Die „Total-OP“ an der Parkgarage auf dem Lindenhof ist in vollem Gange. Das ist für die Autofahrer auch mit Einschränkungen verbunden.
Wer auf dem Lindenhofplatz mal eben Besorgungen machen will, der muss sie erst einmal umkurven: die Baustelle zur Sanierung der Parkgarage.
Der 1973 erstellte Bau mit seinen insgesamt 48 Garagenboxen ist derzeit eingehüllt, weil er saniert wird. Deshalb stehen aktuell auch weniger Stellplätze zur Verfügung. Und beim Ausparken muss der eine oder andere ganz schön zirkeln, um nicht mit dem Auto am Zaun oder einer Schuttmulde zu landen. Für die Verkehrsteilnehmer eine Unannehmlichkeit, bei den Nutzern der Parkgarage dürfte der Frust aber um einiges größer sein.
Verschleiß nach rund 50 Jahren
Dass die Parkgarage saniert werden muss, da ist man sich weitgehend einig. Der Zahn der Zeit hat seine Spuren hinterlassen: Risse, abgeplatzten Beton und offenliegenden Bewehrungsstahl beispielsweise. Die Umstände der Sanierung sind derweil nicht unumstritten.
Pfusch am Bau? Diesen Vorwurf hatte Bürgermeister Matthias Winter in einer Juni-Sitzung für falsch erklärt. Die in den 1970er-Jahren geltenden DIN-Vorschriften seien eingehalten worden, und nach rund 50 Jahren seien Verschleißspuren nichts Überraschendes. Als akut einsturzgefährdet wurde die Parkgarage im Juni noch nicht klassifiziert, jedoch drohte laut Stadt eine baldige Schließung 2025 aufgrund statischer Bedenken.
Etwas, das die Stadt angreifbar machen würde, wie Winter im Juni im Gemeinderat erklärte. Denn als Eigentümerin ist sie vertraglich gegenüber den rund 40 Dauernutzern zur Instandhaltung verpflichtet.
Diese Ansätze waren gescheitert
Die Dauernutzer seien wiederum dazu verpflichtet, sich jeweils zu zwei Prozent an etwaigen Sanierungskosten zu beteiligen, hatte der Bürgermeister erklärt. Und die sind happig: 1,73 Millionen Euro war das Ergebnis der Kostenberechnung – also 34 000 Euro für jeden Dauernutzer. Eine Lösung, mit der auch die Stadtverwaltung nicht glücklich ist, wie Winter vor den Sommerferien deutlich machte. An der Gültigkeit der Verträge bestehe derweil aus Sicht der Stadtverwaltung kein Zweifel. Garagennutzer hatten angeprangert, ihnen sei die Urkunde zum Zeitpunkt des Notarvertrags weder übergeben noch deren Inhalt zur Kenntnis gegeben worden.
Ein möglicher Verkauf der Parkgarage an die Dauernutzer zu einem symbolischen Preis, damit diese über Sanierung oder Rückbau entscheiden können, war gescheitert. Ein (Teil-)Abbruch der Garage schied aufgrund hoher Materialentsorgungskosten aus.
Vorwurf: Stadt kam Pflichten nicht nach
Bei der Abstimmung der Dauernutzer, ob sie eine Sanierung in zwei Bauabschnitten oder die „Total-OP“ in einem Schritt favorisieren, hatte sich fast die Hälfte nicht zurückgemeldet. Zwölf hatten für die „Total-OP“ gestimmt.
Ein Garagenplatznutzer äußert sich zur mauen Beteiligung der Nutzer an der Abstimmung wie folgt: „Grund hierfür war doch für einen Großteil dieser Nutzer, dass sich die Stadt bislang geweigert hat, ihre Mitschuld an dem Zustand dieses maroden Garagenareals anzuerkennen. Denn damit müsste sie sich wegen der Vernachlässigung ihrer Verkehrssicherungspflicht an den Finanzierungskosten beteiligen.“
Der Nutzer ist der festen Überzeugung: „Der aktuelle Zustand dieses Garagenareals wäre niemals so katastrophal und die Sanierungskosten so hoch, wenn die Stadt als Eigentümerin ihren oben beschriebenen Pflichten regelmäßig nachgekommen wäre.“
Bleibt es bei der Kostenberechnung?
Der Gemeinderat hatte daraufhin im Juni einstimmig für die Generalsanierung gestimmt. Nicht lange danach wurden die Arbeiten vergeben, wie wir von Bürgermeister Winter auf Nachfrage erfahren.
„Wir gehen aktuell davon aus, dass wir insgesamt den Rahmen der Kostenberechnung halten werden“, teilt er unserer Redaktion zudem mit. Die Maßnahme soll im Februar 2025 abgeschlossen sein. Ob die Aufteilung der Kosten dann so reibungslos erfolgen wird wie die bisherige Sanierung, bleibt abzuwarten.