Sie haben stets die Persönlichkeit, den Menschen als Individuum im Blick: Bernhard Jung und seine Tochter Angela. Vor 50 Jahren wurde ihr Friseursalon in der Kameralamtstraße in Balingen eröffnet. Foto: Andrea Maute

Anlässlich seines Salon-Jubiläums blickt Friseurmeister Bernhard Jung in die Zukunft – und wirft „einen modischen Blick in den Rückspiegel“.

Nur wer brennt, kann andere entzünden, lautet ein Satz, den einst Aurelius Augustinus prägte. Übertragen lässt er sich auf alle Lebensbereiche. Auf die Gesellschaft im Allgemeinen und auf das soziale Leben und die Arbeit im Besonderen.

 

Seit 50 Jahren gibt es den Salon Jung Friseur in Balingen. Und genauso lange lebt sie Inhaber Bernhard Jung: die Leidenschaft für seinen Beruf. Sie war und ist sein Antrieb. In der Vergangenheit. Und in der Gegenwart. Dass sie es auch in Zukunft sein wird, daran lässt der Unternehmer keinen Zweifel. Denn während bei einem Jubiläum nicht selten die Rückschau im Vordergrund steht, geht sein Blick vor allem in eine Richtung: nach vorne.

„Was zählt, ist das Hier und Jetzt – und das was kommt“, sagt er. Und verrät, dass ihm vor letzterem nicht bange ist. Denn das Wichtigste sei, seinen eigenen Weg zu gehen.

„Die Leidenschaft muss da sein“

Man mag es Philosophie nennen. Oder Passion. Bernhard Jung bringt das, was ihn antreibt, auf folgende Formel: „Tag für Tag gemeinsam mit meinem Team daran arbeiten, die Persönlichkeit unserer Kundinnen und Kunden hervorzuheben und ihnen Wohlbefinden zu schenken.“​

Mit 14 Jahren erlernte er, wie damals üblich, das Friseurhandwerk. „Man kann sehr viel dazulernen“, sagt er mit der Erfahrung von heute und fügt hinzu: „Können kann man beibringen. Aber Leidenschaft muss da sein.“

Das ist ihm auch bei seinem Team wichtig, zu dem neben seiner Tochter Angela, die seit 2014 Miteigentümerin des Salons in der Kameralamtstraße ist, aktuell vier Mitarbeiterinnen gehören.

„Der Schnitt trägt die Frisur“

Bernhard Jung selbst hat auf seinem beruflichen Weg, der mit der Ausbildung bei Friseur Max Schlotterbeck in der Paradiesstraße begann und ihn früh die Selbstständigkeit führte, seine Leidenschaft für den Haarschnitt entdeckt.

„Der Schnitt trägt die Frisur“, drückt er es aus. Sich darauf zu konzentrieren sei seine persönliche Wahl gewesen, erzählt er und spannt damit den Bogen zu besagtem Grundsatz, die Persönlichkeit des Menschen in den Blick zu nehmen.

Diesen teilt er mit seiner Tochter Angela. Dass Leute bisweilen meinen, jedem Trend, der in der Social-Media-Welt geprägt wird, hinterherjagen zu müssen, sieht sie deshalb eher kritisch. Statt jemandem etwas überzustülpen, das nicht zu ihm oder zu ihr passt, sollte vielmehr das Individuum im Mittelpunkt stehen, ist auch ihre Überzeugung.

Das Gefühl zu sich selbst

Mit dem Energetischen Haarschnitt widmet sie sich einem Bereich, der diese Philosophie nicht nur untermauert, sondern der tiefer geht. Und bei dem nicht zuletzt die Frage eine zentrale Rolle spielt, wie man sich fühlt.

„Es geht um das Gefühl zu sich selbst“, beschreibt es Angela Jung. Und in diesem Sinne auch um „Seelenarbeit.“ Denn Haare gelten als Spiegel der Seele; als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Und der „bewusste Haarschnitt“ als Verfahren, das Körper, Geist und Seele in Einklang bringt. Oft reichen schon kleine Veränderungen, um das Wohlbefinden nachhaltig zu stärken, wissen die Experten. „Schönheit“, ist Bernhard Jung überzeugt, „entsteht, wenn der Betrachter betont: Das bin ich!“ Und wenn dieser dann aus vollem Herzen sagen kann, „ich fühle mich einfach gut“, erfülle einen das mit großer Freude, sagt seine Tochter.

Durch das (Friseur-)Handwerk die individuelle Schönheit unterstreichen – dieses Credo prägt seit der Eröffnung am 6. April 1976 die Arbeit im Salon. Momente, die genau das ausstrahlen, hat Bernhard Jung, dessen zweite große Passion die Fotografie ist, mit der Kamera festgehalten.

(Haar-)Kunst im Salon

Anlässlich des Jubiläums wirft er mit der Ausstellung 50 Fotografien aus den vergangenen 30 Jahren, auf denen Kunden und Mitarbeiterinnen in Szene gesetzt sind, „einen modischen Blick in den Rückspiegel.“ (Haar-)Kunst, die Vergängliches – die Frisur – für Gegenwart und Zukunft bewahrt.

Damit setzt der Geschäftsführer, der in seinem Salon regelmäßig regionalen Künstlern die Möglichkeit eröffnet, ihre Arbeiten zu präsentieren, das um, was er auch als Vorsitzender des Vereins „Freiraum Balingen kreativ“ als Ziel formuliert: Kunst und Menschen zusammenzuführen.

Mit jeder Menge kreativer Energie und, nicht zu vergessen, ganz viel Leidenschaft wird er das auch weiterhin tun.

Salon-Ausstellung

„Frisurenzeitreise“
Alle Interessierten lädt Bernhard Jung dazu ein, sich im Rahmen der Salon-Ausstellung anlässlich des 50-jährigen Jubiläums auf eine „Frisurenzeitreise“ zu begeben und die Fotografien in Augenschein zu nehmen. Zu sehen sind diese circa zwei Monate.