Das Malion Quartett gab in Königsfeld eine hervorragende Visitenkarte ab. Die dargebotenen Werke waren spannend vielseitig.
Ein junges Quartett machte bei den Samstagskonzerten der Geistigen Nothilfe von sich reden und gab eine exzellente Visitenkarte mit unterschiedlichen Werken ab.
Professor Reinhard Becker begrüßte die Gäste, konnte auf das hoffnungsvolle Programm für das Jahr 2025 hinweisen und erläuterte den Namen „Malion Quartett“, der sich von Ovids Gestalt Pygmalion ableitet. Der Bildhauer schaffte eine Frauenfigur, in die er sich verliebte und die zum lebendigen Wesen wurde.
In die Musik haben sich die Violinisten Alexander Jussow und Miki Nagahara, die Bratscherin Lilya Tymchyshyn und die Cellistin Bettina Kessler verliebt. Mit technischem Geschick und musikalischem Feingefühl krönten ihre Beiträge das 100-jährige Jubiläum der Geistigen Nothilfe.
Werke herausragend interpretiert
Mozarts „Hoffmeister“-Quartett und Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ sind längst bekannt. Sie erfuhren herausragende Interpretationen. Ein „echter“ Mozart, der sich vor Haydn verneigt und mit ausgewogenem Streicherklang das Adagio zu Herzen gehend das Mozartsche Mysterium offenbarte, überzeugte. Ergreifend wurde das Schubert-Werk geboten, das die Tonsprache des Komponisten und seine Gefühlswelt traf.
Hervorzuheben sind die Besonderheiten, zu denen die „Ikone“ des Ukrainers Valentin Silvestrov gehörte. Con sordino wurden in sensitiver Feinabstimmung und beseeltem Spiel Klangschichtungen, harmonische Wendungen und Chromatik präsentiert – Malerei, umgesetzt in Musik. Stimmung entstand, die dem entrückten Zustand orthodoxer Klostermaler entsprach.
Auch Modernes präsentiert
Ein extraordinäres Werk war der „entr’acte“ für Streichquartett der amerikanischen Allrounderin Caroline Shaw, der sich an Haydns Menuett op. 77,II orientierte.
In fast 15 Minuten wurden mit verschiedenen Stricharten unterschiedliche Gefühle erzeugt, erklangen raffinierte Geräuscheffekte, überzeugte ein breites, gefestigtes Legato, überraschten kuriose Themenfetzen und gelang ein köstliches Pizzicato-Trio.
Außergewöhnlich waren die fast tonlosen Streicheleinheiten mit den Fingern der rechten Hand, die zweite Geige und Viola boten, und eine Köstlichkeit die Mandolinenklänge, die weder an Strauß, noch an Boccherini erinnerten.
Arpeggien der Bratsche führten in eine neue Klangwelt, Dissonanzen des Cellos waren neben Pfeiftönen der Violinen zu hören und ein Tanz bis in Höhe des Griffbrettendes verblüfften genauso wie die Harfenmusik des Cello-Solos mit Pizzicato morzando.
Auch die Zugabe war grandios: Mozarts fünfte Fuge (E-Dur / KV 405) aus Bachs „Wohltemperiertem Klavier“, eine von spannender Innigkeit geprägten Wiedergabe.