59 Firmen und Institutionen werben bei der Messe „Jobklahr“ um Nachwuchs. An kreativ gestalteten Ständen können junge Leute herausfinden, welche Ausbildung zu ihnen passt.
Wer die Sporthalle im Bürgerpark betritt, läuft direkt auf den Stand von Polar-Form zu, der sich gleich rechts hinter dem Eingang befindet. Beim Besuch unserer Redaktion sind Louis Friedrich und Nico Moser dort gerade in ein Gespräch mit drei Mädchen vertieft. Die Werkzeugmechaniker-Azubis im dritten Lehrjahr lassen die Schülerinnen kleine Metallstäbe zu einem Würfel zusammenbauen. „So kann man logisches Denken und Fingerfertigkeit testen, beides braucht man für den Beruf“, erklärt Friedrich.
Was ihr Betrieb macht, veranschaulichen die beiden Lehrlinge an einem konkreten Beispiel: Hinter ihnen steht auf einem Podest ein Thermomix; Polar-Form habe ein Werkzeug hergestellt, dass zur Produktion der Multifunktions-Küchenmaschine unerlässlich sei, erklärt Friedrich.
Am Tisch daneben unterhält sich Michael Erb mit weiteren Schülern. Formate wie die Jobmesse brauche man zur Nachwuchsgewinnung, bestätigt der Ausbildungsleiter von Polar-Form unserer Redaktion. Deshalb werde man auch wieder bei der Job-Expedition mitmachen und Praktika anbieten.
Die Schülerinnen – Nouran Al-Kadouri, Shirel Wahler und Emilie Rückert – werden aber nicht bei dem Werkzeugbau-Unternehmen anfangen. Sie holen sich an dem Stand Stempel für einen Wettbewerb ab, hören den beiden Azubis interessiert zu und basteln auch Metallwürfel zusammen. Beruflich soll es bei ihnen aber in eine ganz andere Richtung gehen, wie sie erzählen – sie wollen Ärztinnen werden.
Die Mädchen gehen in die neunte Klasse am Max-Planck-Gymnasium, wobei am Freitag die zweite bis vierte Schulstunde für den Besuch der Jobmesse vorgesehen war. Auch die anderen Lahrer Schulen schickten Schüler dort hin, es war viel los in beiden Hallen.
Dass die drei MPG-Schülerinnen bereits genau wissen, was sie später machen wollen, ist offenbar untypisch für Jugendliche ihres Alters. Mehrere Firmenvertreter an den insgesamt 59 Ständen bei der Jobmesse sagen unserer Redaktion, dass die Teenager in der Regel Hilfe und Orientierung bei der Berufswahl bräuchten, ihnen häufig noch gar nicht richtig klar sei, dass der Ernst des Lebens bald auf sie zukomme. Eine Ausbilderin erzählt, dass ihrer Erfahrung nach jungen Leuten ihre persönliche Freiheit besonders wichtig sei, dass sie lieber reisen und lange zur Schule gehen als eine Ausbildung machen wollten. Mit dieser Einstellung habe man dann entsprechend keine Lust, täglich bis 16 Uhr im Betrieb zu arbeiten.
Die Firmen lassen sich eine Menge einfallen, um das Interesse der Messebesucher auf sich zu ziehen. Am Stand von Schwarzwald Eisen kann man Basketbälle auf Körbe werfen, beim Pflege-Centrum Kenk steht ein Tischkicker, während Julabo Jugendliche zu einem Quiz im Stil des ZDF-Quizshowklassikers „1, 2 oder 3“ einlädt. Bei Vogel-Bau können die Schüler an einem Glücksrad drehen und sich anschließend bei den Gewinnen bedienen, die in umgedrehten Bauarbeiterhelmen bereitliegen – Geodreiecke und Schokolade stehen unter anderem zur Wahl.
Die Unternehmen verteilen großzügig Werbegeschenke
An so gut wie allen Ständen werden die Schüler großzügig mit Geschenken eingedeckt – es gibt Kugelschreiber, Kartenspiele, Plastikfrösche, Gummibärchen, Tragetaschen, Adapter fürs Handy und vieles mehr.
Das wohl originellste Werbegeschenk hat die Stadt Lahr zu bieten – an deren Stand liegt der Storchenturm als Mini-3D-Ausdruck zur Mitnahme bereit. Ausbildungsleiterin Stefanie Weinacker erzählt, dass die Stadt 16 Lehrberufe zu bieten habe. Für die Ausbildung zur Erzieherin wirbt vor Ort Sabine Grothe, Leiterin der städtischen Kita Am Schießrain. „Es ist ein wunderschöner Beruf“, betont sie.
Teils müssen die Aussteller Vorurteile bei den jungen Leuten überwinden. So erzählt Jan Weygold von der Firma FAT-Flachdachbau aus Langenwinkel unserer Redaktion, dass manche Schüler Vorbehalte gegen Berufe in der Baubranche hätte. Doch die würden sich legen, wenn man mit ihnen ins Gespräch komme. Er selbst sei sehr gern Dachdecker, man sei an der frischen Luft und es komme keine Langeweile auf.
Auch die Sicherheitsbehörden sind vertreten – Polizei, Bundeswehr und die Justizvollzugsanstalt Offenburg. Deren Stände sind sogar besonders dicht umlagert. Die Justizvollzugsanstalt zeigt Zellenfunde bei Insassen – selbst hergestellte Messer, Spritzen oder eine Tätowiermaschine.
Besteck ganz anderer Art hat das Herzzentrum auf einem Tisch ausgebreitet – Utensilien, die im OP-Saal verwendet werden. Dort werben Vivien May-Rizzo, Karin Schandl und Corinna Lindemann in ihrem Berufsoutfit für die Ausbildung zur Pflegefachkraft und zum OTA – Operationstechnischer Assistent. Man sei bereits im Vorjahr auf der Jobmesse vertreten und mit der Resonanz zufrieden gewesen, ist von ihnen zu hören.
Am Samstag geht’s weiter
Die von Taner Demiralays Firma T-Event veranstaltete Berufsinfomesse „Jobklahr“ in beiden Hallen im Bürgerpark kann auch an diesem Samstag besucht werden. Sie ist von 9 bis 14 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.