Mit einem eigens gemieteten Bagger demolierte ein Bauunternehmer in Blumberg einen frisch fertig gestellten Neubau. Foto: Opitz

Seine Tat war schockierend: Ein Bauunternehmer hat vor einem Monat in Blumberg ein gerade errichtetes Mehrfamilienhaus stark beschädigt. Er riss unter den entsetzten Augen der Bauherren mit einem Bagger mehrere Balkone nieder. Anschließend stellte er sich der Polizei und bedauerte seine Tat.

Blumberg/Ravensburg - Das Motiv des verzweifelten Handwerkers: Er habe monatelang ausstehende Rechnungen vom Bauträger nicht bezahlt bekommen. Nun bekommt er Unterstützung durch die landesweite Aktion "Solidarität mit dem Bagger". Einer der Initiatoren ist der Ravensburger Stuckateurmeister Eberhard Ruetz.

Schwarze Schafe unter Bauträgern

"Wenn nur jeder der hunderttausend im Bau tätigen Handwerker fünf Euro spendet, kann der Schaden von 500 000 Euro bezahlt ­werden", sagt der Ravensburger. Er denkt dabei an Maurer, Stuckateure oder Maler, von denen viele schon ähnliche Erfahrungen mit ­Bauträgern gemacht hätten. "Ich will sie nicht alle verteufeln, viele sind korrekt, aber es gibt eben auch schwarze Schafe", sagt Ruetz. Obschon er das Niederreißen der Balkone natürlich nicht gutheißt, kann er den Ärger und die Affekthandlung des Mannes verstehen, dem der Bauträger angeblich noch eine Million Euro schuldete. "Es ist bei weniger seriösen Bauträgerkonsortien schon beinahe üblich, dass mit dem Geld, welches den Handwerkern zustünde, gearbeitet wird. Entweder wird durch raffinierte Vertragsgestaltung über vermeintliche Mängel, nicht anerkannte Leistungen und Ähnliches Geld einbehalten, Rechnungen gekürzt oder gar nicht bezahlt. So lassen sich auch kostenlose Zusatzleistungen herausschinden, welche dem Endkunden aber sehr wohl in Rechnung gestellt werden und den Säckel der Bauträger füllen", beschreibt Ruetz.

Verständnis, dass der Kragen platzt

"Da kriegt ein Handwerker als Vertragswerk ein Buch mit 40 Seiten und findet die Fußangeln natürlich nicht", sagt der frühere Stuckateur-Obermeister aus dem Kreis Ravensburg.

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An solchem Gebaren leide das Handwerk schon seit Jahrzehnten, und es werde nicht wirklich besser. Eberhard Ruetz: "Dass irgendwann einmal jemandem der Kragen platzt, ist von daher schon verständlich – und die Tat ruft nicht nur bei Kennern der Szene eine gewisse Bewunderung hervor."

Am Ende würde unter solchen Machenschaften das schwächste Glied der Kette leiden: nämlich der angestellte Mitarbeiter oder Handwerker auf der Baustelle. "Das Geld, welches in der Handwerksfirma fehlt, kann letztlich auch nicht an den Mitarbeiter bezahlt werden. Entweder geht die Firma in Insolvenz, oder die Mitarbeiter verzichten auf Lohn, um den Betrieb zu retten, oder der Mitarbeiter muss Nacharbeit leisten, die nicht bezahlt wird, oder Sozialleistungen werden gekürzt", zählt Ruetz mögliche Folgen auf.

Der Rückbau oder die Zerstörung einer bereits erbrachten Leistung am Bauobjekt eines Auftraggebers sei, auch wenn dafür kein Geld bezahlt worden ist, rechtlich aber natürlich nicht zulässig. Daher müsse der Handwerker nun für den Schaden aufkommen und eine Strafe zahlen. Das alles belaufe sich wohl auf eine halbe Million Euro.

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Fünf Euro von jedem Handwerker reichen

Aufgrund dieser Überlegungen habe eine kleine Gruppe Handwerker die Aktion ­"Solidarität mit dem Bagger" ins Leben gerufen, mit der Idee, dass jeder Handwerker nur fünf Euro spendet. Dies würde ausreichen, um den entstandenen Schaden an dem Gebäude und die Strafe zu begleichen.