Das Waldfreibad in Calmbach muss saniert werden. Auch danach soll der Sportschwerpunkt Schwimmen weiter möglich sein, so wie hier beim 36-Stunden-Schwimmen im vergangenen Jahr. Deshalb will die SPD-Fraktion das 50-Meter-Becken erhalten. Foto: Ziegelbauer

Durchschnittlich schließen in Deutschland jährlich 80 Schwimmbäder. Das soll in Bad Wildbad nicht passieren. Doch dazu muss das Waldfreibad grundlegend saniert werden. Und das wird teuer. Allein die Planung kostet rund 1,5 Millionen Euro.

Bad Wildbad - Fast 60 Prozent der Zehnjährigen in Deutschland sind keine sicheren Schwimmer – so zitiert die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) eine Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017. Ein Grund dafür ist laut DLRG, dass deutschlandweit immer mehr Schwimmbäder schließen und so immer weniger Schwimmkurse oder Schwimmunterricht in Schulen stattfinden können. Seit dem Jahr 2000 schließen, so die DLRG weiter, jährlich 80 Bäder. Dazu gibt es auch in der Region prominente Beispiele. So wurde etwa bereits 2017 das marode Wildbader Hallenbad geschlossen und aktuell steht womöglich das nächste Bad auf der Kippe – in Höfen kämpfen Verwaltung und Förderverein für den Erhalt des Freibades.

 

Freibad soll erhalten werden

In Bad Wildbad soll eine weitere Schwimmbadschließung unbedingt vermieden werden. Bereits mehrfach stellte sich der Gemeinderat geschlossen hinter das Waldfreibad in Calmbach. Ziel ist es, das Bad zu erhalten. Doch dafür ist eine grundlegende Sanierung nötig. Und zwar eigentlich von allem. Sowohl das Technikgebäude als auch die vollständige Badewassertechnik haben ihren Lebenszyklus bereits lange überschritten und müssen kurz- bis mittelfristig ersetzt werden. Diesen Stand teilte Stadtbaumeister Volkhard Leetz den Stadträten mit. Laut Sitzungsvorlage weisen zudem die Schwimmbecken eine mangelhafte Beckenhydraulik ebenso auf wie Schäden an der Folienauskleidung und Setzungserscheinungen. Auch hier sei eine Sanierung mittelfristig unvermeidbar. Eine zwingend erforderliche Maßnahme zur Hygieneverbesserung bei der Frischwassernachspeisung sei bereits 2018 umgesetzt worden. Dies sei aber keine lebenszyklusverlängernde Maßnahme für die übrige Anlagentechnik. Aber der neue Trinkwasserzwischenspeicher sei so konzipiert worden, dass er in die neu zu errichtende Badewasseranlage integriert werden kann.

Sanierung wird teuer

Da die Sanierung des Freibades sehr teuer werden dürfte, plant die Stadtverwaltung mit drei Bauabschnitten. Die Projektplanung soll von einem Büro gemacht werden, das sich auf den Bau und die Sanierung von Bäderlandschaften spezialisiert hat, da der Bäderbau spezielle Kenntnisse erfordere. Und diese Planung wurde von der Stadt europaweit ausgeschrieben und in der jüngsten Sitzung stand nun die Vergabe an eines der Planungsbüros auf der Tagesordnung. Knackpunkt dabei: Allein diese Projektplanung kostet rund 1,5 Millionen Euro. Der Vorteil: Damit hätte man bereits eine fertige Werkplanung in der Schublade, mit der man sich um etwaige Fördermittel bewerben könnte.

"Wir beschließen heute einen Meilenstein zum Erhalt unseres Waldfreibads", sagte Bürgermeister-Stellvertreter Jochen Borg (CDU). Gerade in der Pandemie habe sich gezeigt, wie wichtig das Bad sei und wie gut es angenommen worden sei. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Jahn-Zöhrens sagte für ihre Fraktion: "Wir stimmen sehr gerne zu." Es sei ein großer Wunsch, den Zustand des Bades zu verbessern und so neues Badevergnügen zu schaffen. Sie sei dafür, dass es ein Sportbad bleibe. Deshalb soll das 50-Meter-Becken erhalten werden wenn es geht, da man den Sportschwerpunkt Schwimmen vorantreiben wolle. Dazu hofft sie, "dass es doch einen Fördertopf gibt". Denn die Aufwendungen seien enorm. "Wir stehen zu unserem Freibad", so Jahn-Zöhrens abschließend.

Planer sind "Vollprofis"

Rita Locher, Vorsitzende der FWV/FDP-Fraktion, ergänzte, dass das Büro, das die beste Bewertung bekommen habe auch das beste Angebot abgegeben habe. Zudem seien dort "Vollprofis im Bereich nachhaltige Badetechnik" am Werk. Allerdings sei das Gesamtvolumen von rund 1,5 Millionen Euro schon "ein Wort". Aber bei dem Finanzierungsvorschlag könne man mitgehen. Der sieht wie folgt aus: Die Planungskosten teilen sich in vier Bereiche. Zunächst werden 933 000 Euro für den ersten Teil, der die gesamte Planung umfasst, fällig. Die weiteren Bereiche umfassen dann zum Beispiel Auftragsvergabe und Bauüberwachung und werden erst im Zuge der Sanierung fällig. Da im Haushalt lediglich 300 000 für dieses Projekt eingestellt sind, soll der Differenzbetrag planerisch mit der Maßnahme Neubau an der Fünf-Täler-Schule verrechnet werden, da diese Mittel nicht in voller Höhe benötigt werden und deshalb zur Zwischenfinanzierung dieses Auftrags eingesetzt werden können.

Finanzielle Mammutaufgabe

Oliver Eder (CDU) zeigte sich etwas schockiert über die Höhe der Kosten. Das habe schon die Augen geöffnet. "Das ist ein Batzen Geld. Und das ist nur die Planung", so Eder weiter. Dennoch sehe man die soziale Verantwortung. Er hat aber Bedenken, wie es angesichts düsterer Prognosen zum Stadthaushalt vonseiten der Verwaltung in den nächsten Jahren mit den nötigen Geldern aussehe: "Wenn die nächsten Schritte anstehen, haben wir dann das Geld?", fragte er. Man versuche alles, müsse sich aber im Klaren sein, "was auf uns zukommt". Dem stimmte Borg zu: "Das ist eine finanzielle Mammutaufgabe für die kommenden Jahre." Deshalb brauche man vielleicht auch Glück, um in Förderprogramme zu kommen.

Dieter Gischer (SPD) regte an, die Planungsfirma einzuladen, damit sie sich und ihr Vorgehen im Gemeinderat vorstelle. Dies sei zum Beispiel auch im Kreistag bei solchen Planungssummen gang und gäbe.

Land und Bund in der Pflicht?

"Wir wissen immer noch nicht, was es kostet", monierte Rainer Weiß (CDU). Bereits vor Corona sei von rund acht Millionen Euro die Rede gewesen, bei der derzeitigen Baukostenentwicklung sei da das Ende der Fahnenstange aber wohl noch nicht erreicht. Er sieht sowohl den Bund als auch das Land Baden-Württemberg in der Pflicht, die Kommunen bei solchen Projekten zu unterstützen. "Der Topf muss kommen, da müssen Zuschüsse kommen", forderte er. Vielleicht habe man ja jetzt auch eine Lobby in Berlin, fügte er im Hinblick auf Ex-Bürgermeister Klaus Mack als neuen Bundestagsabgeordneten hinzu. Borg versprach, da nachzuhaken: "Wir werden den Finger in die Wunde legen."

"Wir können das als Stadt Bad Wildbad nicht stemmen". verdeutlichte Jürgen Schrumpf (SPD). Aber man brauche diese Planung. Er erwähnte zudem, dass die Wasseraufbereitung durch das Frischwasser, das, statt des früher verwendeten Wassers aus der Enz, enorme Kosten verursache und wollte von Leetz wissen, ob künftig wieder das Enzwasser verwendet werden könne. Das hatte der Stadtbaumeister allerdings wohl als Arbeitsauftrag verstanden, denn eine sofortige Antwort auf diese Frage erhielt Schrumpf nicht.

Am Ende waren sich aber alle Fraktionen einig, dass die Planung vergeben werden soll und beschlossen einstimmig die Vergabe an das Büro Fritz Planung GmbH aus Bad Urach zum Angebotspreis von rund 1,51 Millionen Euro.