Die Zwei von der städtischen Sanierungsstelle: Olga Liebrich und Edmund Schäfer beraten sanierungswillige Eigentümer in den Sanierungsgebieten „Stadtmitte“ und „In der Au“. Foto: Stadt Rottweil / Hermann

In der Stadt Rottweil gibt es mit der „Stadtmitte“ und „In der Au“ gleich zwei Sanierungsgebiete. Olga Liebrich und Edmund Schäfer von der Sanierungsstelle der Stadtverwaltung stellen im Gespräch ihre Arbeit vor.

In einer Artikelserie anlässlich des bundesweit stattfindenden Tages der Städtebauförderung am 4. Mai geben wir in den kommenden Wochen Einblicke in beispielhafte Sanierungsprojekte.

Sanierungsgebiete gelten als Instrumente der Stadterneuerung. Aber kann man in einer historischen Stadt wie Rottweil überhaupt von „Erneuerung“ sprechen?

Ja, denn Sanierungsgebiete haben unter anderem zum Ziel, historisch wertvolle Bausubstanz zu bewahren und bestehende Gebäude durch umfassende Modernisierung zukunftsfähig zu machen. Gemeinsam mit der Landesgartenschau 2028 stellen die beiden Sanierungsgebiete eine einmalige Chance dar, Stadtentwicklung in großen Schritten voranzubringen.

Was bedeutet städtebauliche Sanierung konkret?

Zunächst einmal ist die Sanierung ein Gewinn für alle, denn durch die Maßnahmen in den Sanierungsgebieten wird die Stadt weiter aufgewertet und städtebauliche Missstände werden beseitigt. Gefördert werden etwa die Verbesserung von Straßen und Plätzen aber auch die Erneuerung von Gebäuden. Wir unterstützen insbesondere private Eigentümer finanziell bei der Sanierung ihrer Häuser. Konkret haben wir so schon über 100 Wohneinheiten gefördert. Im Sanierungsgebiet Stadtmitte wurde auch einem öffentlichen Gebäude, dem Alten Kaufhaus, mit Fördermitteln zu neuem Glanz verholfen. Die Erneuerung der Oberflächen in der Höllgasse und Hinteren Höllgasse wurde 2020 abgeschlossen. In diesem Frühjahr läuft als erster Bauabschnitt im Heilig-Kreuz-Ort die Sanierung der Bruderschaftsgasse an. Außerdem wird der Bau des neuen Parkhauses auf der Groß‘schen Wiese und das Innenstadtmanagement von Stadt und Gewerbe- und Handelsverein, das sich etwa um die Ansiedlung neuer Ladengeschäfte kümmert, mit Städtebaufördermitteln bezuschusst

Wie hoch ist der städtische Zuschuss und woher kommen die Fördergelder?

Pro sanierter Nutzungseinheit sind beispielsweise im Sanierungsgebiet Stadtmitte 20 000 Euro Grundförderung möglich. Die Stadt kann diesen Zuschuss auf bis zu 30 000 erhöhen, wenn die geplanten Maßnahmen den Zielen der Stadtsanierung besonders entgegenkommen. Die dafür zur Verfügung stehenden Fördergelder werden zu 60 Prozent vom Bund und vom Land Baden-Württemberg und zu 40 Prozent von der Stadt bereitgestellt. Zur Förderung privater Investitionen konnten so bereits 2,5 Millionen Euro an Zuschüssen für die Stadtmitte mobilisiert werden. In der Au sind es weitere 400 000 Euro.

Wie lange ist ein Sanierungsgebiet ein Sanierungsgebiet?

Die Förderprogramme der Städtebauförderung werden in der Regel zunächst für acht Jahre bewilligt. In Ausnahmefällen und mit Begründung können sie verlängert werden, jedoch bis maximal 15 Jahre. Das Sanierungsgebiet Stadtmitte, das 2016 gestartet ist, wurde so kürzlich nochmals um zwei weitere Jahre bis 2026 verlängert. Das Gebiet In der Au läuft regulär noch bis 2031.

Was sind Ihre Aufgaben bei der Sanierungsstelle?

In erster Linie sind wir Ansprechpartner für Eigentümer in den Sanierungsgebieten. Zu unseren Tätigkeiten gehört insbesondere die Beratung und Betreuung der Bauherren. Im Weiteren übernehmen wir Projektsteuerungsaufgaben und sind koordinierende Schnittstelle zwischen den beteiligten Akteuren und Ämtern. Jährlich nehmen wir auch am Tag der Städtebauförderung teil, an dem wir Projekte in den Sanierungsgebieten vorstellen und spannende Einblicke hinter die Kulissen bieten. Interessierte sind schon jetzt herzlich eingeladen, sich den 4. Mai vorzumerken.