Das Sanierungsgebiet umfasst 11,3 Hektar. Foto: Sebastian Buck

Die Groz-Siedlung soll fit für die Zukunft gemacht werden: Der Bitzer Gemeinderat entscheidet über den Auftakt eines umfassenden Sanierungsprojekts.

Mit einem bedeutenden Projekt für die zukünftige Entwicklung der Gemeinde beschäftigt sich der Bitzer Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend. Im Blick steht dabei die geplante Ausweisung des Sanierungsgebiets „Ortsmitte IV“ im Bereich der sogenannten Groz-Siedlung – ein Vorhaben, das die Ortsmitte in den kommenden Jahren verändern könnte.

 

Zunächst soll der Gemeinderat aber den Start sogenannter vorbereitender Untersuchungen beschließen, ist der Sitzungsvorlage zu entnehmen. Diese sind gesetzlich vorgeschrieben und bilden die Grundlage für eine spätere förmliche Festlegung des Sanierungsgebiets. Ziel ist es, die bestehenden städtebaulichen Strukturen genau zu analysieren, Mängel und Entwicklungspotenziale zu identifizieren und daraus konkrete Maßnahmen für die Zukunft abzuleiten.

Grundlage ist Entwicklungskonzept

Die Grundlage für diesen Schritt wurde bereits im vergangenen Jahr gelegt: Die Gemeinde hatte ein umfassendes gesamtörtliches sowie ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für das rund 11,3 Hektar große Gebiet erstellen lassen. Auf dieser Basis wurde dann ein Förderantrag gestellt – mit Erfolg. Das Regierungspräsidium Tübingen hat die Maßnahme in das Landessanierungsprogramm aufgenommen und eine erste Tranche von 500.000 Euro bewilligt. Langfristig ist ein Förderrahmen von insgesamt rund 2,77 Millionen Euro vorgesehen, der sich aus Mitteln von Bund, Land und der Gemeinde zusammensetzt. Erfreulich für die Kommune: „Im weiteren Verlauf der Maßnahme können zusätzlich notwendige Finanzhilfen durch Aufstockungsanträge beantragt werden“, heißt es in der Vorlage.

Mehrere zentrale Ziele

Inhaltlich verfolgt das Projekt mehrere Ziele. Ein Schwerpunkt liegt auf der Modernisierung und energetischen Sanierung der bestehenden Wohngebäude, die größtenteils aus den 1950er und 1960er Jahren stammen. Durch Verbesserungen an Fassaden, Dächern und Fenstern sollen sowohl der Energieverbrauch gesenkt als auch der Wohnkomfort erhöht werden. Gleichzeitig sollen neue, zeitgemäße Wohnformen entstehen – konkret etwa barrierearme oder familienfreundliche Angebote.

Weiterhin spielt die Aufwertung des öffentlichen Raums eine wichtige Rolle. Geplant sind unter anderem Verbesserungen im Straßen- und Wegenetz, mehr Verkehrssicherheit sowie attraktivere Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer. Auch die Aufenthaltsqualität im Quartier soll durch Begrünung, neue Sitzgelegenheiten oder eine bessere Gestaltung des Umfelds gesteigert werden.

Details fürs Klima

Ein weiterer Fokus liegt auf Klimaschutz und -anpassung. Dazu zählen beispielsweise wasserdurchlässige Beläge, die zur besseren Versickerung von Regenwasser beitragen, sowie die Pflanzung neuer Bäume und der Erhalt bestehender Grünstrukturen. Ergänzend sollen Eigentümer für eine klimafreundliche Gestaltung ihrer Grundstücke sensibilisiert werden.

Auch die Nutzung vorhandener Flächen wird in den Blick genommen. Leerstehende Gebäude oder ungenutzte Potenziale innerhalb des Gebiets sollen künftig stärker aktiviert werden, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, ohne neue Flächen auszuweisen. So jedenfalls ist es das Ziel laut Sitzungsvorlage. Parallel dazu ist vorgesehen, den Verkehr im Quartier besser zu ordnen und die Belastung für die Anwohner zu reduzieren.

Im Rahmen der vorbereitenden Untersuchungen werden auch die Bürgerinnen und Bürger einbezogen. Geplant sind für diesen Schritt unter anderem Befragungen sowie Informationsangebote, um Anregungen aus der Bevölkerung zu erhalten und aufzunehmen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollen bis Mitte dieses Jahres vorliegen und anschließend als Entscheidungsgrundlage für die weiteren Sanierungsschritte dienen.

Prägung über viele Jahre

Parallel dazu soll die LBBW Immobilien Kommunalentwicklung (KE) mit den Untersuchungen und den späteren Sanierungsmaßnahmen beauftragt werden. Die Gesamtkosten für Planung und Begleitung werden auf rund 150.000 Euro über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren geschätzt, wobei rund 60 Prozent durch Fördermittel gedeckt werden. Die KE ist überdies auch schon lange in Bitz aktiv – nicht nur das vorangegangene Gebiet „Ortsmitte III“ hatte die Firma unter ihren Fittichen, sondern sie habe „alle Sanierungsgebiete seit 1985 erfolgreich betreut“, heißt es in der Vorlage.

Mit dem Beschluss würde der Gemeinderat den nächsten Schritt auf dem Weg zu einer umfassenden städtebaulichen Erneuerung der Ortsmitte einleiten – ein Prozess, der Bitz noch über viele Jahre hinweg begleiten dürfte.