Alles andere als Harmonie herrschte im Haigerlocher Gemeinderat bei der Debatte um die geplante Sanierung der Begräbnisstätte in Bad Imnau: Auch wenn das Gremium am Ende für das neue Pflaster votierte, gingen die Meinungen zuvor deutlich auseinander.
Kies oder Pflaster? So ungefähr lässt sich die Frage zusammenfassen, an der sich bei der Sitzung im Bürgerhaus die Geister schieden. Konkret ging es um die Sanierung des Hauptweges und des Vorplatzes vor der Trauerhalle: Diese bestehen derzeit aus Schotter. Laut den Erläuterungen der Verwaltung sollen diese Flächen – zusammen 400 Quadratmeter – nun mit Betonpflaster neu gestaltet werden, damit diese auch bei nassem Wetter begehbar bleiben und dort kein Gras sprießt. Dazu müsse man den Unterbau des Weges auf eine Tiefe von circa 50 Zentimeter neu aufbauen und den Vorplatz mit einer Einfassung versehen, so die Verwaltung. Nach einer Besichtigung des Friedhofs durch die Verwaltung und Ortsvorsteher Robert Wenz im April wurden die geplanten Baumaßnahmen angepasst und die ursprünglich veranschlagten Kosten von 190 000 Euro auf rund 168 000 Euro gesenkt.
Kurz nach der Vorstellung des Vorhabens kam Kritik etwa von Michael A. C. Ashcroft (CDU): Der Ortsvorsteher der Kernstadt zeigte sich unzufrieden damit, dass in seinem Ortsteil die Sanierung der Friedhofsmauer bereits seit zehn Jahren hin- und hergeschoben werde: Es entstehe der Eindruck, dass andere wichtige Projekte auf der Überholspur vorbeiziehen würden.
Kosten kommen durch Gebühren wieder rein
Bauamtsleiter Hans-Martin Schluck erwiderte daraufhin, dass die Mauer in der Kernstadt kein einfaches Thema sei: Die Mittel, die man dafür einsetzen müsste, seien enorm, da die Friedhofsmauer unter Denkmalschutz stehe. Zudem würde das auf die Mauer einwirkende Wurzelwerk eine Sanierung erschweren. Bei der geplanten Sanierung auf dem Imnauer Friedhof hingegen profitiere man durch das Betonpflaster von Rabatten. Zu einer weiteren Frage aus dem Rat, ob ein neuer Unterbau des Weges in Imnau notwendig sei, erklärte Schluck, dass man den Boden geprüft habe: Dieser sei stark durchnässt, weshalb eine tragfähige Schicht mit Frostschutz nötig sei.
Armin Bauer (CDU) wiederum verwies auf den Kassenstand und hinterfragte die Notwendigkeit der Sanierung: Es gebe genug Sachen, die man dringend brauche und es stelle sich die Frage, wann man beginne zu sparen.
Darauf erklärte Bürgermeister Heiko Lebherz, dass hier wichtig sei, dass die Sanierungsmaßnahmen auf dem Friedhof nicht nur ein reiner Wunsch, sondern gebührenfinanziert sei: „Wenn Imnau das will, werden in Imnau die Bestattungen teurer.“ Zudem komme das Geld durch die Gebühren über die Jahre wieder in die Stadtkasse rein, auch wenn man es jetzt gewissermaßen vorfinanzieren müsse.
Im Kies wachsendes Gras sorgt für Probleme
Nadine Reiband (SÖL) hinterfragte in Sachen Priorisierung, ob es so wichtig sei, bei der aktuellen Kassenlage die Sanierungsmaßnahmen auf dem Imnauer Friedhof jetzt zu machen. „Das mit der Beschotterung finde ich eine angemessene Gestaltung“ erklärte sie zudem: Der Weg werde ja auch nicht so häufig befahren, Schotter sei wahrscheinlich günstiger und man könne die Löcher stopfen. „Und dass man auf dem Friedhof andere Schuhe anziehen muss, finde ich nicht so dramatisch.“
Kritik an dieser Aussage kam daraufhin vom Bad Imnauer Ortsvorsteher Wenz: Beim Schotter sei insbesondere das wachsende Gras das Problem: Das werde ständig zu Matsch. Nachschottern bringe da nichts, das habe man bereits öfters gemacht. Sein Fazit: Man zahle in Bad Imnau genau so viel für ein Grab wie überall sonst auch, müsse aber dafür teils mit Gummistiefeln rumlaufen. Zudem sei der Friedhof bereits vor 50 Jahren erschossen worden – irgendwann müsse man eben in irgendwas investieren.
Gemeinderat Gerd Klingler (CDU) gab zu bedenken, dass der Schotter ein echtes Problem für Menschen mit Rolator sei: „Viele Ältere kommen zur Zeit mit dem Rolator und bleiben stecken“ – zumal man auch eine gewisse Steigung habe. Eine Befestigung, zumindest auf dem Weg und Vorplatz, sei deshalb sinnvoll.
Am Ende stimmte der Rat mehrheitlich für den Beschluss der Sanierung gemäß der vorgestellten Planung und die Beauftragung der Verwaltung, die Bauarbeiten öffentlich auszuschreiben.