Es sind zwei große Gebäudesanierungen in der St. Georgener Innenstadt: Beim „Roten Löwen“ ist die Erneuerung in den letzten Zügen, beim Rathaus soll sie im kommenden Jahr beginnen. Bei einem Infoabend gab es aktuelle Details zu beiden Vorhaben.
Recht dramatisch ist der Zustand des Rathauses, wie Bürgermeister Michael Rieger beim Infoabend für Einwohner anhand von Fotos dokumentierte.
Die zeigen zum Beispiel Regenrinnen im Gebäudeinneren, die eindringendes Wasser auffangen. Laut Willi Sutter vom Planungsbüro „sutter³“ würde die für Abriss und Neubau nötige Energie reichen, um das Gebäude 34 Jahre lang zu heizen. Auch werde der Rathaussaal vom Landesdenkmalamt als erhaltenswertes Objekt angesehen, da er demokratische Grundideen in architektonischer Umsetzung zeige. Deshalb winken bei der Sanierung 85 Prozent Zuschuss an zu berücksichtigungsfähigen Kosten. Baubeginn ist für Ende 2024, die Fertigstellung Mitte 2026 vorgesehen.
Celine Wuertz vom Planungsbüro nannte den Sitzungssaal großzügig, man sitze gleichberechtigt im Kreis. Das Treppenhaus sei architektonisch spannend, ein kommunikativer Ort.
Bürgerbüro im Erdgeschoss
Das Erdgeschoss soll mit Bürgerbüro und Stadtbibliothek „Wohnzimmer des Orts“ werden, das Bürgermeisterbüro ins oberste Stockwerk ziehen. Geplant sind Photovoltaikmodule auf dem Dach und an der Fassade. Die gebe es in unterschiedlichsten Farben. Zudem soll Erdwärme genutzt werden, die Hülle Holzwände in Rahmenbaukonstruktion erhalten. Laut Rieger kommt die Verwaltung während der Sanierung im A.-Maier-Gebäude unter. Die Stadt kaufte das Areal für 750 000 Euro, bei mehr als 400 000 Euro Förderung und gesparten Mietkosten von 200 000 Euro.
Umzug im Sommer
Mit dem Umzug beginne man nächsten Sommer. Der Backsteinbau sei in sehr gepflegtem Zustand, nach der Rathaussanierung müsse daraus etwas Besonderes werden, um Menschen in die Stadt zu ziehen.
Gleiches wünscht sich Rieger beim „Roten Löwen“. Zusammen mit der Stiftung Liebenau soll dort, vielleicht unter dem Namen „Kaffee Vielfalt“, ein Inklusiv-Café entstehen, möglichst unter Mitwirkung von Vereinen, Kirchen, Schulen oder Künstlern. Auch sollen dort die Wirkstatt und das Jugendhaus unterkommen, dazu „in einer einmaligen Kooperation“ mit Landratsamt, Jobcenter und kirchlichen Sozialdiensten ein sozial-räumlicher Beratungs- und Sozialdienst. Für Eingliederungshilfe, Pflegestützpunkt oder Jugendamt müssten Menschen dann nicht mehr nach Villingen gehen.
Raum für 230 Personen
Rieger zeigte eindrucksvolle Fotos vom Dachgeschoss, das Raum für Veranstaltungen mit 230 Personen bietet, mit Beamer, Leinwand und einer Cateringküche ausgerüstet wird.
Zuletzt ging Rieger auf die Finanzen der Stadt und den „ganz guten Schuldenstand“ ein. In Geld schwimme man nicht, stellte er klar. Von einer Million Gewerbesteuer blieben der Stadt nur 240 000 Euro, der Rest gehe in den Ausgleichstopf.
2024 werde man Kredite aufnehmen müssen, daran sei auch nichts Verwerfliches. Laut Rieger fließen jährlich neun Millionen Euro in den laufenden Betrieb städtischer Einrichtungen.