Die Veranstalter der Vernissage Jürgen Näger (von links) , Hanspeter Weiß, Vorsitzende Désiree Thudichum, Bürgermeister Lorenz Wehrle und Kulturamtsleiter Peter Spörrer formierten sich für ein Gruppenbild. Foto: Gudrun Gehr

Die Dorfstube Ötlingen ist in die neue Saison gestartet. Zugleich gab es die Vernissage zum Thema „Begegnungen - Skulpturen - Fotografie“ der Künstler Hanspeter Weiß und Jürgen Näger.

​ Hanspeter Weiß und Jürgen Näger sind schon länger als Ötlinger „Art“-Künstler bekannt und vereinbarten vor Kurzem, ihre in Korrespondenz stehenden Schöpfungen beim Förderverein zu präsentieren. Musikalisch wurde die Vernissage im offiziellen Teil zunächst mit klassisch romantischen Klängen von Heike Rügert (Bassklarinette) und Heiner Krause (Waldhorn) umrahmt.

 

Esse glühte zum Saisonstart

In der Dorfschmiede nebenan glühte die Esse, angeheizt von Alt-Schmied Roland Bühler, der seine entsprechende Ausbildung ab dem Jahr 1954 in Egringen absolvierte. Der in Ötlingen wohnende leidenschaftliche Schmied zeigte sich noch nach langen Berufsjahren mit Begeisterung bei seiner Tätigkeit, die er zu Vorführungszwecken immer noch gerne zeigt. Bühler fertigt je nach Bedarf kleinere Schmiedearbeiten wie Nägel, Kerzenständer, Ketten- oder Zierhaken.

Die Vorsitzende Désiree Thudichum begrüßte die beiden Künstler und die Gäste bei der bestens besuchten Veranstaltung vor der Dorfstube. Sie verwies schmunzelnd auf die Vorführungen in der Schmiede, wobei auf Verlangen ab und an durchaus auch besondere Reparaturarbeiten durchgeführt werden können. Die Vernissage im Obergeschoß des Dorfmuseums zeigt Kunstwerke im Austausch der Skulpturen von Jürgen Näger mit den Fotografien von „Haus- und Hoffotograf der Dorfstube“, Hanspeter Weiß. „Hier handelt es sich um ein super gelungenes Zusammenspiel der Skulpturen aus Holz, Stein oder Stahl mit den filigranen Fotografien, die Augenblicke einfangen“, sagte Thudichum. Die Fotografien sind detailverliebt und vermitteln eine mikroskopische Sicht in den Bildausschnitten, die als Dreier-Serie kombiniert sind.

Begegnung der Kunstarten

Eine Einführung in die Ausstellung kam von Bürgermeister Lorenz Wehrle, der sich freute, „über den Wolken von Ötlingen“ mit besonderer Weitsicht die Saison eröffnen zu können. Die Ausstellung mit dem Thema „Begegnungen“ passe in das Dorfmuseum, das Gebäude wurde 1596 als „Gretherhaus“ zum ersten Mal erwähnt. Auch der Förderverein dürfe mittlerweile schon auf 40 Jahre seiner Existenz zurückblicken. Bei der Vernissage dürfen sich die Kunstwerke aus Fotografie und der vielfältigen Bildhauerei begegnen. „Es ist alles eine Frage des Blickwinkels – hier kann man sich die Welt aussuchen, die einem begegnet“, erklärte Wehrle. Der Bürgermeister riet den Gästen: „Schauen sie genau hin und entdecken sie die Gegensätze zwischen alt und neu“.

Foto: Gudrun Gehr

Auch Peter Spörrer sprach einleitende Worte. Der Kulturamtsleiter bedankte sich für die ehrenamtliche Arbeit in der Dorfstube, „ohne diese wäre die Sonderausstellung nicht möglich“. „Höhere Besucherzahlen sind ohnehin nur durch Sonderausstellungen zu erlangen“, sagte Spörrer.

Vor 15 Jahren den Weg gefunden

Jürgen Näger erklärte, den Weg zur Bildhauerei vor rund 15 Jahren gefunden zu haben. Auch seine Anfangswerke seien nun zu besichtigen. Das Material seiner Skulpturen „schwätzt gerne mit“. Seine zarten Skulpturen tragen Namen wie „Seelenfenster“, „Umarmung mit Licht“ oder „In sich gekehrt“. Die Idee, die Werke gemeinsam auszustellen, sei zusammen entstanden.

Bilder, die Geschichten erzählen

Hanspeter Weiß stellte sich als Künstler im „Art“-Dorf von der ehemaligen Gemeinschaft der K6-Fotografen vor. Für die Ausstellung habe er hinterlegte Fotos aus seinem reichhaltigen Fundus ausgewählt und zu Dreier-Serien zusammengefügt. „Die Bilder verbinden sich und können Geschichten erzählen“, meinte Weiß.

Musikalische Überraschung

Zum Schluss gab es noch einen unerwarteten Ohrenschmaus. Heiner Krause präsentierte mit seinen Musikerkollegen Bernd Schöpflin (Tuba) und „King“ Marko Frank (Trompete) – ein Teil der Dixie-Band „Sugar Foot Stompers“ – ein Open-Air-Konzert in den späten Nachmittag. Unterhalten wurde mit Stücken von Louis Armstrong und älteren Komponisten wie Shelton Brooks mit spritzigem Dixie und Jazz aus dem tiefsten New Orleans der 1920er- und 1930er-Jahre.

Geöffnet ist die Ausstellung jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr.