Der Bereich rund um die Schule und die Festhalle soll zu einem neuen Zentrum werden. Foto: Wolfgang Krokauer

Der Strukturwandel im Tourismus geht an Enzklösterle nicht spurlos vorbei. Die Folge ist Leerstand. Das mit dem Landessanierungsprogramm ändern. Wie sieht das Konzept aus?

Im Heidelbeerdorf Enzklösterle gibt es einige leer stehende Gebäude. Die Gemeinde will deshalb den Fördertopf des Landessanierungsprogramms anzapfen und mit dem Geld an verschiedenen Stellen den Ort auf Vordermann bringen.

 

Bürgermeisterin Sabine Zenker lud am Mittwochabend Interessierte zu einem Rundgang durch den Ort ein, um Sanierungsschwerpunkte unter die Lupe zu nehmen. Mit dabei waren Stadtplaner und Landschaftsarchitekt Thomas Sippel, Inhaber des Büros Netzwerk für Planung und Kommunikation, und Steffen Moninger, Projektleiter Kommunale Dienstleistungen bei der Landsiedlung Baden-Württemberg GmbH.

Schule, Festhalle und Tourist-Info Los ging die abendliche Tour mit knapp 50 Besuchern bei schönem Wetter an der Festhalle. Dort sind auch die Schule und die Tourist-Info. Nach Sippels Vorstellungen sollte das Rathaus hierherkommen. Die Einrichtungen müssten barrierefrei erreichbar sein, was derzeit nicht der Fall. Dem Landschaftsarchitekten schwebt eine Teilentsiegelung vor, um die Asphaltflächen zu verringern.

Bürgermeisterin Zenker will die Festhalle näher an die Festhalle rücken. Der Gebäudekomplex soll energieautark und multifunktional sein. Das derzeit im ehemaligen Hotel Waldhorn Post untergebrachte Heidelbeer-Haus wird bereits um das Jahresende in die Tourist-Info verlagert, war von der Zenker zu erfahren. Wegen der vielen Tagesgäste soll es künftig eine 24 Stunden lang an sieben Tage die Woche geöffnete barrierefreie Toilette geben.

Heidelbeer-Haus kommt in die Tourist-Info

Auch die Einrichtungen für den Zivil- und Katastrophenschutz sollen hier konzentriert und die Bevölkerung bei Evakuierungen in diesem Bereich untergebracht werden.

Zenker verwies angesichts des Klimawandels auf die steigende Gefahr durch Überschwemmungen und Waldbrände. Enzklösterle soll auch darauf vorbereitet sein, einen bis zu 72 Stunden dauernden Stromausfall zu überbrücken.

Kurpark Die Tour führte weiter zum Kurpark, den Sippel als ein „Juwel“ bezeichnete. Allerdings führte der Weg von der Festhalle durch den Kurpark zu einem Hotel, das inzwischen nicht mehr in Betrieb ist, Zenker bedauerte, dass Touristen den Kurpark mitunter gar nicht mitbekämen, weil er umgeben von Mauern und Bäumen sei. Nach den Vorstellungen von Zenker und Sippel soll der Kurpark wieder besser sichtbar werden.

Ehemaliges Hotel Waldhorn-Post Erstmals mit dem Thema Leerstand wurde die Runde konfrontiert, als sie Station beim ehemaligen Hotel Waldhorn-Post machte. Es ist in privater Hand.

Sippel machte keinen Hehl daraus, dass manches abgerissen werden müsse. Doch auch das sei teuer. Es gehe aber auch darum, welche Gebäudeteile noch gerettet werden könnten: „Wir wollen nicht alles platt machen.“ Es wäre zwar wünschenswert, wenn an dieser Stelle wieder ein Beherbergungsbetrieb entstehen würde. Sippel wollte aber keine Illusionen wecken. Das werde schwierig.

Betreutes Wohnen?

Sippel kann sich dort auch eine Art betreutes Wohnen für ältere Menschen vorstellen. Dies hätte den Vorteil, dass es mitten im Ort sei. Parkplätze gebe es ebenfalls in der Nähe. Ältere Menschen könnten die Möglichkeit bekommen im eigenen Ort rechtzeitig umzuziehen, ergänzte Zenker.

„Dicke Bretter“

Moninger machte deutlich, dass hier auch für junge Menschen Wohnraum entstehen könnte. Bevor dies möglich werde, seien jedoch drei Hürden zu überwinden, so Sippel. So müsse die Gemeinde zunächst Eigentümer des Grundstücks werden. Dann stelle sich die Frage, wer baue und schließlich müsse geklärt werden, wer eine solche Anlage betreibe. Das seien „dicke Bretter“, gab Sippel zu bedenken.

Hotels Zum Hirsch und Schwarzwaldhof Die zwei bestehenden Beherbergungsbetriebe Zum Hirsch und Schwarzwaldhof bezeichnete Sippel als Anker. Sie müssten auf den aktuellen Stand gehalten werden, um fit für die Zukunft zu sein.

Ortsdurchfahrt mit Ortsmitte Die Ortsdurchfahrt von Enzklösterle mit seiner Ortsmitte müsse für Einheimische und Urlauber lebendig erhalten werden, meinte Sippel beim Rundgang.

Er könnte sich dort einen Genossenschaftsladen vorstellen.

Friedenstraße In den bestehenden Leerständen in der Friedenstraße klassischen Handel hineinzubringen, sei ein schwieriges Thema, räumte Sippel ein. Er schlug einen Umbau für Wohnungen vor. Nach Zenkers Worten sollten sich Bauherren auf die künftige Nutzung von leerstehenden Erdgeschossflächen konzentrieren.

Ehemaliges Hotel Krone und ehemaliges Gasthaus Sonnenblick Das ehemalige Hotel Krone und das ehemalige Gasthaus Sonnenblick sind nach Sippels Worten zwei traditionsreiche Häuser.

Ihr Zustand ist inzwischen sehr schlecht. Bei einer Sanierung wäre es wünschenswert, wenn das ursprüngliche Erscheinungsbild der beiden Häuser wiederhergestellt werden könne. Doch das hängt von der Bausubstanz ab.

In einem schlechten Zustand sind das ehemalige Hotel Krone (links hinter den Bäumen) und das ehemalige Gasthaus Sonnenblick (rchts). Foto: Wolfgang Krokauer

Campingplatz Die Nutzung des Campingplatzes ist gerade im Auslaufen begriffen. Nach Zenkers Auffassung sollte er unbedingt gerettet werden. Sie verwies auf die 8000 bis 12 000 Übernachtungen im Jahr, die der Campingplatz gebracht habe. „Wohnmobile wird es immer geben“, glaubt sie. Aber auch hier müsse einiges modernisiert werden. Mit der Kaufkraft von Campern könnte sich vielleicht ein Dorfladen in der Ortsmitte halten, hieß es aus der Runde der Besucher.

Ehemaliges Hotel Hetschelhof Bürgermeisterin Zenker geht davon aus, dass der Hetschelhof wohl abgerissen werden müsse.

Antrag In den nächsten Tagen geht ein Antrag auf Aufnahme von Enzklösterle in das Landessanierungsprogramm an das Regierungspräsidium in Karlsruhe und an das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen in Stuttgart. Ob Enzklösterle in das Programm aufgenommen wird, konnte Moninger bei seinem Vortrag in der Festhalle am Mittwochabend nicht versprechen. Das Geld ist sehr begehrt. Allerdings werde der Bund seine Mittel für das Programm verdoppeln, so Moninger. Er geht davon aus, dass auch das Land seinen Anteil aufstockt. Die Entscheidung werde dann im Februar des nächsten Jahres, also kur vor der Landtagswahl, fallen.