Einladend sieht anders aus, aber: Der Eingang der Kirchgrabenschule bleibt vorerst, wo er ist. Foto: Kistner

Die Ebinger Kirchgrabenschule sollte im Zuge der laufenden Sanierung wieder seinen früheren Eingang, der vor 14 Jahren ins Souterrain verlegt worden war, zurückerhalten. Daraus wird nichts – Albstadts Gemeinderat rudert aus Kostengründen zurück.

Mit fast acht Millionen Euro werden die Kosten der Deckensanierung in der Kirchgrabenschule veranschlagt – bei einer solchen Summe lag es für die finanziell gebeutelte Stadtverwaltung nah, das Bauprogramm noch einmal genau daraufhin zu überprüfen, ob es nicht irgendwelche nette, aber nicht unbedingt lebensnotwendige „Aufhübschungen“ und „Nice-to-haves“ enthalte, an denen man Geld einsparen könnte – bekanntlich ist die Gefahr, dass das Regierungspräsidium den kommenden Haushalt 2024 als nicht genehmigungsfähig zurückweisen könnte, so real wie selten zuvor.

 

Aus diesem Grund hat am 19. Oktober noch einmal ein Ortstermin mit Architekten, Fachingenieuren, Verwaltungsleuten und Schulleitung stattgefunden, bei dem geprüft wurde, ob nicht doch etwas entbehrlich ist.

Weit und breit kein „Nice to have“ in Sicht

Das Ergebnis war ernüchternd. Was derzeit geplant wird, das wird auch gebraucht; weit und breit kein „Nice to have“ in Sicht. Die Sanierung geht bei laufendem Betrieb über die Bühne, weil eine Ausquartierung der Schüler nach dem Vorbild der Sanierung des Tailfinger Schulzentrums Lammerberg zusätzliche Kosten verursacht hätte. Pläne für eine gemeinsame Mensa von Schlossberg-, Hohenberg- und Kirchgrabenschule im früheren Kreismedienzentrum im Hallenbad wurden ebenfalls als zu teuer verworfen; die Gemeinschaftsmensa kommt, aber sie wird sich in der Kirchgrabenschule befinden. Damit sind alle Sparoptionen ausgereizt.

Mit einer Ausnahme: Als der Gemeinderat Ende März grünes Licht für die Schulsanierung gegeben hatte, da war eine Maßnahme durchgewinkt worden, die zumindest CDU und WSA als „wünschenswert, aber nicht notwendig“ einstuften: die Rückverlegung des Eingangs aus dem Keller- ins Erdgeschoss. Dass das „Mauseloch“ – so der damalige Oberbürgermeister Klaus Konzelmann – nicht attraktiv ist, darüber war man sich einig, nicht jedoch darüber, ob seine Beseitigung die zusätzliche Ausgabe von 220 000 Euro rechtfertigte. Am Ende war die Mehrheit dafür, sich die durch die Sanierung eröffnete Chance auf eine optische Aufwertung des Gebäudes nicht entgehen zu lassen.

Acht Monate und zwei Haushaltsklausuren später heißt es „Kommando zurück!“ Am vergangenen Donnerstag hat der Gemeinderat nach hitziger Debatte beschlossen, den Eingang dort zu belassen, wo er ist. Die Wortführer der Verlegung, allen voran Jürgen Kiefer von den Grünen, hatten vor allem die psychologische Wirkung der Umbaumaßnahme geltend gemacht: Ein weiter, heller Eingang signalisiere Offenheit und Wertschätzung; der derzeitige Zustand hingegen sei geeignet, Verlassensängste in den Grundschülern hervorzurufen, wenn sie morgens am Fuß der Treppe stünden. So dürfe ein Schultag nicht beginnen.

Die Kirchgrabenschule im Ebinger Stadtzentrum Foto: Martin Kistner

Die Abstimmung hätte nichtknapper ausgehen können

Das sahen die Skeptiker anders: Ob ein Schüler sich wertgeschätzt fühle oder nicht, das hänge wohl nicht allein von ihrem Eingangsportal ab, erklärte CDU-Fraktionssprecher Matthias Strähler, sondern vom Unterrichtsklima und der Einsatzbereitschaft der Lehrkräfte – woran es im Falle der Kirchgrabenschule doch gewiss nicht mangele. Dass die Entscheidung über den Eingang als Nagelprobe darauf verstanden werden könne, wie ernst es den Volksvertretern mit ihren Bekenntnissen zu Bildung als wichtigster Ressource des Landes sei, das bestritten die Skeptiker vehement. Diesen Schuh müsse sich keiner anziehen, der acht Millionen in eine Schulsanierung investiere – oder, wie in Tailfingen, noch wesentlich mehr.

Wie eng es zuging, zeigte am Ende das Abstimmungsergebnis: Der Antrag von Freien Wählern und Grünen, an der Verlegung des Eingangs festzuhalten, wurde mit der Mehrheit von nur einer Stimme abgelehnt. 14 votierten dafür, 15 dagegen.