Die Entscheidung über die Sanierung des Theaters ist überfällig, das wissen Stadt und Land. Der Gemeinderat soll nun Klarheit schaffen.
Stuttgart - Die Debatte um die Sanierung des Stuttgarter Opernhauses hat längst selbst das Ausmaß einer Oper angenommen. Seit mehr als 20 Jahren wissen das Land Baden-Württemberg und die Landeshauptstadt Stuttgart, dass das Große Haus am Eckensee erneuert werden muss. Technik, Leitungen, Arbeits- und Brandschutz, Gebäudesubstanz – vor allem auf und hinter der Bühne läuft kaum noch etwas nach eigentlich geltendem Recht. Musiktheater und Ballett spielen vielfach auf Grundlage von Sondergenehmigungen.
Besonders Alt-OB Fritz Kuhn (Grüne) schob das Thema lange Zeit vor sich her. Erst am 6. November 2019 präsentierte er gemeinsam mit der Kunstministerin des Landes, Theresia Bauer (Grüne), ein „Umsetzungskonzept für Sanierung und Erweiterung der Stuttgarter Oper und Interimsspielstätte“ vor. Es sieht eine Sicherung des Großen Baus vor sowie einen Aus- und Neubau jener Gebäude, die notwendig sind, um Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten nach geltendem Recht zu schaffen. Für die vermutlich mindestens siebenjährige Bauzeit sollen Oper und Ballett eine Ausweichspielstätte in der Nähe der Wagenhallen bekommen, die hinterher zu Werkstätten und Wohnungen umgebaut werden kann.
Es gibt Bedenken wegen der hohen Kosten
Aufsehen erregte das Konzept weniger durch diese Inhalte, sondern durch den kalkulierten Preis: Stadt und Land prognostizierten Gesamtkosten der Sanierung von 740 bis 960 Millionen Euro, aufzubringen je hälftig von Landtag und Gemeinderat – je nachdem, wie sich im Lauf der langen Bauzeit die Preise entwickeln würden. Mit Angabe eines solchen Kostensaumes wollten die Politiker ausschließen, dass wie so oft bei öffentlichen Projekten auf Grundlage scheinbar niedriger Kosten politisch entschieden wird und hinterher immer neue Nachforderungen kommen, die bei den Bürgern den Eindruck von Fehlplanung und Misswirtschaft erzeugen.
Ende 2019 war eine politische Mehrheit im Stuttgarter Gemeinderat für dieses Sanierungskonzept keineswegs ins Sicht; fast alle Fraktionen meldeten angesichts der Kosten Bedenken an. Das Land organisierte daraufhin eine Bürgerbeteiligung, in der knapp 50 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger sehr gründlich über Für und Wider des Sanierungskonzeptes informiert und um ihre Einschätzung gebeten wurden.
Die Corona-Pandemie verzögerte dieses Bürgerforum um Monate; Ende 2020 kam es zustande – und das Ergebnis nach intensiver Beratung war überraschend eindeutig: das vorliegende Sanierungskonzept wurde fast einstimmig als überzeugend bewertet. Nun steht das Thema auch auf der Tagesordnung des Stuttgarter Gemeinderates. Der neue Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) strebt einen Beschluss noch vor den Sommerferien an; die weiteren Vorbereitungen und Planungen könnten dann in Gang kommen. Frühestmöglicher Sanierungsbeginn am Großen Haus nach aktuellem Stand: Sommer 2027.