangs bei der Kläranlage musste auf die Regenbecken ausgewichen werden. Und in rund zwei Monaten passiert das wieder, wenn Rohrleitungsstränge ausgewechselt werden. Ab Juli wird für längere Zeit nur ein Becken in Betrieb sein, um dort neue Belüftungssysteme und vieles mehr einzubauen. Doch auch dann müssen sich die Bürger keine Sorgen machen. Weniger Volumen bedeutet dann zwar eine geringere Leistung, wie der Ingenieur meint. Das heißt, dass zum Beispiel der CSB-Wert (Chemischer Sauerstoffbedarf) im Ablauf der Kläranlage steigt. Dieser gibt an, wie viel Schmutz sich nach der Reinigung noch im Wasser befindet. Die Grenzwerte werden laut Platz aber eingehalten, so dass keine Gefahr für die Einwohner besteht.
Im Übrigen ebenso nicht für Lebewesen im Wasser. Zwar wird auch der Wert von Ammonium – das ist im Prinzip flüssiger Dünger, der aus menschlichen Ausscheidungen und Proteinen entsteht und Fische zum Ersticken bringt – steigen. Doch auch das wird planmäßig im Rahmen bleiben und keine Gefahr für Fische und Co. bedeuten, wie Platz deutlich macht.