Nach 34 Jahren in der Selbstständigkeit gibt Conni Neiß ihren Friseursalon „Living Hair“ in der Ebinger Langwatte Ende Februar 2027 auf. Sie ist bereits auf Nachfolgersuche.
Ende Februar 2027, also in gut einem Jahr, endet eine Ära in Albstadt-Ebingen. Conni Neiß geht in den Ruhestand. Ihre Kunden sind bereits informiert: Sowohl per E-Mail als auch im Salon selbst hat die erfahrene Friseurin auf ihren bevorstehenden Abschied hingewiesen. Diese frühzeitige Kommunikation sei ihr wichtig: „Ich will die Kunden nicht erst zwei Monate vor Schluss vor den Kopf stoßen“, sagt Conni Neiß im Gespräch mit unserer Redaktion.
Ihr Geschäft „Living Hair“ in der Langwatte führt sie seit gut 15 Jahren. Zuvor war die Friseurmeisterin in ihrem Salon in der Schmiecha-Straße beheimatet. Dort hatte sie Anfang der 1990er-Jahre den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Zuvor arbeitete sie zehn Jahre im damals angesagten Hairfashion Atelier Saeliger und absolvierte während dieser Zeit auch ihre Meisterprüfung.
Nachfolgersuche läuft
Die Freude am „unterschätzten Friseurberuf“, wie Conni Neiß selber sagt, habe sie über all die Jahre nicht verloren: „Es ist alles gut gelaufen, ich habe eine tolle Kundschaft, der ich bis zum heutigen Tag für ihre Treue sehr dankbar bin.“ Mit Lina Giannetta habe sie zudem eine tolle Mitarbeiterin, welcher sie für ihre Loyalität danken möchte. Dazu richtet sie ein besonderes Dankeschön an ihren Mann Bodo Neiß, welcher ihr mit Rat und Tat immer zur Seite steht und all die vielen Dinge erledigt, die man als Außenstehender nicht wahrnimmt. „Ohne ihn wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin.“
Und: „Natürlich wünsche ich mir auch sehr, dass nach meinem Ausscheiden weiterhin im Salon Haare die Hauptrolle spielen.“ Die Nachfolgesuche läuft bereits. Interessierte sind eingeladen, sich zu melden. „Es wartet ein toller und großer Kundenstamm“, betont Conni Neiß. Sie wolle einem potentiellen Nachfolger oder einer potenziellen Nachfolgerin mit ihrer Hilfe einen nahtlosen Übergang ermöglichen – auch durch eine sofortige Festanstellung bis zur Übernahme.
In den Jahren ihrer Selbstständigkeit hat Conni Neiß viel Erfahrung mit den herausfordernden Seiten des Friseurberufs gemacht. „Es erfordert Leidenschaft, Ehrgeiz und großes Engagement und man lernt in diesem Beruf nie aus“, sagt Conni Neiß, welche in diesem Jahr ihren 64. Geburtstag feiert.
Beispielsweise müsse man sich auf jeden Kunden neu einstellen. Dazu würden Friseure auch mit zahlreichen Schicksalen und Sorgen ihrer Kunden konfrontiert. Das zu verarbeiten, sei nicht immer einfach. Für viele junge Menschen sei der Friseurberuf inzwischen zu anstrengend, weshalb es auch am Nachwuchs fehle.
Klassische Friseure gebe es immer weniger. Dennoch ist Conni Neiß, die selbst einige junge Friseure ausgebildet hat, optimistisch: „Der Friseurberuf ist derzeit im Wandel. Es entsteht eine neue Generation an Friseuren, sie müssen nur ihr Potenzial erkennen.“
Belastet habe „Living Hair“ in jüngster Vergangenheit die zunehmende Bürokratie. Ohne ihren Mann Bodo Neiß, der ihr bei Buchhaltung und Co., aber auch im Salon zur Hand geht, wäre der wachsende Aufwand nicht zu stemmen gewesen. Eine schwierige Zeit habe auch die Corona-Pandemie mit ihrem harten Lockdown im Frühjahr 2021 gebracht.
Damals musste auch „Living Hair“ für rund drei Monate schließen. „Erst war ich ziemlich am Boden. Ich habe aber auch gesehen, dass das Geschäft drei Monate geschlossen sein kann und man dann erleben darf, wie die Kunden es wertschätzten, als wir anschließend wieder für sie da waren.“
Kreativität macht Beruf aus
Dennoch habe die Zeit viel Geld gekostet. Die beantragte staatliche Soforthilfe wurde aus dem Ersparten zurückgezahlt. Trotz all dieser Aspekte hat Conni Neiß den Spaß am Friseurberuf nie verloren: „Der Kontakt mit den Menschen und die Kreativität, die an den Haaren ausgelebt werden kann, haben mich immer begeistert.“ Ihren Kunden mit einem Haarschnitt eine Freude zu bereiten, ist ihr stets ein Anliegen.
Ruhestand genießen
Doch nun freut sich die 63-Jährige aber auch darauf, bald ihren Ruhestand zu genießen. Viel reisen wollen sie und ihr Mann – insbesondere mit dem Camper. „Wir werden auf unbestimmte Zeit unterwegs sein“, kündigt Conni Neiß mehrmonatige Reisen im europäischen Ausland an. Bis dahin, so ihr Wunsch, hat ein Nachfolger ihr Geschäft in der Ebinger Langwatte übernommen.