Die Sana-Kliniken in Bad Wildbad müssen einen neuen Ärztlichen Direktor und Chefarzt suchen. (Archiv-Foto) Foto: Mutschler

Bereits 2015 wechselte der bundesweit bekannte Gelenkchirurg Stefan Sell von den Sana-Kliniken in Bad Wildbad nach Neuenbürg. Nun folgt der nächste Paukenschlag: Auch Marc-Alexander Heder, Ärztlicher Direktor und Chefarzt, verlässt die Klinik in Wildbad und wechselt ebenfalls an das RKH-Krankenhaus in Neuenbürg. Ihm folgen zudem zwei Oberärzte enzabwärts.

Bad Wildbad/Neuenbürg - Marc-Alexander Herder, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Sana-Kliniken in Bad Wildbad, wechselt zum kommenden Jahr nach Neuenbürg. Damit folgt er dem bundesweit bekannten Gelenkchirurgen Stefan Sell, der 2015 ebenfalls von Bad Wildbad ans RKH-Krankenhaus nach Neuenbürg wechselte – und den Heder damals bei den Sana-Kliniken beerbte. Mit Heder wechseln zudem auch zwei seiner Oberärzte 16 Kilometer enzabwärts in die ehemalige Oberamtsstadt: Heike Ketterer und Stefan Buchholz gehen ebenfalls ans RKH-Krankenhaus. Einen ähnlichen Fall gab es vor wenigen Jahren auch umgekehrt: 2018 wechselten die Ärzte Akif Hatipoglu und Bodo Krüger von Neuenbürg an das damals neu aufgebaute Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) der Wildbader Klinik.

Nun seien Wechsel von Ärzten zwischen Kliniken in der Region wegen der Weiterbildung zum Facharzt oder aus Gründen der Karriere ein übliches Phänomen, teilt Alexander Tsongas, Abteilungsleiter Unternehmenskommunikation und Marketing der Regionale Kliniken Holding RKH GmbH auf Nachfrage mit.

"Liegen allerdings zwei Kliniken gleicher Größe mit fast identischem Leistungsspektrum in ländlicher Umgebung in unmittelbarer Nähe zueinander, so erwecken solche Wechsel von leitenden Ärzten großes Aufsehen", weiß aber auch Tsongas.

Positive Entwicklung statt Stillstand

Deshalb zählt er die Stärken des RKH-Krankenhauses auf, das sich "statt eines Stillstands durch eine positive Entwicklung in den letzten Jahren" auszeichne. Dazu zähle, so Tsongas weiter, "der Ausbau des Gelenkzentrums, die Etablierung der Rheumatologie und der Schmerztherapie, die Inbetriebnahme der Wahlleistungsstation und der Kältekammer. Durch die nun bekannt gewordene, geplante bauliche und medizinische Weiterentwicklung zum Gesundheitscampus zeichnen sich gute Zukunftsperspektiven ab." Zudem habe die Neuenbürger Klinik in der Bevölkerung "allmählich einen guten Ruf erlangt". Dies alles trage "natürlich dazu bei, dass die Klinik für neues Personal attraktiv wird". Und er fügt an: "Dr. Heder und die beiden Ärzte, die ihm nach Neuenbürg folgen, wurden nicht aktiv abgeworben. Die RKH-Enzkreis-Kliniken sind aber durchaus für Gespräche mit Interessenten aufgeschlossen."

In der Verpflichtung des Orthopäden Heder als neuen Chefarzt sieht die Holding eine "Möglichkeit zur Entwicklung des Standortes Neuenbürg zu einer Fachklinik mit Schwerpunkten in den Bereichen Orthopädie und Rheumatologie mit angegliederter internistischer und chirurgischer Grundversorgung". Verbunden ist dies mit der Hoffnung auf mehr stationäre Patienten, hieß es bei einer Pressekonferenz zur Entwicklung des Klinikverbunds, zu dem auch das Neuenbürger Krankenhaus gehört, am Montag.

Nach Stefan Sell geht ein weiterer Spezialist

Nach dem Wechsel von Sell, mittlerweile Ärztlicher Direktor des Gelenkzentrums Schwarzwald, vor einigen Jahren von den Sana-Kliniken Bad Wildbad an das RKH-Krankenhaus Neuenbürg, konnten die RKH-Enzkreis-Kliniken mit Heder nun laut Mitteilung "einen weiteren herausragenden Spezialisten aus Bad Wildbad gewinnen". Heder gilt als renommierter und hoch spezialisierter Orthopäde, der das gesamte Spektrum der Schulter- und Ellenbogenchirurgie anbietet. In seiner Funktion als Sportmediziner behandelt und berät Heder Patienten sowohl aus dem Breiten- als auch Leistungssport. "Wir freuen uns sehr, mit Herrn Dr. Heder einen ausgewiesenen Spezialisten im Bereich der Schulter-und Ellenbogenchirurgie für unser Team zu gewinnen und damit einen neuen Baustein im Leistungsspektrum des Gelenkzentrums Schwarzwald anbieten zu können. Darüber hinaus freuen wir uns außerordentlich, dass unser Konzept am RKH-Krankenhaus Neuenbürg aktives Interesse bei Dr. Heder geweckt und ihn dazu bewogen hat, uns in Zukunft zu unterstützen", sagt Felix Mayer, Regionaldirektor der Enzkreis-Kliniken.

Durch den Aufsichtsrat der Enzkreis-Kliniken wurde Heder nun neben Sell zum Ärztlichen Direktor des Zentrums für operative Medizin im RKH-Krankenhaus Neuenbürg bestellt und wird sein neues Amt in Neuenbürg zum Jahreswechsel antreten.

Und was sagt man in Bad Wildbad zum Wechsel? Dort reagiert man relativ kurz angebunden auf die Anfrage unserer Zeitung: "Herr Dr. Heder, Herr Dr. Buchholz und Frau Dr. Ketterer möchten sich beruflich nochmals weiterentwickeln und die Sana-Kliniken Bad Wildbad bis spätestens Ende des Jahres verlassen", schreibt Jessica Kempf, Assistentin der Geschäftsführung und Referentin Unternehmenskommunikation bei den Sana-Kliniken in Bad Wildbad. "Für uns gilt es nun, diese Situation anzunehmen und nach vorne zu blicken", so Kempf weiter. Man arbeite derzeit an verschiedenen Optionen, um dieser neuen Situation "bestmöglich, im Sinne der Klinik und der Mitarbeiter, begegnen zu können" und will zu gegebener Zeit in Bezug auf die weiteren Entwicklungen informieren, so die Klinik-Sprecherin weiter.

So sorgt das Bad Wildbader Krankenhaus nicht das erste Mal in diesem Jahr für Schlagzeilen. Wie berichtet, steht auch die Kündigung von 15 Mitarbeitern einer Sana-Tochtergesellschaft an den Bad Wildbader Häusern Quellenhof und Sana-Kliniken im Raum. Deutschlandweit sollen mehr als 1000 Mitarbeiter bei der Sana DGS pro.service GmbH ihren Arbeitsplatz verlieren.

Dieses Vorhaben sei eine reine Konzernentscheidung, sagt Karl Agarius, der Betriebsratsvorsitzende im Rehazentrum Quellenhof. Die finanzielle Situation der Sana Kliniken wäre da nicht ausschlaggebend. Zwar sei die wirtschaftliche Situation der Sana-Kliniken in Bad Wildbad – nicht des Rehazentrums Quellenhof – schwierig, so Agarius weiter. Aber es gebe viele Häuser, die gut laufen im Konzern: "Das hat mit dieser Situation nichts zu tun."

Die Nachfrage bei der Klinikleitung nach der wirtschaftlichen Situation der Sana-Kliniken und was der Weggang der drei Ärzte für den Standort Bad Wildbad bedeutet, blieben unbeantwortet.

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