Walter Morlock (DRK), Anja Lewandowski (Hauptamt) und Bürgermeister Christoph Enderle vor dem Seniorenmobil. Foto: Fuchs

Seniorenmobil: Gemeinschaftsprojekt von Gemeinde und DRK gut angelaufen / Positive Rückmeldungen von den Nutzern

An Mitfahrgelegenheiten mangelte es bisher in Loßburg für ältere Menschen, die nicht gut zu Fuß sind. Das Problem scheint dank einem gemeinsamen Projekt der DRK-Ortsvereine und der Gemeinde gelöst. Das Seniorenmobil hat nach einem Monat schon 18 Fahrer und drei Stammkunden gefunden.

Ein Auto, 18 Fahrer und schon drei Stammkunden. Das Loßburger Seniorenmobil gibt es erst seit Anfang August und es erfreut sich schon einer gewissen Beliebtheit. Wenn es jetzt noch etwas bekannter wird, könnte sich die größte Lücke im Nahverkehrsnetz der Gemeinde schließen.

An Mitfahrgelegenheiten mangelte es bisher in Loßburg für ältere Menschen, die nicht gut zu Fuß sind. Das Problem scheint dank einem gemeinsamen Projekt der DRK-Ortsvereine und der Gemeinde gelöst. Das Seniorenmobil hat nach einem Monat schon 18 Fahrer und drei Stammkunden gefunden.

Loßburg. Ganz neu ist die Idee nicht. In Freudenstadt gibt es das Kon­zept des Sammeltaxis für ältere Menschen schon seit Jahren. Und es funktioniert. Frank Vogel, Leiter des DRK-Ortsvereins Loßburg, Walter Morlock, der die DRK-Ortsgruppe Wittendorf leitet, und Bürgermeister Christoph Enderle hatten keine Zweifel, dass es das in Loßburg auch würde.

"In Wittendorf ist durch das Projekt ›Lebensqualität durch Nähe‹ ein Mitfahrbänkle entstanden", erklärt Morlock. "Der Bürgermeister und ich haben aber gesagt, es macht keinen Sinn, nur Angebote für einzelne Ortsteile zu haben." Sie wollten ein Seniorenmobil einführen, das die Gesamtgemeinde abgedeckt. Schnell holten sie Vogel ins Boot und starteten mit der Vorarbeit. Das erste Treffen war im November vergangenen Jahres.

Das Fahrzeug gehörte einem privaten Anbieter. Das DRK hat den Combo mit fünf Sitzen organisiert. Er bietet genug Platz für Gehhilfen und ist hoch genug, dass es sich bequem aussteigen lässt.

An jedem Tag ist ein Teilort dran

Ähnlich glücklich fügte sich das Schicksal bei der Suche nach Fahrern. "Wittendorf ist nicht groß, da kennt man die Leute", meint Morlock und lacht. Er sei einfach von Tür zu Tür gegangen und habe nachgefragt, wer bereit wäre, sich zu engagieren. Das Ergebnis war eine Liste mit 18 Fahrern allein aus Wittendorf. "Die anderen Teilorte lassen noch ein bisschen zu wünschen übrig", sagt er. Das Thema müsse sich wohl noch per Mundpropaganda verbreiten.

An vier Tagen pro Woche ist das Bürgermobil unterwegs, erklärt Anja Lewandowski, Hauptamtsleiterin der Gemeinde. Jeweils montags und mittwochs können interessierte auf dem Rathaus bei der Bürgermobil-Telefonzentrale anrufen und sagen wann und wo sie hin möchten. Das Sammeltaxi fährt jeden Tag einen Teilort an. Auf der Runde ist immer Loßburg dabei, sodass die Dörfer mit dem Kernort verbunden werden. Die Senioren werden zu Hause abgeholt, an ihrem Ziel abgesetzt und später wieder zurückgebracht.

"Wegen Corona machen wir gerade hauptsächlich Einzelfahrten, aber wenn sich die Gefahr durch die Pandemie noch etwas legt, gibt es auch Gruppenfahrten", erklärt die Hauptamtsleiterin. Und wie lässt sich das organisieren, wenn jeder zu einer anderen Zeit abgeholt werden muss? "Die Leute teilen uns ihre Zielorte und die Zeit, die sie in etwa brauchen, vorher mit. Dann planen wir die Routen", erklärt Lewandowski. Beim Abliefern muss nach Priorität geordnet werden. Der Arzttermin gehe zum Beispiel vor, wenn der andere Fahrgast einkaufen gehen wolle. Und beim Abholen muss sich der ein oder andere vielleicht ein paar Minuten gedulden. Bisher habe es maximal zwei bis drei Mitfahrer gleichzeitig gegeben und da habe zeitlich alles gut hingehauen. Die Einkaufsfahrten kommen aktuell am häufigsten vor. Und das Seniorenmobil hat sogar schon Stammkunden.

"Wir haben zwei, drei Leute, die jede Woche dabei sind", freut sich Lewandowski. Und die seien bis jetzt sehr zufrieden. Sie hätten sogar Fotos von ihrer Fahrt geschickt und sich bedankt. Auch die Fahrer sind mit Eifer dabei. Wenn es nicht in Gebrauch ist, steht das Seniorenmobil in der Rathaus-Tiefgarage. Die Fahrer holen im Rathaus den Schlüssel ab. "Sie haben eine Whatsappgruppe, und das klappt sehr gut", so Morlock. "Wenn ein Fahrer für einen bestimmten Tag eingeteilt war und ihm etwas dazwischen kommt, schreibt er das in die Gruppe, und sofort gibt es andere, die anbieten, zu tauschen", lobt er das Engagement.

Ein Stück Unabhängigkeit zurück

Momentan gibt es im Schnitt drei bis vier Anmeldungen pro Woche. "Das kann ruhig noch mehr werden", hofft Lewandowski. "Vielleicht wirkt Corona doch noch so abschreckend auf einige, dass sie die öffentlichen Verkehrsmittel nicht nutzen wollen", befürchtet sie.

Die Pandemie sei Schuld gewesen, dass es erst im August los ging. Der Start sei im April geplant gewesen. Da sei die Gefahr für die Nutzer wie für die teilweise auch älteren Fahrer ohne Impfungen aber noch zu groß gewesen. Außerdem gab es damals noch die Regel, dass der Fahrer durch eine Glasscheibe vom Gast hätte abgetrennt werden müssen. "Und Umbauen wollten wir das Auto nicht auch noch", so Morlock.

Jetzt ging es jedenfalls los, und Morlock sieht die Lücke im öffentlichen Nahverkehr in und um Loßburg damit als geschlossen. Für ihren Aufwand bekommen die Fahrer eine kleine Ehrenamtspauschale. Auch der Sprit kostet. Daher wird für die Nutzer ein kleiner Betrag, je nach Streckenlänge zwischen zwei und vier Euro, fällig. Ob die Taxifahrer bei den Preisen neidisch werden? "Wir wollen auch keine Konkurrenz zu den Bussen und Taxis sein", betont Lewandowski. "Wir wollen das Netz ergänzen und unsere Bürger unterstützen." Außerdem sei die Klientel dort eine andere, ist sich Morlock sicher. "Wer das Seniorenmobil nutzt, würde nie in einen Bus steigen, weil viele der Senioren den Weg zur Bushaltestelle gar nicht mehr schaffen." Wenn sie aber an der Haustür abgeholt werden und ihnen die Einkäufe später zur Tür getragen werden, funktioniere es. Und sie bekommen so ein Stück Unabhängigkeit zurück.

Das Seniorenmobil ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Loßburg und der DRK-Ortsvereine Loßburg und Wittendorf.

Alle Fahrten beinhalten den Kernort Loßburg. Anmeldung montags und mittwochs von 8 bis 12 Uhr auf dem Rathaus unter der Telefonnummer 07446/950 41 05.

 n Montag, Wittendorf und Lombach: Schnaitertal, Wittendorf, Ursental, Lombach, Sulzbach, Wiesenhof. 

n Dienstag, Schömberger Runde: Büchenberg, Ödenwald, Steinwald, Schömberg, Hinterrötenberg 

n Mittwoch, Runde Sterneck und 24-Höfe: Dottenweiler, Romsgrund, Geroldsweiler, Oberbrändi, Unterbrändi, Sterneck, Salzenweiler, Heimbachhof

n  Donnerstag, Runde Betz­weiler-Wälde: 24-Höfe, Betzweiler, Wälde, Bohl, Breitenau 

n Uhrzeiten an allen Tagen: jeweils von 8.30 bis 9.30 Uhr Abholzeit, von 11.30 bis 12.30 Uhr Rückfahrzeit.