Samuel Speitelsbach tritt in Eschbronn zur Wahl an. Foto: Lahrer Zeitung/Stangenberg

Merkwürdige Thesen im Programm. Bereits über 20 mal beworben. Vorstellung ähnelt "Comedy-Programm".

Ein weiterer Kandidat will Bürgermeister von Eschbronn werden: Samuel Speitelsbach. Es ist einer seiner zahlreichen Versuche, den Chefsessel in irgendeinem Rathaus zu erklimmen. Mit welchen dubiosen Geschichten er diesmal versucht, die Wähler zu überzeugen, lesen Sie im (SB+)Artikel.

 

Eschbronn - Ein besonders schillernder Kandidat bewirbt sich seit einigen Tagen um das Amt des Bürgermeisters von Eschbronn. Und Samuel Speitelsbach ist kein Unbekannter.

Er bewirbt sich gern und oft als Bürgermeisterkandidat. Angetreten ist er bisher in Weinsberg, Starzach, Untermünkheim, Schuttertal, Neckarbischofsheim, Kraichtal, Gutach, Bad Herrenalb, Herrischried, Calw und Baiersbronn. Wobei diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit stellt. Bürgermeister geworden ist er übrigens nie. Wobei er bei der Bürgermeisterwahl in Calw selbst im zweiten Wahlgang noch zwischen 20 und 30 Stimmen erhielt. Der Diplom-Ingenieur arbeitet im Technologiemanagement an der Universität Augsburg, und er ist in Ravenstein-Hüngheim im Neckar-Odenwald-Kreis zu Hause. Sein Alter will er nicht preisgeben.

Der Schwarzwälder Bote und die Lahrer Zeitung hatten mehrfach über Samuel Speitelsbach und seine Auftritte berichtet.

Auftritt war "eine Zumutung"

Bei der Kandidatenvorstellung in Calw im vergangenen Jahr hatte er die rund 600 Zuhörer mit einem "Heil Christi" (er bezeichnet sich gern als "König von Christi Gnaden") begrüßt, dann seine Rede nach ein paar Sätzen unterbrochen und mit dem Hut in der Hand Almosen für seinen Vater, Kaiser Wilhelm III., erbeten. Derweil tauchte im Saal ein älterer Mann mit einer Blumenvase auf. Speitelsbach wollte die Blumen einzeln für 100 Euro verkaufen. Zudem forderte er alle AfD-Mitglieder auf, sich zu erkennen zu geben. Speitelsbach bezeichnet sich selbst als ehemaliges AfD-Mitglied.

Die Zuhörer empfanden seinen Auftritt schließlich als Zumutung, sie wollten "keine Comedy". Speitelsbach brach seinen Auftritt ab und verließ wenig später den Saal.

Bei einem Auftritt im Calwer Stadtteil Stammheim hingegen versprach er die Trennung des Ortsteils von der Stadt. Gutach will er dagegen "auf andere Kontinente" ausweiten.

Algenplantage, weiße Mäuse und Wölfe

Sein Wahlprogramm, mit dem er in Haslach antrat, gibt einen Einblick in die Welt des Samuel Speitelsbach. So versprach er ein 10 000 Euro Taufgeschenk für jedes Kind, kündigte eine städtische Heiratsvermittlung an, wollte Grunderzeugnisse wie Milch, Getreide und Trauben ausschließlich durch die Stadt an- und verkaufen lassen und wollte unter anderem Algenplantagen und Schweinezucht ermöglichen.

Doch er hat noch Größeres vor: So kündigte er in Haslach in seinem Wahlprogramm an, einen Wolfspakt mit "Rom" zu schließen, indem Wölfe in den Kirchen aufgezogen werden. Ansonsten fällt ihm zur Kirche nur "Steuergelder verschwenden und Bullshit reden" ein.

Immerhin will er ein Kirchenkonzil nach Warschau einberufen. Speitelbach plane auch, so hört man, massenweise weiße Mäuse auszusetzen, um die schädlichen grauen Nager zu verdrängen. Der Sinn dahinter und Speitelbachs Ziel der zahlreichen Bewerbungen bleiben allerdings wenig nachvollziehbar.

Immerhin fehlt Speitelsbach durch den Ausfall einer Kandidatenvorstellung in Eschbronn die große Bühne, auf der er seine Thesen vertreten könnte. Bleibt nur noch die Frage, wie viele Eschbronner diesem Kandidaten ihre Stimme geben werden.