Weihnachtlich glitzernde Pracht in den Königsbau-Passagen. Foto: Leif Piechowski

Zwölf Milliarden Euro wollen die Einzelhändler im Land im Vorweihnachtsgeschäft umsetzen. Das vorletzte Adventswochenende brachte Kunden in der Stuttgarter City Öffnungszeiten bis 24 Uhr. Eine einheitliche Linie beim Ladenschluss ist aber nicht absehbar.

Zwölf Milliarden Euro wollen die Einzelhändler im Land im Vorweihnachtsgeschäft umsetzen. Das vorletzte Adventswochenende brachte Kunden in der Stuttgarter City Öffnungszeiten bis 24 Uhr. Eine einheitliche Linie beim Ladenschluss ist aber nicht absehbar.

Stuttgart - Weihnachten steht vor der Tür, das lässt sich nicht mehr leugnen an diesem Samstag, dem Tag vor dem dritten Advent. Zwar ist es längst noch nicht verschneit, sondern verregnet und nasskalt – aber die Stuttgarter Königstraße ist angefüllt mit Menschen, die den Weihnachtsmarkt besuchen oder die verlängerten Einkaufszeiten nutzen. Auch lange nach 20 Uhr sieht man an diesem Samstag noch Bewegung in den Läden, denn in der langen Advents-Einkaufsnacht haben manche bis 24 Uhr geöffnet.

Nicht alle jedoch – manches Geschäft schließt auch bereits um 22 Uhr, 21 Uhr oder gar 20 Uhr. Um 21 Uhr zum Beispiel ist Ladenschluss im Königsbau – Rainer Rudolph, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Königsbau, erklärt, warum: „Unsere Mitarbeiter“, sagt er, „sind gerne bereit, auch länger im Laden zu stehen – wenn Kunden kommen.“ Dass dies nicht der Fall ist, ist für ihn ein Erfahrungswert. Einmal beteiligten sich die Einzelhändler im Königsbau an einer verlängerten Einkaufsnacht, auch am Freitag blieb länger geöffnet – mit demselben Ergebnis: „Für uns“, sagt Rudolph, „spielt sich nach 20 Uhr einfach nichts mehr ab.“ Familien mit Kindern, erklärt er, treffe man um diese Zeit ohnehin nicht mehr beim Einkaufen an. „Und die anderen Leute gehen nach Hause oder auf den Weihnachtsmarkt.“

Rudolph plädiert für eine einheitliche Kernöffnungszeit von 10 bis 20 Uhr – das, sagt er, sei verlässlich, und Verlässlichkeit schulde man als Händler den Endverbrauchern: „Der Kunde kann sich die vielen unterschiedlichen Öffnungszeiten einfach nicht mehr merken.“

„Jeder Händler muss für sich selbst entscheiden“

Barbara Göller, Geschäftsführerin in der Galeria Kaufhof, berichtet von gegenteiligen Erfahrungen – weshalb der Kaufhof am Samstag auch zu jenen Geschäften gehört, die erst um Mitternacht schließen: „Wir haben sonst häufig Probleme mit dem Ladenschluss“, sagt sie, „und wir möchten natürlich, dass unsere Kunden entspannt einkaufen können.“ Mehrfach hat das Warenhaus in der Königstraße bereits positive Erfahrungen mit der Adventsverlängerung ­gemacht – so auch an diesem Wochenende.

„Jeder Händler“, sagt Sabine Hagmann dazu, Hauptgeschäftsführerin des Einzelhändlerverbands Baden-Württemberg, „muss für sich selbst entscheiden.“ Und diese Entscheidung, erklärt sie, hänge ab von vielen Faktoren: dem Standort, dem individuellen Angebot, der Zielgruppe, dem Personal. „Deshalb ist eine einheitliche Öffnungszeit nicht realisierbar.“

Während der langen Advents-Einkaufsnacht kann man in der Stuttgarter Mitte also beispielsweise bei C&A bis 22 Uhr shoppen, bei Breitling bis 20 Uhr Männermode kaufen, ebenfalls bis 20 Uhr durch die Räume von H&M schlendern, bis 21 Uhr bei s. Oliver einkaufen oder bis 22 Uhr bei Sport Scheck in der Kronenstraße vorbeischauen. „Mit unserer Öffnungszeit“, sagt Michael Gysin, Geschäftsführer der Sporthandlung, „haben wir ganz gute Erfahrungen gemacht.“ Das liege vor allem daran, dass die Aktion kompetent geplant und umgesetzt worden sei: „Die Öffnungszeiten wurden gut kommuniziert.“

Manch ein Einzelhändler freut sich unabhängig von der langen Advents-Einkaufsnacht über das vorweihnachtliche Geschäft: „Von der langen Einkaufsnacht“, sagt Thomas Leistner, Inhaber der Gewürz- und Delikatessenhandlung Violas’ nahe der Königstraße, „wusste ich gar nichts. Davon konnte ich auch in den Bekanntmachungen nichts lesen. Wir haben hier immer bis 21 Uhr ­geöffnet.“

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