Die Sanierung der Aussegnungshalle in Bieselsberg ist ein Dauerbrenner. Erneut gab es Streit im Gemeinderat. Und wie geht es weiter?
Im vergangenen Jahr entschied sich der Schömberger Gemeinderat bei der Bieselsberger Aussegnungshalle mehrheitlich für eine abgespeckte Version. So beschloss das Gremium für die Sanierung 80 000 Euro zur Verfügung zu stellen.
Außerdem erklärte sich der Schömberger Mäzen Wolfgang Obert bereit, 20 000 Euro für das Vorhaben zur Verfügung zu stellen – aber eben nur für eine abgespeckte Version und nicht für ein Multifunktionsgebäude.
Obert argumentierte, dass es schon genügend Räumlichkeiten für Veranstaltungen gebe. Für eine abgespeckte Version stünden damit 100 000 Euro zur Verfügung.
So sieht der Vorschlag der Verwaltung aus In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates erläuterte Schömbergs Bauamtsleiter Martin Dittler, wie eine solche abgespeckte Version aussehen könnte. So holte die Verwaltung von örtlichen Handwerksbetrieben Richtpreisangebote für die Erweiterung der Aussegnungshalle ein.
Analog zu den Aussegnungshallen in Schwarzenberg und Oberlengenhardt soll es eine Erweiterung durch eine Holzkonstruktion in der ursprünglich gewünschten Flächengröße geben, ist dazu in der Sitzungsvorlage zu lesen. Zum Wind- und Wetterschutz könnte die Holzkonstruktion durch eine Verglasung geschlossen werden.
Die Holzbau-, Dachdecker- und Blechnerarbeiten kämen demnach auf rund 73 000 Euro, die Verglasungen noch einmal auf rund 18 000 Euro. Hinzu kämen aber noch Kosten für Fundamente, Schotter, Betonplatten und Installationsarbeiten.
Fertigteil-WC geplant
Bezüglich eines WCs schlug die Verwaltung als wirtschaftlichste Lösung ein behindertengerechtes Fertigteil-WC vor. Ein solches Toilettengebäude würde rund 6500 Euro kosten. Hinzu kämen auch hier noch Kosten für Fundamente, Schotter, Betonplatten und Installationsarbeiten.
Damit entfielen kostspielige Tiefbauarbeiten für das Verlegen von Leitungen. Zudem stehe weiterer Platz in der Aussegnungshalle zur Verfügung.
Diese Lösung sei im Hinblick auf die zur Verfügung stehenden Mittel in Höhe von 100 000 Euro möglich, meinte Dittler: „Es geht.“
Das sagen die Kritiker der abgespeckten Version Gemeinderat Michael Nothacker UWV), gleichzeitig Ortsvorsteher von Bieselsberg, lehnte den Vorschlag ab. Zuvor hatte schon der Bieselsberger Ortschaftsrat die Planungen der Verwaltung verworfen. Nothacker mahnte, eine vollständige, transparente Kostenaufstellung über alle anfallenden Gewerke/Arbeiten inklusive der Kosten für die Sanierungen und Reparaturen des bestehenden Gebäudes vorzulegen. Richtpreisangebote bildeten nicht annähernd die tatsächlichen Kosten gab, gab er zu bedenken. Hinsichtlich Fundamente, Installationsarbeiten und Bodenplatte entstünden zusätzliche Kosten.
Fehlende Transparenz vorgeworfen
Außerdem monierte Nothacker, dass einiges an der vorgelegten Planung unklar sei. Es fehle die komplette Sanierung des bestehenden Gebäudes. Hier gebe es zusätzliche Kosten.
Zudem sei für die vorgelegte Planung ebenfalls eine Genehmigung erforderlich, so Nothacker. Auch das koste etwas.
Weitere Kosten befürchtet
Das Toilettengebäude brauche neben Abwasser und Wasser auch Strom, fügte der Bieselsberger Ortsvorsteher hinzu. Ein solcher Anschluss sei nicht einfach, da die Stromversorgung auf der anderen Straßenseite verlaufe. Hier fielen weitere Kosten an.
Es sei fraglich, wie weit es für ältere Bürger eventuell mit Rollator zumutbar sei, während einer Trauerfeier rund 100 Meter zum Toilettengebäude zu gehen, gab Nothacker zu bedenken. Sein Fazit: Die vorgelegte Planung sei unvollständig und entspreche einer Notlösung. Es entstünden erheblich höhere Kosten als im Haushalt eingeplant. Diese Kosten seien weitaus höher als die 125 000 Euro, die für 2024 und 2025 vom Dorfverein „Bieselsberg packt’s an“ im Haushalt beantragt worden seien, klagte Nothacker. Dabei wäre die komplette Sanierung des Bestandes bereits enthalten gewesen.
Kompromiss vorgeschlagen
Der Zuschuss in Höhe von knapp 115 000 Euro sei nun weg, die Spendengelder in Höhe von 50 000 Euro sowie die Eigenleistung in Höhe von 75 000 Euro ebenfalls.
Nothacker stellte den Antrag, den Tagesordnungspunkt zu vertagen. Mit einem neuen Bürgermeister solle eine neue Planung beschlossen werden, mit der alle Beteiligten zufrieden seien.
Zuerst Kanalanschluss herstellen?
Als Kompromiss schlug Nothacker vor, in einem ersten Schritt den nötigen Kanalanschluss zur bestehenden Leichenhalle herzustellen und das Behinderten-WC wie geplant im Gebäude einzubauen. Dafür sei nur ein Teil der im Haushalt zur Verfügung stehenden Mittel nötig. In einem zweiten Schritt solle ein transparentes Kostenangebot erstellt werden.
Schützenhilfe bekam Nothacker von seinen Fraktionskollegen Annegret Schönhardt und Steffen Linder, die in die gleiche Richtung argumentierten.
Das sagen die Befürworter der abgespeckten Version Gemeinderat Jörg Krax (MUZ) war dagegen, das Thema noch weiter herauszuschieben und immer wieder aufzurollen. Die Bieselsberger sollen nicht im Regen stehen gelassen werden. Sein Fraktionskollege Tino Bayer argumentierte ähnlich. Die Menschen in Bieselsberg erwarteten, dass es endlich losgehe: „Wir wollen doch auch, dass es weitergeht.“ Zudem gebe es einen Sponsor. „Ein Kompromiss wird nie so sein, dass alle zufrieden sind“, so Bayer.
„Wir brauchen kein Wohnhaus“
Andreas Karcher (MUZ) glaubt nicht, dass eine Holzkonstruktion teurer sein soll als ein Gebäude mit Wohnheimcharakter: „Wir brauchen kein Wohnhaus.“ Auch CDU-Fraktionschef Friedbert Stahl verteidigte die von der Verwaltung vorgelegte Planung. Sie entspreche den Maßen im Grundriss des Baukörpers der ursprünglichen Planung. Die Bauform passe sich architektonisch gelungen dem Bestandsgebäude an.
Die Holzkonstruktion mit Pfosten-Riegel-Glasfassade sei eine hochwertige Ausführung, die für Versammlungsstätten geeignet sei: „Eine billige Notlösung kann ich nicht erkennen.“
Vollstes Vertrauen zu örtlichen Firmen bekundet
Die Angebote stammten von renommierten örtlichen Firmen, so Stahl. Er habe vollstes Vertrauen auf realistische Angebotspreise sowie einer fachlich kompetenten und qualifizierten Umsetzung der Maßnahme.
Nach der Erteilung der Aufträge müssten selbstverständlich die detaillierten Werkpläne mit dem Bauamt und dem Ortschaftsrat besprochen und nach einer eventuellen Korrektur freigegeben werden, so Stahl.
Hinsichtlich der WC-Anlage sollte mit dem Ortschaftsrat der Standort optimiert und die Gesamtansicht aufgewertet werden.
Das sah auch Bürgermeister Matthias Leyn so. Das werde nicht die letzte Vorlage zu diesem Thema sein.
Das entscheidet die Mehrheit des Gemeinderates Letztlich sprach sich der Gemeinderat mehrheitlich gegen eine Vertagung aus. Stattdessen votierte das Gremium für die von der Verwaltung vorgeschlagene Holz-/Glaskonstruktion. Für ein Fertigteil-WC stellt der Gemeinderat zusätzlich 15 000 aus dem Budget der Gebäudeunterhaltung zur Verfügung.