Bloß nicht einatmen: Bei der Entsorgung von Asbest ist Vorsicht geboten. Foto: dpa/Bernd Wüstneck

Man sieht ihn nicht, man riecht ihn nicht – aber er ist hochgefährlich: Asbest. Bei Sanierungen tritt der verbotene Stoff auch im Kreis Rottweil häufig zutage. Wie entsorge ich Asbest richtig? Was kostet es? Wir klären die wichtigsten Punkte.

Nicht zuletzt beim Hausbau spielte Asbest jahrzehntelang eine große Rolle. Bis die Gefährlichkeit des Stoffes bekannt wurde. Asbest ist krebserregend, seit 1993 gilt in Deutschland ein Verbot. Jetzt, 30 Jahre später, wird das faserartige Material auch im Kreis Rottweil oft wieder zum Problem: Bei Sanierungen oder Abrissen taucht Asbest auf – und die Entsorgung ist mit einigem Aufwand verbunden.

 

Andrea Schmider, Pressesprecherin beim Landratsamt, berichtet auf Nachfrage, dass sich immer wieder Bürger ratsuchend an den Landkreis wenden oder sich beschweren, dass jemand wohl mit dem Material nicht richtig umgeht. Wir stellen der Sprecherin die wichtigsten Fragen.

Die Entsorgung

Angenommen ich saniere im Kreis Rottweil ein altes Garagendach mit Asbestplatten. Was muss ich tun? Wo müssen die alten Platten hin? Wie kommen sie da hin? Und was kostet das?

Wegen der Umwelt- und Gesundheitsgefährdung empfiehlt das Landratsamt, eine Fachfirma mit den Demontagearbeiten von Asbestzementplatten zu beauftragen. Diese übernimmt auch die Entsorgung des Materials. Asbestzementplatten müssen im Landkreis auf der Deponie Talheim-Tuningen entsorgt werden. Die Asbestzementplatten müssen in geeigneten, für Asbest zugelassenen Säcken (Bigbags) angeliefert werden. Auf der Deponie werden die Platten in definierten Bereichen abgelagert und mit geeignetem Material überdeckt.

Kleinere Mengen an Asbestzementplatten können in Bigbags auch bei der Firma Alba abgegeben werden. Zu den Kosten für die Sanierung und Entsorgung können von uns keine Angaben angegeben werden. Diese hängen vom jeweiligen Einzelfall ab. Die Kosten können bei den Fachfirmen abgefragt werden. Die Anliefergebühr für die Beseitigung auf der Deponie Talheim-Tuningen beträgt 100 Euro pro Tonne.

Wie erkenne ich bei einer Sanierung Marke Eigenbau überhaupt, dass ich es mit Asbest zu tun habe?

Bis 1993 wurden asbesthaltige Stoffe in vielen Produkten verwendet – Asbestzementplatten, Fliesenkleber, Hausverkleidungen, Brandschutzverkleidungen und vieles mehr. Nach dem Jahr 1993 wurden teilweise noch Restbestände verwendet. Die Beurteilung, ob asbesthaltige Stoffe vorhanden sind, kann nur ein Fachmann, ein Fachinstitut vornehmen. Aufgrund des Verwendungsverbots kann davon ausgegangen werden, dass ab 1994 keine asbesthaltigen Produkte mehr hergestellt wurden. Asbestfreie Dachplatten verfügen über eine Kennzeichnung AF (asbestfrei).

Warum ist Asbest so gefährlich?

Asbest ist als gefährlicher, krebserregender Abfall eingestuft. Es kann gefährlich werden, wenn asbesthaltige Produkte bearbeitet oder zerstört werden. Wenn unsachgemäß vorgegangen wird, können Asbestfasern freigesetzt werden. Diese Asbestfasern sind sehr fein, sodass sie unbemerkt eingeatmet werden. In der Lunge können diese Fasern dann zu Reizungen, Vernarbungen und Krebserkrankungen führen. Seit dem 31. Oktober 1993 ist es in Deutschland verboten Asbest und asbesthaltige Produkte herzustellen, in den Verkehr zu bringen und zu verwenden.

Empfindliche Strafen drohen

Was ist, wenn ich das Material einfach unter anderem Bauschutt „verschwinden“ lasse?

Das wäre nicht zulässig. Durch die Untermischung von asbesthaltigen Stoffen kann der Bauschutt eventuell nicht mehr recycelt und wiederverwendet werden. Dann müsste der gesamte verunreinigte Bauschutt entsorgt werden. Zudem besteht bei der Aufbereitung von untergemischten Bauschutt die Gefahr einer Verbreitung gesundheitsschädlicher Asbestfasern.

Der falsche Abbau, Umgang und auch die falsche Entsorgung von Asbest ist eine Straftat. Der Strafumfang reicht von einer Geldstrafe bis hin zu einer Freiheitsstrafe.

Info

Asbest
ist die Sammelbezeichnung für natürlich vorkommende, faserartige silikatische Minerale mit Faserdurchmessern bis herab zu zwei Mikrometern (1 Mikrometer entspricht einem Tausendstel Millimeter). Asbest ist chemisch sehr beständig, unempfindlich gegen Hitze und nicht brennbar. Er weist eine hohe Elastizität und Zugfestigkeit auf und lässt sich aufgrund seiner Bindefähigkeit mit anderen Materialien leicht zu Produkten verarbeiten. Wegen seiner besonderen Eigenschaften wurde Asbest seit etwa 1930 in einer Vielzahl von Produkten eingesetzt. Dazu zählen Platten für den Hochbau, Brems- und Kupplungsbeläge, Dichtungen und Formmassen für hohe thermische oder chemische Belastungen.