Ein Baugerüst umgibt das gesamte Stadthaus. Bald wird mit der Sanierung des Dachs begonnen. Foto: Fritsch

Handwerker steigen demnächst dem Freudenstädter Stadthaus aufs Dach. Für dringend erforderliche Sanierungsarbeiten muss die Spitze des kleinen Türmchens abgenommen werden.

Freudenstadt - "Das komplette Dach wird ausgetauscht", erläutert Rudolf Müller, Leiter des Amts für Stadtentwicklung. Sichtbares Zeichen für die Arbeiten ist das imposante Baugerüst, das seit einigen Tagen das gesamte Gebäude umgibt. Die komplette Lattung des Dachs auf dem markanten Gebäude auf dem Marktplatz, das in der Wiederaufbauzeit der Stadt nach der Zerstörung Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden ist, sei kaputt und müsse durch stärkere Latten ersetzt werden.

Da das Stadthaus unter Denkmalschutz steht, müsse der historische Eindruck erhalten bleiben, so Müller. Die Dachsanierung werde außerdem genutzt, um über den Bereichen des Museums eine Dämmung aufzubringen.

Biberschwanzziegelwerden durch neue ersetzt

Die gesamten Biberschwanzziegel werden abgetragen und durch neue ersetzt. Die Bretterschalung unter den Ziegeln wird ebenfalls überprüft und bei Bedarf erneuert. Der Aufwand für die gesamte Dachsanierung sei groß, weiß Rudolf Müller. Schon allein die Eindeckung des Dachs mit neuen Biberschwanzziegeln aus Ton sei ein gewisser Aufwand. Doch der Denkmalschutz, mit dem die Sanierungsarbeiten abgestimmt worden seien, lasse keine andere Lösung zu.

Die Kosten der Dachsanierung belaufen sich auf etwa 330 000 Euro. Hinzu kommen die Gerüstkosten. Erledigt werden die Arbeiten von einer Arbeitsgemeinschaft aus Dachdecker- und Zimmermannsbetrieb. Rudolf Müller ist froh, dass die Ausschreibung der Dachsanierung noch vor dem "Chaos" bei den Holzpreisen erfolgt ist. Er geht davon aus, dass der Kostenrahmen deshalb eingehalten werden kann. Für die Bauarbeiten ist ein Zeitraum von sechs Wochen geplant. Die Spitze des kleinen Türmchens auf dem Stadthaus muss abgehoben werden, damit der Baukran über das gesamte Dach schwenken kann. "Nach der Sanierung wird es natürlich wieder aufgesetzt", erklärt Müller.

Städtebaulich wichtiger als Rathaus

Der Leiter des Amts für Stadtentwicklung hält das Stadthaus, ein Gebäude des Wiederaufbau-Architekten Ludwig Schweizer, städtebaulich für wichtiger als das Rathaus. Das Stadthaus stehe an einem Punkt, wo es von allen Seiten sichtbar ist. Beim Wiederaufbau der zerstörten Stadt sei es bereits ein außergewöhnliches Projekt für die Öffentlichkeit gewesen. "Das war eine große Leistung der Altvorderen", sagt Rudolf Müller anerkennend. Das Stadthaus wird mit dem Café, der Stadtbücherei, dem Museum und dem Schweizer-Saal immer noch für öffentliche Zwecke genutzt, für die es einst bestimmt war.

Auch die Heizung des Gebäudes ist dringend sanierungsbedürftig. Dazu ist eine neue gemeinsame Lösung für Stadthaus und Rathaus mit einem Wärmeverbund in den Jahren 2022 und 2023 geplant. Deshalb sei jetzt auch die Dämmung des Dachs über den im oberen Stockwerk genutzten Räumen wichtig, erklärt Rudolf Müller.