Die Bitzer Grundschule ist baulich in einem „guten Zustand“. Das sagt zumindest der Sanierungsfahrplan der Gemeinde Bitz. Wachsam muss man hier in den nächsten Jahren trotzdem bleiben. Foto: Roth

Straßen, Abwasserkanäle, Gebäude: Auf die Gemeinde Bitz warten perspektivisch teure Sanierungsmaßnahmen.

Die Sanierung der kommunalen Infrastruktur in finanziell schwierigen Zeiten treibt vielen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Land Sorgenfalten auf die Stirn. Damit in Bitz keine bösen Überraschungen drohen, hat das Ortsbaumamt einen umfangreichen Sanierungskatalog für die Liegenschaften der Gemeinde erstellt. Darin ist auf über 70 Seiten festgehalten, in welchem Zustand sich die Gebäude befinden und welcher Investitionsaufwand dort „sofort“, „in bis circa fünf Jahren“, „in bis circa zehn Jahren“ und „in später als zehn Jahren“ anfällt.

 

Ortsbaumeisterin Monika Merly stellte das Papier in der jüngsten Gemeinderatssitzung vor. Die erfreuliche Nachricht: In die Kategorie allgemeiner Zustand „schlecht“ fällt keine der untersuchten Liegenschaften. Rathaus, Ortszentrum, Bauhof, Vereinsheim, Aussegnungshalle und Mietwohnungen sowie Festhalle und Schwimmbad sind laut Sanierungskonzept bezüglich des Gesamtzustandes in der Kategorie „mittel“ eingestuft; die Lichtensteinschule mit Kindergarten, Sporthalle, Aula und Mensa sind sogar in „gutem Zustand“.

Insgesamt, so die Kalkulation Merlys, muss Bitz in den nächsten zehn Jahren etwas mehr als 2,5 Millionen Euro in die Hand nehmen, um die gemeindeeigenen Gebäude in Schuss zu halten. In den nächsten 15 Jahren werden es knapp 3.5 Millionen Euro sein. Sofort jedoch falle vergleichsweise „nur“ ein Investitionsaufwand von rund 325.000 Euro an.

Im Ortszentrum vieles zu tun

Wie ist die Bitzer Ortsbaumeisterin auf diese Zahlen gekommen? Jedes Gebäude wurde in seinen Bestandteilen sprichwörtlich auf Herz und Nieren geprüft und der Investitionsaufwand in Tabellenform strukturiert und mit mutmaßlichen Kosten kalkuliert. Beispiel Ortszentrum: Das dortige Dach ist laut Sanierungskonzept in Teilen unzureichend gedämmt. Für eine Sanierung in den kommenden zehn Jahren fallen nach Plan circa 47.200 Euro an.

Erneuert werden müssen beispielsweise auch die Sanitäranlagen. Werden die Toiletten in den nächsten fünf Jahren renoviert, sind rund 10.300 Euro fällig, die Bäder sind wohl in den nächsten zehn Jahren an der Reihe. Für diese Maßnahme plant die Gemeinde mit 31.500 Euro. Gleich verfahren wird für Fenster, Türen, Elektroinstallationen und was so alles in und an einem Gebäude noch gewartet werden kann. Aufgeführt sind jeweils auch mögliche Zuschüsse sowie jährliche Unterhaltungskosten.

Ziel: Investitionen priorisieren

In „gutem“ Allgemeinzustand ist die Lichtensteinschule, die 2015 umgebaut wurde. In den nächsten fünf Jahren wird dort lediglich mit einem Sanierungsaufwand von insgesamt knapp 30.900 Euro gerechnet. Teuerste Posten sind das Ortszentrum, der Bauhof und das Mietwohngebäude im Gairenweg 1.

Mit der Einführung des Sanierungsfahrplan will die Gemeinde eine langfristige Kostenkontrolle und Haushaltsplanung ermöglichen, Sanierungsmaßnahmen systematisch und transparent planen und Investitionen nach Dringlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutzaspekten priorisieren. Bürgermeisterin Raphaela Gonser betonte, dass die Sanierungskonzepte viel Arbeit gemacht hätten, jedoch einen sehr guten Überblick geben. Gemeinderat Frank Hohnwald lobte: „Auf das warten wir seit Jahren.“

Sanierungsstau bei Straßen

Und weil zur kommunalen Infrastruktur nicht nur Gebäude gehören, hat Bitz auch seine Straßen, Abwasserkanäle und Versorgungsleitungen untersuchen lassen. Beauftragt wurde damit das Büro StKW aus Rottenburg, das die Aufgabe gemeinsam mit der Energie- und Wasserversorgung Bitz sowie GP Joule, das sich um den Nahwärmeausbau kümmert, bewältigt hat. Geschäftsführer Andreas Linsenmeyer präsentierte die Ergebnisse ebenfalls in der jüngsten Ratssitzung. Was auffällt: Die Sanierung der Straßen und Kanäle in den kommenden Jahren kommt Bitz teurer zu stehen als die Gebäude. Bis 2030 werden nach derzeitigem Stand 3,248 Millionen Euro in Straßen und 2,178 Millionen Euro in Kanäle verbaut. Teuerstes Projekt wird in nächster Zeit der Vollausbau der Klarastraße mit 837.500 Euro.

Ebenfalls neu gemacht werden sollen bis 2030 unter anderem die Steinstraße, die Hermannsdorfer Straße, die Hohe Straße und die Lange Straße. Wie Linsenmeyer erläuterte, seien von insgesamt 25,2 Kilometern Bitzer Straßennetz 1,68 Kilometer in der Kategorie „Priorität 1“ zu sanieren und je 1,26 Kilometer in der „Priorität 2“ und „Priorität 3“ zu erneuern. „Der Sanierungsbedarf erstreckt sich auf den ganzen Ort“, betonte der Geschäftsführer von StKW.

Gemeinderat Lars Papke fasste zusammen: „Der Sanierungsbedarf ist groß.“ Es sei gut, dass die Verwaltung den Handlungsbedarf durch die Untersuchungen aufgezeigt bekomme. Den Handlungsbedarf sieht auch die Gemeinde. Laut Sitzungsvorlage sollen die Erkenntnisse Eingang in die Planungen ab 2027 finden.