Das Wasserkraftwerk Rentschler wurde in den vergangenen Monaten grundlegend saniert. Foto: Fritsch

Mit großer Mehrheit und ohne Diskussion hat der Nagolder Gemeinderat erhebliche Mehraufwendungen für das Wasserkraftwerk (WKW) Rentschler freigegeben. Knapp 302 000 Euro zusätzlich sind hier fällig.

Nagold - Ende vergangenen Jahres, als der Schwarzwälder Bote das erste Mal über die doch deutlich größeren Schäden an der bis zu 100 Jahre alten Bausubstanz des WKW Rentschler berichtet hatte, war Peter Haselmaier vom Baudezernat im Interview noch von Kostensteigerungen in einer Größenordnung von 50.000 bis 60.000 Euro ausgegangen.

Letztlich waren es dann unterm Strich aber doch Mehrkosten in Höhe von insgesamt rund 447.000 Euro, die aus verschiedenen Gewerken aufgelaufen seien – so die aktuelle Sitzungsunterlage aus dem Gemeinderat. Allerdings reduzierten vorhandene "Restmittel und Einsparungen bei anderen Gewerken" den Nachfinanzierungsbedarf dann doch wieder auf rund 322.000 Euro.

Ursprünglicher Plan geht von 1,05 Millionen Euro an Kosten aus

Ursprünglich waren die Kostenschätzungen für die Gesamtbaumaßnahme einschließlich der Baunebenkosten von netto 1,05 Millionen Euro ausgegangen, die sich auf "die ökologischen Durchgängigkeitsmaßnahmen" – gemeint ist der Einbau einer so genannten Fischtreppe – in Höhe von 800 000 Euro und die notwendige Betonsanierung im Höhe von 250 000 Euro aufteilten. Zur Finanzierung dieser Beträge fließen planmäßig aus den umweltrechtlich geforderten Ausgleichsmaßnahmen für verschiedene Bauabschnitten im "INGpark Eisberg" rund 713 000 Euro an Zuschüssen für die ökologischen Maßnahmen an die Stadt. Diese Planungen wurden nun der tatsächlichen Kostenentwicklung angepasst und mit den Kostenfortschreibungen aktualisiert. Danach belaufen sich die Gesamtbaukosten einschließlich Nebenkosten nun auf insgesamt rund 1,39 Millionen Euro.

Die aufgelaufenen Mehrkosten müssen allerdings auf die beiden Investitionsaufträge aufgeteilt werden, so der Wortlaut der zugehörigen Sitzungsunterlage weiter. Demnach wird die "ökologische Durchgängigkeit" des Wasserkraftwerks Rentschler mit Zusatzkosten in Höhe von zusammen rund 225 000 Euro belastet, die sich aufteilen etwa für zusätzliche Ingenieurleistungen, die mit rund 60 000 Euro zu Buche schlagen, da "der Ingenieurvertrag für die Leistungs-Phasen fünf bis acht" bisher nicht abgeschlossen gewesen sei – also mutmaßlich schlicht vergessen wurde. Rund 25 000 Euro zusätzlich werden wegen "Nachträge infolge Corona-Maßnahmen, Verkehrsumleitungen und Pflasterungen in den Zuwegungen" fällig. Auch im Stahlwasserbau sind Zusatzmittel von rund 85 000 Euro notwendig für "Mehraufwendungen für neue Schleifwandbleche", sowie Sohl- und Seitendichtungen beim "Leerschuss" als auch für "Schweißarbeiten bei der Wehrklappe", ein neues Turbinenführungslager, Rechenänderungen und eine "neue Wellenschonbüchse". Letztlich müssen auch "Vorsteuerrückzahlungen in Höhe von rund 45000 Euro" aufgebracht werden, die auf Grund der neuen Eigenverbrauchsbesteuerung fällig wurden.

Mehrkosten für Betonsanierung

Für die eigentliche "Ertüchtigung" des Wasserkraftwerks Rentschler werden für Mehrkosten in der Betonsanierung rund 221.500 Euro fällig, die sich wie folgt aufteilen: Auch hier fallen zusätzliche Ingenieurleistungen von rund 42.500 Euro an, da auch hier "der Ingenieurvertrag für die Leistungs-Phasen fünf bis acht nicht abgeschlossen war". Für die eigentlichen Bauarbeiten zur Betonsanierung sind rund 146.000 Euro mehr fällig, weil im Zuge der Arbeiten festgestellt worden sei, dass die Betonsubstanz sämtlicher Bauteile deutlich "schlechter als gedacht" war, so dass "das Sanierungsverfahren auf einen Vollabtrag mit Erneuerung" (also Abriss und Neubau statt Sanierung) habe umgestellt werden müssen. Und auch hier wurden "Mehraufwendungen für Vorsteuerrückzahlungen in Höhe von rund 33.000 Euro" fällig, ebenfalls auf Grund der neuen Eigenverbrauchsbesteuerung.

Die nun noch in der Endabrechnung fehlenden Gelder in Höhe von 302.000 Euro sollen, so die Erläuterungen in der Sitzungsunterlage (anders als in der Sitzungsvorlage angekündigt blieb in der Gemeinderatssitzung eine ausführliche mündliche Erläuterung der Mehrausgaben aus), "überplanmäßig im Vorgriff aus das Haushaltsjahr 2022" bereitgestellt werden – wieder aufgeteilt in die Haushaltsposten für die "ökologische Durchgängigkeit WKW Rentschler" in Höhe von rund 100.500 Euro und für die "Ertüchtigung WKW Rentschler – Betonsanierung" in Höhe von rund 201.500 Euro.

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