Eines der Gebäude vor der Sanierung 1980 Foto: Siegmeier Foto: Schwarzwälder Bote

Serie: Saline einst bedeutender Wirtschaftsfaktor / Arbeitersiedlung wurde 1912 fertiggestellt / Teil 3

Heute findet man nur noch wenige Gebäude der einstigen Saline "Wilhelmshall". Die meisten wurden nach der Schließung abgebrochen. Die schmucke Arbeitersiedlung mit ihren gelben Doppelhäusern mit grünen Fensterläden indes ist – schmuck saniert – auch heute noch vorhanden.

Rottweil. Dass diese Gebäude noch stehen, ist viel Verhandlungsgeschick und unter anderem dem Einsatz von Werner Fischer zu verdanken. Als Mitarbeiter des Staatlichen Liegenschaftsamtes hat er die Schließung der Saline und die Weiterverwertung der Flächen damals von Berufs wegen miterlebt. Im Interview erzählt er von längst vergangenen Tagen und der Wohnanlage, die knapp 110 Jahre alt ist.

Im Jahr 1910 wurde die Siedlung mit den vier Doppelwohnhäusern erbaut und galt als "kleines, aber recht bemerkenswerte Beispiel staatlicher Wohnungsfürsorge für Arbeiter", wie das Zentralblatt der Bauverwaltung von Berlin im August 1912 schreibt. Zehn Gebäude waren ursprünglich geplant, vier Doppelwohnhäuser, oder auch Laborantenhäuser, wurden gebaut. Die Gebäude waren von Gemüsegärten umgeben, und auch ein Ziegenstall war in jedem der Gebäude untergebracht. Das Zentrum der Siedlung war als Spielplatz für Kinder bestimmt, auch ein Brunnen ziert den Platz.

Die Abmessungen der Räume haben das "für Arbeiterwohnungen übliche Mindestmaß" überschritten. So bestanden die Wohnungen seinerzeit im Erdgeschoss aus der Wohnküche sowie einer Wohn- und Schlafstube. Hinzu kamen Speisekammer, Trockenklosett und Stall. Im Dachboden gab es eine Kammer sowie den Futterboden. Die Baukosten für ein Doppelwohnhaus betrugen 14 150 Mark.

Gefängnis war im Gespräch

Nach der Schließung der Saline 1969 ging das gesamte Areal, also auch die Wohnsiedlung, ans Land Baden-Württemberg über. Und so kam Werner Fischer mit dem Areal in Kontakt. Die Gebäude gefielen ihm. Nach seiner Heirat zog er mit seiner Frau zunächst in das Verwaltergebäude ein, das heute ebenfalls noch – ein wenig versteckt – zu finden ist.

Nach und nach habe man die betrieblichen Anlagen abgebrochen. Auch die Laborantenhäuser sollten dem Erdboden gleich gemacht werden. "Da mussten wir wirklich drum kämpfen", erinnert sich Fischer. Für das gesamte Areal war zudem eine ganz andere Planung vorgesehen, als wir sie heute kennen. Denn nachdem das Areal in den Besitz des Landes überging, sollte hier zunächst das neue Zentralgefängnis entstehen, das – man höre und staune – bereits seinerzeit im Gespräch war. Doch es regte sich Widerstand vom benachbarten Rottenmünster und auch von Seiten der Stadt. Deswegen machte sich der damalige Finanzminister Robert Gleichauf dann persönlich ein Bild von dem Gelände. Den Einwänden der Stadt wurde Rechnung getragen, und der "Stallberg" als Gefängnisareal vorgesehen. Aber auch in Sachen Wohnanlage galt es nochmals Energie aufzubringen. Werner Fischer sammelte bei den Salinenbewohnern Unterschriften für den Erhalt des Areals.

Unter Schutz gestellt

1978 hat er sich dann in Abstimmung mit den Bewohnern der Saline an die Stadtverwaltung und das Landesdenkmalamt gewandt, die "erhaltenswerte Kleinsiedlung zu schützen und unter Denkmalschutz zu stellen". Auch dies gelang: 1980 hat das Landesdenkmalamt die ehemaligen Laborantenhäuser als Kulturdenkmale anerkannt und die gesamte Wohnanlage einschließlich Grünanlage und Brunnen als Ensemble unter Schutz gestellt. Fischer selbst erwarb eines der Häuser, sanierte es und wohnte hier viele Jahre lang mit Familie. Auch heute noch sind die schmucken Häuser eine wahre Pracht und ihre Bewohner hegen und pflegen das Areal. Auch die Rottweiler Bäder wurden und werden mit Rottweiler Sole versorgt. Dazu mehr in unserem nächsten Serienteil.

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