Bürgermeister Christoph Enderle und Gerhard Keck vom Bauamt schauen sich die Fortschritte bei der Renovierung des Kinzighauses in Loßburg an. Foto: Christiane Frey

Von einer nicht vorhandenen Sockelabdichtung, faulendem Holz und maroder Dämmung berichtete Architekt Steffen Peter in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Loßburg. Das alles soll bald der Vergangenheit angehören. Das Kinzighaus wird komplett saniert.

Das Kinzighaus, die gute Stube von Loßburg, ist derzeit eine einzige Baustelle. An drei Seiten stehen Gerüste, lediglich der Eingang ist noch offen, da derzeit noch viele Veranstaltungen dort stattfinden.

 

Als die Verwaltung im vergangenen Jahr ankündigte, dass eine weitgehende Sanierung des Kinzighauses ansteht, gab es in der Bevölkerung Diskussionen. Das Kinzighaus sei doch gerade einmal 30 Jahre alt, hieß es, da müsse man doch nicht in großem Stil renovieren, da gebe es doch womöglich noch wichtigeren Investitionsbedarf. Nun zeigt sich, dass die Verwaltung sehr vorausschauend agiert hatte.

Das Gremium beschloss einstimmig, die Arbeiten für die neue Photovoltaikanlage auf dem Dach des Kinzighauses an den billigsten Anbieter, die Firma Eisele aus Glatten, zu vergeben. Die Kosten belaufen sich nach der Schätzung auf rund 90 000 Euro. Gemeinderat Marco Niggel (FWV) wechselte wegen Befangenheit während der Abstimmung in die Zuschauerreihen.

Die Vergabe der Photovoltaikanlage in der jüngsten Sitzung nutzte Architekt Steffen Peter, um einen kurzen Sachstandsbericht abzugeben. „Wir liegen gut in der Zeit und bewegen uns auch noch vollkommen im Kostenrahmen“, sagte Peter. Was er allerdings vorgefunden habe, beschrieb er so: „Viele Bausünden wurden da beim Bau begangen.“

Große Lücken im Fachwerk gefunden

Er hätte keinerlei Sockelabdichtung gefunden, von unten faule das Holz nach oben. Im Fachwerk hatte er so große Lücken gefunden, dass er bequem durchlaufen konnte – und Steffen Peter ist kein kleiner Mann. Die Dämmung war, wenn überhaupt vorhanden, marode und musste ausgetauscht werden.

Nun seien alleine unter dem Dach 14 Zentimeter Dämmschicht eingebaut worden, 50 Prozent mehr als vorher. Es sei jetzt schon deutlich wärmer im Gebäude. Dazu kommen noch 43 Prozent mehr Dämmung an den Außenwänden. Denn das hatte vor allem die dort ansässige Tourist-Information immer wieder bemängelt: Im Sommer sei es im Kinzighaus sehr heiß, im Winter bitterkalt.

Nur der Eingangsbereich des Kinzighauses ist noch nicht eingerüstet, da derzeit noch viele Veranstaltungen stattfinden Foto: Christiane Frey

Steffen Peter erklärte auch die Photovoltaikanlage, die mit einer Leistung von 29,5 Kilowatt-Peak (KWp) und einem Speicher mit einer Leistung von rund 56 Kilowattstunden (kWh) auf das Dach soll. Der große Speicher werde dringend benötigt, da der erzeugte Strom komplett wieder im Gebäude verbraucht werden muss.

Die Zuschüsse in Höhe von 50 Prozent werden nur gewährt, wenn kein Strom in das Netz eingespeist wird. Peter plant deshalb, zwei große Kühlanlagen einzubauen, die zugleich als Luft- und als Wärmepumpen verwendet werden können. Mit dieser Photovoltaikleistung auf dem Dach und dem Speicher könne das Kinzighaus viele Stunden lang gekühlt oder viele Stunden lang beheizt werden.

Steffen Peter: „Es war höchste Zeit!“

Werner Faulhaber (FWV) hatte kurz nachgerechnet: „Mit der Dämmung, die wir jetzt haben, wird die Amortisationszeit kürzer, die Rechnung wird besser.“ Bürgermeister Christoph Enderle sieht sich in seiner Einschätzung bestätigt: „Es hat sich gezeigt, dass es richtig war, jetzt anzufangen. Mit dem Zuschuss von 70 Prozent wird der Umbau auch deutlich billiger als ein Neubau.“

Peter sieht das auch so: „Es war höchste Zeit! Das Erscheinungsbild des Kinzighauses wird sich positiv verändern. Auch erreichen wir einen wesentlich besseren Schallschutz. Jetzt hört man innen noch, wenn draußen ein Lkw vorbeifährt, das wird später nicht mehr so sein.“